Review

Was drückt sich da nur aus dunklen Schatten? Timor Et Tremor gehören jedenfalls nicht zu jenen Black Metal Truppen, die mit einer berechenbaren musikalischen Aura glänzen, obwohl sie viele bekannte Elemente mit in ihren Sound bringen. „For Cold Shades“ erinnert vielmehr an eine Sonnenfinsternis. Beängstigend und doch faszinierend.

Dabei wird man überrascht sein, wie leicht Timor Et Tremor die Hörer an ihr Album heranführen; nicht unbedingt mit dem ersten Titel „Yearning“, aber ab den rollenden Drums in „Fen Fire“ kann man ein Kopfnicken nicht weiter unterdrücken.

Auf „For Cold Shades“ setzt man besonders auf Epik, allerdings nur in den Momenten, in denen die Songs auch den Charakter der Musik prägen sollen. Wenn auf der Platte also mal nicht herumgeschrien wird, ziert ein gehaltvoller, klarer Gesang die hämmernden Rhythmen – so gesetzt, dass man eigentlich nie von Monotonie erschlagen wird und etwas Frische durch die Titel weht.

Die Melodien bringen Vor- und Nachteile mit sich. Zum einen gibt sich die Band hier große Mühe, abwechslungsreiche Töne anzuspielen. Dadurch und durch die Riffs, die griffig klingen und zudem noch mit verschiedenen rhythmischen Einlagen harmonieren, hat der Hörer oft das Gefühl, dass der Sound hier wirklich etwas für sich hat.
Zum anderen driftet der Sound in einigen Passagen allerdings immer wieder ab bzw. wirkt nicht gerade vorausschauend bei einer Spielzeit von jeweils mindestens fünf Minuten. Der anfänglich überraschende Effekt der prägenden Melodien verfliegt somit leider viel zu oft. Hier hätte man das Arrangement ruhig mehr ausbauen können.

Ansonsten kann man „For Cold Shades“ zugutehalten, dass Timor Et Tremor nicht nur auf einem Gleis ständig geradeaus fahren. Mal ein wenig Anleihen von Ghost Bath, mal die Härte von Mgla – und das alles unter einem epischen Schirm. Gerade „Ethereal Dome“ bringt ein wenig Melancholie, Depression, aber auch Verspieltheit zurück in die Musik.

Timor Et Tremor (Copyright: Timor Et Tremor)

Timor Et Tremor (Copyright: Timor Et Tremor)

Während Timor Et Tremor stets konstant und sich selbst treu bleiben, fehlt manchmal ein signifikantes Erkennungsmerkmal. Etwas, durch das man Timor Et Tremor direkt ausmachen kann und was nicht unbedingt nur durch die Musik geschehen muss. Aber Songtitel wie „Alpha And Omega“ oder „The Ghost In All That Dies“ gibt es wie Sand am Meer; schade, denn es ist zu vermuten, dass die Jungs sich individuell durchaus mehr hätten austoben können.

„For Cold Shades“ ist davon abgesehen ein solides Album. Vielleicht sogar mehr. Es ist keine Platte, die allzu schwer im Magen liegt, während es die Band dem Hörer leicht macht, ihnen in ihre musikalischen Abgründe zu folgen. Der Sound verliert sich nicht allzu oft in repetitiven Ansätzen, was für eine Menge Highlights sorgt. Man schaut hier definitiv über die eigenen Grenzen hinweg.

Video

Trackliste

01 Yearning
02 Fen Fire
03 Alpha And Omega
04 Oath Of Life
05 The Ghost In All That Dies
06 The Soaring Grudge
07 Ethereal Dome
08 Pale Faces

Details

Timor Et Tremor – Facebook

Label: Trollzorn
Vö-Termin: 29.07.2016
Spielzeit: 44:10

Copyright Cover: Trollzorn



Über den Autor

Christopher