Review

Die Kängurus sind wieder los. Der australische Exportschlager Thy Art is Murder ruft zum „Holy War“ auf. Darf man das in diesen Zeiten überhaupt so sagen? Ich denke mal nicht, dass sich die Jungs auf die aktuelle Lage beziehen, sondern mit ihrer neuen Scheibe einfach nur Spaß haben wollen. Zumindest tritt die Bande dementsprechend auf.

Tonnenweise Touren um den gesamten Globus und haufenweise Fans in der ganzen Welt – die Zeichen stehen gut für die Band. Den Erfolg ihrer Vorgängerplatte „Hate“ haben sie gänzlich ausgekostet und starten nun in 2015 wieder einmal voll durch. Brutalität und Atmosphäre sind die Merkmale, die Thy Art is Murder ausmachen. Trifft das auch auf „Holy War“ zu?

Deathcore gibt es schon seit mehreren Jahren; anfangs noch als Modeerscheinung wie zuvor der Metalcore. Jeder fand es klasse bis der Markt übersättigt war. Wenige gute Deathcore Bands konnten sich etablieren, darunter Whitechapel, Emmure, Suicide Silence und eben auch Thy Art is Murder. Die Jungs gingen durch die Decke und sind inzwischen bekannt wie bunte Hunde. Warum also etwas ändern? Das dachte man sich wohl auch bei den neuen Songs. Sie funktionieren nach dem gleichen Schema: brutal muss es sein.

Choc-Choc Riffs treffen auf matching Drumparts. Der Gesang von Fronter CJ ist wie immer ziemlich fies und leidend. Das Schlagzeug knallt nach wie vor im klinischen Gewand; dieses Mal auch mit richtigen Blastbeats. Breakdowns folgen nach emotionalen Gitarrenparts. Das war auf „Hate“ zwar schick, aber auf „Holy War“ flacht es so langsam ab und wir befinden uns im Mikrokosmos von Thy Art is Murder, denn viel mehr Drumherum gibt es leider nicht zu entdecken. Es fehlen Kracher wie „Whote To A Chainsaw“ oder „The Purest Strain Of Hate“.

„Holy War“ läuft gut durch, da kann man nichts sagen. Dazu gibt es auch catchy Parts, die im Ohr bleiben, darunter ganz klar der Titeltrack, der hinzukommend noch eine ordentliche Prise Groove mit sich bringt. Ansonsten finden wir aber stinknormale Deathcore-Kost vor. Bei anderen Bands sieht man eine gewisse Entwicklung, ich schiele da gerne wieder zu Whitechapel, hier hat man allerdings den Eindruck, dass Thy Art is Murder an den letzten Erfolg anknüpfen und „Hate 2.0“ rausbringen wollten. Nur deeper, brutaler und einfach etwas massiger. Die Masse wird ganz gut erreicht, denn stomach’tastisch gehen die tiefen Gitarren in den Körper. Das können sie einfach.

Thy Art is Murder ( Copyright: Nuclear Blast )

Thy Art is Murder (Copyright: Thy Art is Murder)

Möglich, dass man den Wechsel an der Gitarre bemerkt, denn die teils interessanten Riffs bleiben oftmals aus. Dafür ist die Produktion wieder erste Sahne. So muss Deathcore klingen, denn die leicht rotzigen Sounds lockern das Ganze gekonnt auf, genauso wie die ab und an auftretenden Death Metal Parts.

„Holy War“ hat seine guten Momente. Warum nicht mehr davon? Zum Beispiel zerdrückt einem „Deliver Us To Evil“ förmlich das Gesicht. So viele negative Vibes vermischen sich zu einem Groovemonster. Herrlich, denn aus diesem Thema hätte man viel mehr machen können, gerade in Bezug auf den Titel des Silberlings.

Fazit: Viel wurde erwartet, den Großteil konnten Thy Art is Murder halten. In „Holy War“ spiegelt sich die Erfolgsgeschichte der Band wider. Sie haben ihren Stil gefunden, der gut zieht, aber auch viel Platz nach oben lässt. Dass man mit diesem Material gut touren kann, steht außer Frage, denn live macht die Band richtig was her. Zu wünschen ist es ihnen, nur beim nächsten Mal bitte etwas mehr Raffinesse.

Video

Trackliste

01 Absolute Genocide
02 Light Bearer
03 Holy War
04 Coffin Dragger
05 Fur And Claw
06 Deliver Us To Evil
07 Emptiness
08 Violent Reckoning
09 Child Of Sorrow
10 Naked And Cold

Details

Thy Art is Murder – Facebook
Thy Art is Murder – Twitter

Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 26.06.2015
Spielzeit: 38:39

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Marcus