Review

Blickt man auf das Cover im herzerwärmenden rosa Gewand, mag man noch gar nicht erahnen, welch düstere Aura einem auf „Loss“ entgegenspringen wird, sobald die ersten Töne aus den Boxen erklingen. Die Leipziger Hardcore-Dampfwalze Throwers rollt mit einer Flut aus aggressiven Rhythmen, gnadenlos stampfenden Riffs, aber auch mit einer Menge Melodie und Atmosphäre über sieben Songs mit einer guten halben Stunde Dauerberieselung.

Dankbar für hackende Gitarren, untermalt vom scheppernden Bass auf hartem Drumming, wird jeder Krach-Fanatiker sein. Dankbar für schnelles, zackiges Tempo und auch dankbar für jeden Beat-Down, in dem Throwers sich mit ihrem Sound den Trommelfellen entgegenwerfen. Aber vor allem wird man dankbar dafür sein, dass „Loss“ mehr bietet, als eben nur jene zerstörerische Attitüde, die man oft live und mit zig anderen schwitzenden Individuen um sich herum teilt.

Die Jungs von Throwers verbinden zielstrebige Akkordarbeit mit melodischen Darbietungen, die oft weitab jeglicher Peinigung der Saiten agieren. Dynamisch gibt sich bereits „Karg“ durch grooviges und teils catchiges Riffing, bevor durch das Spielen in höheren Gefilden die Stimmung scheinbar zerreißen will. Mit diesen Passagen zeigt sich die Band oft von ihrer ruhigeren Seite, wie auch immer man das Wort „ruhig“ bei einem scheinbar nie stehenbleibenden Schlagzeug verstehen mag.

Doch obwohl den Hörern hier die obligatorischen Riff-Strukturen des Hardcore um die Ohren geschlagen werden, soll das nicht heißen, dass man sich nicht mit Titeln wie „Homecoming“ oder besonders gegen Ende in „Unarmed“ etwas einfallen lassen hat, um der stumpfen Abhandlung der Töne durch ein paar Handgriffe mehr entgegen zu wirken.

Throwers (Copyright: Throwers)

Throwers (Copyright: Throwers)

„Loss“ wirkt manchmal wie ein Wimmelbild an akustischen Überraschungen, auf die man immer wieder während des Hörens trifft. Und auch wenn es dann mal mehr als einen Durchgang braucht, um die volle Konsistenz der Songs zu begreifen, lohnt es sich auch mal näher hinzuhören.
Gerade die gelungenen Übergänge von Hardcore galore und den melodischen Entschleunigungen zeugen von kompakten Song-Gerüsten.
Auf „Loss“ schweift man nie ab, außerdem wirken die Einflüsse nicht nur aneinandergereiht, sondern alles klingt im großen Ganzen auf den Punkt.

Denn das Gesamtpaket ist das, was den Sound von Throwers ausmacht. Man schaut auf Cover- und Inlay-Artwork und weiß, dass man genau das geboten bekommt: ernüchternde Erkenntnis über atmosphärische Klänge in gefühlt schwarz und weiß.
Wenn es dann zusätzlich noch richtig zur Sache geht, weiß man, dass man die richtige Entscheidung getroffen hat, als man diese Platte an sich nahm.

Video

Trackliste

01 Singularity
02 Der Makel
03 Karg
04 Homecoming
05 Unarmed
06 Assigning
07 Nevermore

Details

Throwers – Facebook

Label: Golden Antenna Records
Vö-Termin: 15.01.2016
Spielzeit: 34:26

Copyright Cover: Golden Antenna Records



Über den Autor

Christopher