Review

Da hört man sich ohne besondere Erwartungen durch die Promoangebote durch, und was findet man? Thoughts Factory! Eine (mir bislang schändlicherweise unbekannte) Progressive Metal Band aus deutschen Landen, die mit „Lost“ ihr Debütalbum veröffentlichen.

Obwohl das Releasedatum bis in den Februar zurückreicht, komme ich dennoch nicht umhin, mich dieser Scheibe zu widmen, die schon beim oberflächlichen Probehören umgehend überzeugt hat. Grund genug, um genauer nachzuspüren, woran dies liegen kann – und für gute Musik ist es ja sowieso nie zu spät.

Die wichtigste Voraussetzung erfüllt „Lost“ schon nach dem ersten Anspielen: das Album fesselt vom ersten Ton an und besticht im Folgenden durch abwechslungsreiche Songs, die dem Konsumenten stets etwas Neues offenbaren.

Ob ausgedehnte und handwerklich astrein gemachte Instrumentalparts, Soli, stimmungsvolle Pianopassagen, die mit hellen Keys wechseln, oder die Variationen in Rhythmus und Tempo innerhalb eines Liedes – hier sind echte Profis am Werk, die auf acht Titeln voller Leidenschaft das Markante des Progressive Metal herausarbeiten und dabei weit weniger festgefahren wirken, wie manch andere Band des Genres. Im Gegenteil, Thoughts Factory klingen modern, versprühen Energie und Spielfreude und komponieren zwar sehr anspruchsvoll, verlieren sich jedoch nie in vertrackten, komplizierten Kompositionen, durch die man die Hörer eventuell während der Spielzeit verliert.

Dabei setzen die Frankfurter auf Facettenreichtum, denn in „The Deep Forest“ bringen Thoughts Factory Shouts ein; Streicher sind schließlich unter anderem in „Voices Of Heaven“ zu hören und auch eine Ballade, die zum Träumen einlädt, „Light“ mit Namen, fehlt auf „Lost“ nicht.
Zusätzlich überzeugt die Mischung aus ruhigen Intros und harten, aber immer noch melodischen Metal-Parts sehr gut, während der Hörer ab und an sogar das Gefühl hat, Thoughts Factory lassen auch Symphonic Metal-Einflüsse auf „Lost“ zu.

Thoughts Factory (Copyright: Thoughts Factory)

Thoughts Factory (Copyright: Thoughts Factory)

Sofort ins Ohr fällt zudem die Gesangsstimme. Diese reicht von klaren, warmen Gesangslinien über gutturale Einschübe bis hin zu verzerrten und facettenreichen Stimmdarbietungen. Marcus Becker passt seine Stimme immer wieder den Songs an, sodass nicht nur instrumental, sondern vor allem gesanglich eine entsprechende Atmosphäre erzeugt wird, die die Intentionen der jeweiligen Titel untermalt. So kommen Texte und Emotionen von „Lost“ wunderbar beim Hörer an.

Unterstützt wird dieser Effekt durch die Melodiestärke, die Thoughts Factory mit jedem Track unter Beweis stellen.
Selbst epische Nummern, welche die 12-Minuten-Marke knacken (wie „The Deep Forest“, „Voices From Heaven“ oder „Death Of A Dream“), halten die Spannung permanent aufrecht und bergen großartige melodische Sequenzen. So vielschichtig, wie gerade die langen Tracks arrangiert sind und sich zu entwickeln verstehen, kommt keine Langeweile auf.

Vielleicht hätte man das Keyboard ein wenig unaufdringlicher (und nicht ganz so hell) in die Gesamtinstrumentierung einbinden können. Dies ist aber andererseits ein beliebtes Stilmittel, das sich sehr häufig in Progressive Metal Songs wiederfindet. Da Toughts Factory das Keyboard darüber hinaus auch mal ganz ignorieren und zum unverfälschten Piano greifen, arrangiert man sich mit den stellenweise zu hörenden schrillen Keys recht schnell. Fans des Genres werden diesbezüglich sowieso nichts zu meckern haben.

Daher bleibt abschließend zu sagen, dass Thoughts Factory unbedingt auf die Playlists jener Hörer gehören, die mit Progressiv Metal etwas anfangen können, aber auch bei Melodic Metalfans nicht unbedingt fehlplatziert wirken.

Video

Tracklist

01 Awakening
02 The Deep Forest
03 Desperation
04 Light
05 Voices From Heaven
06 No Way Out
07 The Mire
08 Death Of A Dream

Details

Thoughts Factory – Homepage
Thoughts Factory – Facebook
Thoughts Factory – Twitter

Label: Melodic Revolution Records
Vö-Termin: 15.02.2014
Spielzeit: 65:29

Copyright Cover: Melodic Revolution Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde