Review

Seit gut 20 Jahren sind Thirty Seconds To Mars nun Teil des Musikbusiness und noch immer erfreuen sie sich einer weltweiten und stetig wachsenden Anhängerschaft. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sie sich immer wieder erfolgreich neu erfinden und ihr Sound somit nie langweilig wird. So auch auf ihrem mittlerweile fünften Studioalbum „America“, das nach knapp 5 Jahren Wartezeit nach „Love Lust Faith + Dreams“ (2013) am 06. April 2018 erschien.

Allein mit der Cover-Gestaltung haben Thirty Seconds To Mars etwas Besonderes geschaffen – es gibt nämlich nicht nur eines, sondern gleich zehn verschiedene. In knallig bunten Farben präsentiert jedes von ihnen eine individuelle Liste, die beispielsweise mit „Six American Names“, „Four Hot Topics in America“ oder „Six Popular Sex Positions“ betitelt ist. Der Inhalt ist jedoch bei allen gleich: Zwölf neue Songs, die eher mit Synthies und E-Drums statt mit E-Gitarren zu überzeugen wissen.

Der Opener „Walk On Water“ wurde bereits im August letzten Jahres vorab als erste Single veröffentlicht und wurde schnell zum beliebten Dauerbrenner, mit dem 30STM bei diversen Live-Auftritten – beispielsweise bei den Telekom Street Gigs in Berlin – zu begeistern wussten. Ein eindringlicher und kraftvoll poppiger Song, der nicht nur zum Tanzen, sondern mit eingängigen „oohhh-oohhh“-Chören auch zum Mitsingen einlädt.

Die nachfolgende Pop-Ballade „Dangerous Night“ wurde im Januar dieses Jahres als zweite Single ausgekoppelt und fand zwar nicht ganz so guten Anklang wie der Opener, wurde von den Fans jedoch ebenfalls gut aufgenommen.

Durch „Rescue Me“ wird es einen Tick elektronischer und man hört deutliche EDM-Einflüsse, bevor es mit „One Track Mind“ wieder ruhiger wird. Zarter Gesang, sanfte Klänge und Instrumental-Strecken verleihen diesem Song einen schwebend-leichten Charakter.
Das Interlude „Monolith“ ist im Gegensatz dazu deutlich knalliger und zieht den Bogen zurück zur bekannten Stärke von älteren 30STM Songs. Ein langes, sich aufbauendes Intro, welches vielversprechend den nächsten Song erwarten lässt. Jedoch … anfangs ist man vielleicht etwas enttäuscht, da „Love Is Madness“ – ein Duett zwischen Frontmann Jared Leto und der Pop-Sängerin Halsey – wieder ein ruhiges Pop-Stück vermuten lässt. Im Refrain wird man dann aber fast entschädigt, da hier doch etwas mehr Bums dahinter steckt.

In Form von „Great Wide Open“ liefern 30STM eine Hommage an das Leben selbst. Zart und poppig, aber mit kraftvollem Gesang wabert der Song daher. „Hail To The Victor“ ist wieder ein kleiner Lichtblick was Kraft und Intensität angeht, aber so richtig will der Funke nicht überspringen. Dabei war der Start mit „Walk On Water“ doch so gut…
„Dawn Will Rise“ liefert eine etwas düstere Atmosphäre, passt stilistisch aber zu den bisherigen Songs: ruhiger, dahinschwebender Pop, der nicht wirklich mitzureißen vermag. Daran ändern auch leider die kräftigeren Drums und die an Dubstep erinnernden Elemente im Mittelpart nicht wirklich was.

Mit „Remedy“ kommt mal etwas anderer Wind auf. Akustikgitarren und gefühlvoll gesungene Lyrics verleihen dem Track einen gewissen Lagerfeuer-Charakter. Live ist dieser Titel sicher ein Highlight.
„Live Like A Dream“ erinnert hingegen etwas an „City Of Angels“, da er annähernd an dessen Stärke herankommt. Unterstützt durch einen kraftvollen „oohhh-oohhh“-Chor, der wieder zum Mitsingen einlädt, bekommen Drums, Keys und Gesang hier einen schönen und wieder rockig anmutenden Charakter und neben „Walk On Water“ wird dies sicher ein Titel sein, der live etwas Bewegung hineinbringt.

Mit „Rider“ geht „America“ zu Ende. Passend zum restlichen Stil des Albums ist auch dies eher eine Pop-Ballade, jedoch eine, die mit etwas mehr Kraft daherkommt. Gegen Ende unterstützt durch Streicher bekommt er einen fast schon epochalen Charakter, der aber nicht abgerundet ausläuft, sondern nach knappen drei Minuten einfach und abrupt endet. Man hängt anschließend etwas in der Luft und fragt sich „kommt da noch was?“, aber leider war es das schon.

Thirty Seconds To Mars (Copyright: Universal Music, 2018)

Mit der Veröffentlichung von „America“ beschwerten sich einige Fans darüber, dass Thirty Seconds To Mars zu poppig geworden wären, doch wer mal ehrlich die bisherigen Songs reflektiert, der bemerkt, dass sie es irgendwie schon immer waren. Sicher sind die Jungs aus L.A. elektronischer geworden und man könnte sie mittlerweile eher dem Mainstream-Pop als dem Alternative Rock zuordnen, doch das muss ja nicht immer gleich schlecht sein. Was hingegen als begründete Kritik angebracht werden könnte, ist, dass „America“ im Großen und Ganzen zu ruhig ist. Es reiht sich gefühlt eine Ballade an die andere und auf die Gesamtheit des Albums gesehen wirkt dies etwas eintönig und sich wiederholend. Schade, denn das Potenzial ist definitiv da und Jared Leto, Shannon Leto sowie Tomo Milicevic beweisen ja seit Jahren, dass sie auch anders können. Bleibt abzuwarten, wie sich die Songs live anhören und ob sie auf der ab Mai sattfindenden „Monolith Europe Tour“ mehr überzeugen können.

Video

Tracklist

01 Walk On Water
02 Dangerous Night
03 Rescue Me
04 One Track Mind
05 Monolith
06 Love Is Madness
07 Great Wide Open
08 Hail To The Victor
09 Dawn Will Rise
10 Remedy
11 Live Like A Dream
12 Rider



Über den Autor

Steph