Review

Therapy? haben so viele Veröffentlichungen, dass ich erst mal auf Wikipedia alle durchzählen musste. Insgesamt kommen zwei EPs und beachtliche sechszehn Alben auf ihrem langen Weg von 1989 bis heute zusammen. Und auch die im Jahre 2015 angekommene Platte „Disquiet“ weist wieder einige Einflüsse der 90er auf. Das Trio protzt auf elf Titeln mit ihrer melodischen Kombination aus dem Punkrock- und Metalbereich.

Dennoch kann man sich die Musik auch noch im 21. Jahrhundert geben. Auch wenn die Jungs zwischendurch oft in Nostalgie schwelgen, sind die Titel durchaus ansprechend. Nicht zuletzt durch den regelmäßigen Gebrauch moderner Mittel. So sorgen Therapy? zwischen Leersaiten und Humpa-Beats auch für das eine oder andere geräuschvolle Chaos.

Wo es aber wirklich zur Sache geht, sind zum Beispiel Songs wie der Pantera-Schrein „A Vulgar Picture Of Powder“ oder „Still Hurts“. Therpay? teilen genauso stark aus wie sie es melodisch angehen. Verzerrte Gitarren und Snare knallen auf den Hörer nieder und lassen die Trommelfelle vibrieren.

„Disquiet“ zeugt von einer leicht schizophrenen Songvielfalt. Neben den metallastigen Songs reihen sich auch immer wieder Rockballaden ein, die durchgehend catchy sind. Ob man nun lieber die Faust ins Gesicht oder die sanfte Hand auf der Wange haben möchte, muss man als Hörer für sich selbst entscheiden. Für mich persönlich wird es interessanter, wenn Therapy? ihre Strukturen immer wieder mit neuen Ideen aufbrechen.

Therapy? (Copyright: Therapy?)

Therapy? (Copyright: Therapy?)

Durch dieses Melodramatische neben der ganzen Energie, die die Band ausstrahlt, lässt sich nicht eine einheitliche Stimmung feststellen. Die Platte klingt an vielen Stellen oft einfach zu nett und es fehlt an Biss. Auch die Lyrics schwanken stark zwischen emotional und anarchistisch hin und her.

Übel nehmen kann man ihnen das allerdings nicht oft, da sie diese Gefühlsduselei auch in drückenden Groove verpacken können; gut zu hören in „Helpless Still Lost“. In den Versen rollt der Bass und die Hook geht einem spätestens nach dem zweiten Mal nicht mehr aus dem Kopf.

Deutliches Highlight der Platte ist „Words Fail Me“. Ein permanent fesselnder Rhythmus zeichnet diesen Titel aus. Genauso wie die eingängige Riffarbeit dem Ganzen den letzten Schliff verpasst.

Rückblickend betrachtet findet man auf „Disquiet“ keinen schlechten Song. Die lange Banderfahrung kommt Therapy? hier zugute. Sie arrangieren ihre Instrumente genau in dem richtigen Maß, dass etwas (durchaus öfter) Hörbares dabei herauskommt. Wir haben Ausflüge in lauten Metal und bunten Punk. Je nachdem, was an den jeweiligen Stellen besser passen würde. „Disquiet“ ist ein Album der Moderne, das seine Wurzeln nicht vergessen hat.

Video

Trackliste

01 Still Hurts
02 Tides
03 Good News Is No News
04 Fall Behind
05 Idiot Cousin
06 Helpless Still Lost
07 Insecurtiy
08 Vulgar Picture Of Poweder
09 Words Fail Me
10 Torment Sorrow Misery Strife
11 Deathstimate

Details

Therapy? – Homepage
Therapy? – Facebook

Label: Amazing Record Co.
Vö-Termin: 23.03.2015
Spielzeit: 41:44

Copyright Cover: Amazing Record Co.



Über den Autor

Christopher