Review

Nichts strahlt so viel Doom aus wie ein Albumcover mit vermummten Gestalten. Diese Wirkung erzielt auch die Veröffentlichung „Forevermourn“ der Band The Temple, der – so möchte man sagen – schon etwas Religiöses anhaftet; nicht unbedingt durch die Lyrics, aber insbesondere durch die gesamte Aufmachung des Sounds sowie dessen Präsentation.

Vor allem der Gesang bringt dies betreffend eine Menge mit. Es scheint, als würde der Hörer in einer Messe sitzen, während vorne ein manischer Priester seine Phrasen zum Besten gibt. Dies bringt auf jeden Fall eine Menge Charakter in den Sound. Zusammen mit den schweren Riffs und Drums ist das eine gelungene Kombination, die für Atmosphäre sorgt.

Doch diese Euphorie ist nicht von langer Dauer, da sich spätestens nach dem zweiten Song herausstellt, dass The Temple kaum Abwechslung in „Forevermourn“ bringen können. Theoretisch könnte man einfach alle Songs aneinander schneiden und es würde kein Wechsel in Stil, Rhythmus oder Struktur auffallen.

Das Prinzip ist somit immer das gleiche: Drei Akkorde im langsamen Tempo hinunter krachen lassen, dazu jeweils einen Schlag auf die Snare und am Ende dann ein Lead-Riff aus irgendeiner Tonleiter. Auf längere Sicht kann man sich so etwas durchaus sparen.

Es kommen schon ab und zu ein paar gute Ideen auf, die die Band in ihre Songs unterbringt. Dennoch werden genau diese dann von der brachialen und repetitiven Wand aus verzerrten Saiten und durchgehenden Drums komplett überspült. Ähnlich verhält es sich mit dem Gesang. Wo am Anfang noch ein gewisser Fanatismus aufkam, variiert man kaum noch mit der Stimme oder gestaltet die Lyrics anderweitig interessant. Auch hier reiht man sich in die stumpfe Abarbeitung der üblichen Vorgehensweise ein.

The Temple (Copyright: The Temple)

The Temple (Copyright: The Temple)

Für fast eine Stunde Laufzeit ist das schon fast zu viel vom Hörer verlangt. Aber man muss sagen, dass The Temple die Anfänge ihrer Songs sehr erwartungsvoll gestalten. Bei „Death the Only Mourner“ mag man bei diesem dumpfen Aufprall der Akustik schon fast einen interessanten Song erwarten. Und auch „Mirror of Souls“ schlägt etwas untypischere Klänge an. Beide Songs verlieren sich aber in musikalischer Leere.

„Forevermourn“ ist schwer und rollt gut über die Gehörgänge hinweg. Allerdings ist es vor allem eines: austauschbar. Es gibt hier kaum ein Element in den Songs, was in irgendeiner Weise einen bleibenden Eindruck hinterlassen kann. Da hätte man die Platte auch gut unter einem einzigen Titel laufen lassen können, um wenigstens den Anschein eines Konzepts zu machen. Aber so ergibt sich hier nichts Bleibendes. Hörbar ja, ansprechend nein.

Video

Trackliste

01 The Blessing
02 Qualms in Regret
03 Remnants
04 Death the Only Mourner
05 Mirror of Souls
06 Beyond the Stars
07 Until Grief Reaps Us Apart

Details

The Temple – Facebook

Label: I Hate Records
Vö-Termin: 18.03.2016
Spielzeit: 54:14

Copyright Cover: I Hate Records



Über den Autor

Christopher