Review

Gelungener Synthpop kommt nicht nur aus Europa, auch in Amerika gibt es Bands, die diesbezüglich ein Händchen für eingängige, elektronische Tanzmusik beweisen. Eine davon ist The Sweetest Condition aus Nashville, Tennessee.

Das Dark Electro Duo, bestehend aus Musiker und Synth-Bediener Jason Reed Milner sowie Sängerin und Songwriterin Leslie Irene Benson, veröffentlicht nach der 2013er 5-Track-EP „Truth & Light“ nun sein Debütalbum namens „Edge of the World“. Darauf enthalten sind insgesamt elf dynamische Tracks, die den Hörer unweigerlich auf die Tanzflächen ziehen. Clubpotenzial ist also vorhanden, doch auch in den heimischen vier Wänden macht sich „Edge of the World“ sehr gut.

Das liegt vor allem an den prompt mitreißenden Melodien und der sauberen und klaren Produktion, die den Sound von The Sweetest Condition derart veredelt, dass die Lautstärke beim Hören gerne mal nach oben gedreht wird.
Ein bisschen Darkwave hier, reichlich modern inszenierter 80er Charme dort, gemächliche Industrial-Einflüsse der 90er unterschwellig integriert und schon sind die Hauptzutaten des Synthpop von „Edge of the World“ benannt.

Und The Sweetest Condition legen gleich tanzbar mit einem Genre-Kracher los. Während der Refrain von „Beyond the Blue“ umgehend ins Ohr geht, besitzen ebenso die Strophen des Tracks eine Energie und Gefälligkeit, die zum Ohrwurm-Potenzial beitragen.

Ist man nun bereits versucht, „Beyond the Blue“ auf Repeat zu stellen, sollte man noch widerstehen, denn auch die folgenden Songs haben ihre Stärken.

Immer wieder stößt man auf das Zusammenspiel von kühlen elektronischen Basen und Hintergründen und dunklen Gitarren sowie den warmen Gesang von Leslie Irene Benson. Dies liefert schöne Kontraste innerhalb der Titel.

The Sweetest Condition (Copyright: The Sweetest Condition)

The Sweetest Condition (Copyright: The Sweetest Condition)

Doch The Sweetest Condition können ihre Songs zuweilen auch homogener arrangieren, sodass Titel wie die Electroballade „The War is Over“ ausschließlich dunkel und dicht erklingen, ohne konträre Akzente aufzuweisen. Nötig ist das in dem Fall auch nicht, denn gerade „The War is Over“ profitiert von seiner linearen Struktur, die lediglich kurzzeitig durch harte Gitarrenriffs unterbrochen wird, welche dadurch ein Highlight innerhalb des Tracks setzen. Atmosphäre und Dichte stehen somit im Mittelpunkt, ebenso wie im entschleunigt wirkenden „This Poison“, das förmlich das durch die Venen pumpende Gift hörbar macht. Höhepunkt hier ist ein Dubstep-artiger Part.
In dem Song „Now“ hingegen betont das Projekt seinen Darkwave-Einfluss.

Langeweile kommt somit nicht auf, doch deutlich wird nach den elf Songs von „Edge of the World“ auch, dass The Sweetest Condition eher auf bewährte Sounds und Mittel setzen als auf Innovation. Ohrwürmer sind damit garantiert, wer aber auf der Suche nach Extravaganz und Überraschungen ist, der wird bei dem zwar modernen, aber äußerst soliden Synthpop der Amerikaner nicht fündig werden. Fast schon massenkompatibel fällt „Edge of the World“ daher aus, was hier jedoch nicht als Nachteil gewertet werden kann. Genre-Fans greifen zu!

Video

Tracklist

01 Beyond the Blue
02 Control
03 Fall in Line
04 Miles Away
05 Now
06 Secret
07 The War is Over
08 This Poison
09 Try
10 Watch You Fall
11 Without You

Details

The Sweetest Condition – Homepage
The Sweetest Condition – Facebook
The Sweetest Condition – Twitter

Label: Eigenproduktion
Vö-Termin: 28.08.2015
Spielzeit: 36:44

Copyright Cover: The Sweetest Condition



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde