Review

„Fear Is The New Self-Awareness“, nicht gerade ein Titel, der vor Freude nur so sprüht, den sich die fünf Jungs aus Warschau da ausgedacht haben. Aber von The Spouds‘ Sound, der stark vom Post-Hardcore beeinflusst ist, kann man auch nicht unbedingt strahlend blauen Himmel erfahren. Zwischen atmosphärischem Shoegaze tun sich Tore zum Screamo auf und die Truppe treibt mit zehn Songs auf ohnmächtigen Klangwellen dahin.

Nach interessanten Riffmustern muss man auf „Fear Is The New Self-Awareness“ nicht lange suchen. Diese gestalten sich nämlich äußerst abwechslungsreich und die Band gibt sich große Mühe, jeden Ton bis zum Nötigsten ausklingen zu lassen. Dabei entsteht ein stets präsenter Sound, der nur noch von dem Groove der Drums in Schach gehalten werden kann.

Wirklich überzeugend wird es ab Titel Nummer drei „Night“, welcher akustisch wirklich einen schlafwandelnden Zustand rüberbringt. Dabei kommt dieses Gefühl, sich durch die eingängigen Riffs in einem Loop zu befinden, dem Song durchaus zugute. Durch den Refrain bekommt man mit der Zeit sogar den Anflug eines Ohrwurms. Stimmlich geht es auch hier merklich nüchtern voran. Melancholischer Gesang, den der eine oder andere schiefe Ton dann doch irgendwie sympathisch wirken lässt.

Aus dem Hintergrund ertönt außerdem Geschrei, welches sich aber nicht übermäßig aufspielt und auch nur an passenden Stellen eintritt. Passend dazu verfolgen The Spouds auch einen punkigen Sound, der sich auf „For/Against“ gut in das melancholische Thema der Platte eingliedert. Dazu muss man sagen, dass die Band überhaupt eine Menge Ideen mit ins Spiel bringt. Dadurch differenzieren sich zwar die Titel untereinander, aber man verliert den Fokus der Musik auch oft aus den Augen. „Fear Is The New Self-Awareness“ driftet an gewissen Stellen ins Durcheinander ab, da zu viele Stile auf einmal wirken wollen.

The Spouds (Copyright: The Spouds)

The Spouds (Copyright: The Spouds)

Gehen die Jungs dann mal vom melodramatischen Gaspedal, kommen dabei auch ausdrucksstärkere Songs wie „It Works Both Ways“ heraus. Hier trifft man auf innovative Riffs, gepaart mit überzogenen Akkorden, die die experimentierfreudige Seite der Band verdeutlichen. Das Gleiche gilt für „Result Set“, welches einfach nicht melodisch klingen möchte. Aber wenn sich dann der angenehmere Gesang darüberlegt, wird ein interessanter Kontrast erzeugt.

„Fear Is The New Self-Awareness“ bietet alles, was man sich von einer Post-Hardcore Platte erhoffen kann. Die Titel klingen gleichermaßen emotional, wie sie sich intensiv in die Materie hineinsteigern. Dabei kann die künstliche Atmosphäre auf Dauer zwar anstrengend werden, aber es ist kein Element, auf das The Spouds durchgehend zurückgreifen müssen.

Es ist kein vollkommenes Album, aber es macht auch zu keiner Zeit den Eindruck, als wolle es irgendeinem Hörer etwas recht machen. The Spouds machen Musik für sich selbst, was man daran sieht, dass sie auch immer wieder heimische Gefilde verlassen und ihre Musik mit stilfremden Mitteln schmücken. Und urplötzlich kommen dann ein paar durchaus catchige Songs zustande. Wer nach einer Band sucht, die nicht Schema F ihres Genres beherrscht, sondern auch weiß, darüber hinaus zu gehen, ist mit „Fear Is The New Self-Awareness“ gut bedient.

Anspieltipps:
Night / Result Set / It Works Both Ways / For/Against

Video

Trackliste

01 Ignite Of The Vapors
02 Icebreaker
03 Night
04 Out Of The Spotlight
05 Result Set
06 Bending Plywood
07 It Works Both Ways
08 Reminder
09 For/Against
10 Looped Landscapes

Details

The Spouds – Facebook

Label: Eigenvertrieb
Vö-Termin: 14.03.2015
Spielzeit: 39:08

Copyright Cover: The Spouds



Über den Autor

Christopher