Review

The Sisters Of Mercy haben in ihrer über 40-jährigen Bandgeschichte in der Gothic- und Wave-Szene schon längst Kultstatus erreicht. Tracks wie „Temple Of Love“ oder „This Corossion“ laufen schon seit Ewigkeiten in den Clubs rauf und runter.

Mit „Black Waves Of Adrenochrome“ wurde nun ein Tribute geschaffen, welches vor Größen der Gothic- und Metalszene nur so strotzt.

Die Tracks und ihre Interpreten

Den Anfang macht die slowakische Gothic-Rockband Frown mit dem Titel „Heartland“. Der Track stammt aus dem 1992er Sisters of Mercy-Album „Some Girls Wander by Mistake“ und Frown hangeln sich bei ihrer Version nah an dem Original entlang. Einzig der slowakische Akzent ist beim Gesang deutlich zu hören. Man braucht allerdings einen Moment, um sich auf den 80er Jahre Wave-Sound einzulassen. Dabei dominiert ganz klar die Orgel. Nur am Schluss ist die eigene Note der Band zu hören, indem die letzten beiden Wörter gegrowlt werden.

Der Titel „More“ stammt aus dem Album „Vision Thing“ und wird von Atrocity neu interpretiert. Die Band um Frontmann Alexander Krull hat sich dem (Death) Metal verschrieben. Dementsprechend verfügt ihre Version über die nötige Härte und bleibt zugleich doch dem Original treu. Besonders spannend sind die weiblichen Gesangsparts.
Eine weitere Interpretation von „More“ liefern Nevergreen. Die aus Ungarn stammende Band bezeichnet sich als the leading Gothic Doom Metal band of Hungary. Da schraubt man die Erwartungen als Hörer vermutlich etwas höher. Ikm Intro wird man dann mit Streichern, Piano und einer Orgel überrascht. Diese ziehen sich durch den gesamten Song und werden durch die Gitarre, Bass und Drums ergänzt. Interessant ist das Duett zwischen männlicher und weiblicher Gesangsstimme. Ebendiese weibliche Gesangsstimme verleiht dem Song zudem einen opernhaften Touch.

Den allzeit beliebten Club-Hit „This Corrosion“ durften sich In Extremo vornehmen. In ihrer Version werden die typischen Instrumente aus dem Original von 1985 mit mittelalterlichen Flöten ergänzt. Die Stimme von Frontmann Micha ist natürlich unverkennbar und gibt dem Song einen kratzigen Touch.
Auch Maryslim feat. Jyrki69 haben „This Corrosion“ eingespielt. Hier waren also gleich zwei Künstlergruppen am Werk. Maryslim ist eine schwedische Alternative-Rock-Band, der Sänger Jyrki69 sollte allen als Frontmann von The 69 Eyes bekannt sein. Gemeinsam versetzen sie ihre Hörer kurzzeitig in einem hymnischen Intro mit Streichern und Chorgesang in eine Kirche. Dann setzen auch schon harte Gitarrenriffs und ein donnernder Bass ein. Die warme, tiefe Stimme von Jyrki69 ist sofort identifiziert. Hier hat man außerdem die Gelegenheit, das Tanzbein zu schwingen.

Paradise Lost haben „Walk Away“ aus dem AlbumFirst and Last and Always gecovert. Mit der aus Halifax stammenden Band bekommen die Hörer handfesten Goth-Rock auf die Ohren.

Von Cradle Of Filth gibt es den Track „No Time to Cry“ aus dem Jahr 1985. Hier scheint die Orgel zunächst allgegenwärtig zu sein; vom Original ist allerdings kaum noch etwas zu erkennen, da die Band den Song ganz in ihrem Stil umgesetzt hat. Und so darf der Hörer Metal vom Feinsten erwarten – inklusive verzerrter Gitarrenriffs und Growling.

Auch bei Deadlock darf man eine gewisse Härte erwarten, wenn sie „Temple Of Love“ interpretieren. In den Strophen wird man von Margie Gerlitz‘ Stimme verzaubert. Der Refrain wird im typischen Deadlock-Stil gegrowlt.
Eine weitere Version von „Temple Of Love“ gibt es von Crematory. Den Track haben sie ganz in ihrem Stile umgesetzt und um weitere Stilelemente ergänzt. Dabei hat man den Eindruck, dass der Track schneller als das Original gespielt wird. Fans des Keyboards kommen hinlänglich auf ihre Kosten, denn jenes spielt hier mit seinen unterschiedlichen Sounds eine große Rolle.

Den Titel „Alice“ hat die niederländische Doom-Metal Band Daeonia neu interpretiert. Der Originalsong wurde am 21. November 1982 vom bandeigenen Label Merciful Release als Nicht-Album-Single veröffentlicht. Hier nun erwartet die Hörer zunächst ein kurzes Drum-Intro, welches dann in einen langen Instrumentalpart übergeht. Sowohl instrumental als auch gesanglich ist man hier sehr nah am Original geblieben.

Von Kreator stammt die neue Version von „Lucretia My Reflection“. Synthesizer-Sound leitet den Song ein und ist in den ersten eineinhalb Minuten sehr dominant. Anschließend gibt es feinsten Rock-Sound.
Eine weitere Interpretation von „Lucretia My Reflection“ gibt es von dem schwedischen Musikproduzenten, Sänger, Gitarristen, Bassisten, Schlagzeuger und Keyboarder Dan Swanö. Bei seiner Version wird der doch ordentliche Metal-Sound durch Synthesizer-Klänge etwas abgeschwächt. Stimmlich gibt Swanö einen echten Rockstar ab.

Für den Titel „Floorshow“ haben sich Cadaverous Condition und Kara Cephe zusammengetan. Cadaverous Condition ist eine Band aus Österreich, die ihren Stil als Death Folk bezeichnet. Aus der Türkei stammt die Industrial-Metal Band Kara Cephe, welche auch unter dem Namen Black Front bekannt ist. Ihr Song wird mit Drums und Bass eingeleitet. Anschließend kommt die Gitarre hinzu und liefert einen typischen 80er-Jahre Wave-Sound ab. Zusammen mit dem tiefen, fast schon gegrowlten Metal-Sprechgesang gibt das eine etwas skurrile Mischung.

Die aus Berlin stammende Band Dreadful Shadows durfte den Titel „1959“ einspielen. Zunächst wird der Gesang nur von einer akustischen Gitarre begleitet. Dies schwenkt dann in den bereits bekannten Goth-Rock Sound aus dem Original um, wobei auch ein Klavier zu hören ist.

Zum Abschluss gibt es von Columbia Obstruction Box den Track „Marian“. Die Band bezeichnet ihren Musikstil wohl als Goth’n’Roll und auch ihre Coverversion wird in einen düsteren Goth-Rock Song verwandelt, der die schwarze Seele berührt.

Fazit

Mit diesem Tribute-Werk hat man The Sisters of Mercy ein würdiges Denkmal gesetzt. Ein bunter Mix an Bands und Genres wird hier zu einem Gesamtkunstwerk zusammengefasst, welches wohl in der Sammlung keines Fans fehlen darf. Absolute Anspieltipps sind „Temple Of Love“ von Deadlock und „This Corrosion“ von Maryslim feat. Jyrki69. Zusätzlich bietet sich einem hier auch die Gelegenheit, Bands kennenzulernen und zu hören, die man vorher vielleicht noch nicht so auf dem Schirm hatte.


The Sisters of Mercy Tribute

Video

Tracklist

01 Heartland – Frown
02 More – Atrocity
03 This Corrosion – In Extremo
04 Walk Away – Paradise Lost
05 No Time to Cry – Cradle Of Filth
06 Temple Of Love – Deadlock
07 More – Nevergreen
08 This Corrosion – Maryslim feat. Jyrki69
09 Alice – Daeonia
10 Lucretia My Reflection – Kreator
11 Floorshow – Cadaverous Condition & Kara Cephe
12 Lucretia My Reflection – Dan Swanö
13 1959 – Dreadful Shadows
14 Temple Of Love – Crematory
15 Marian – Columbia Obstruction Box

Details

Label: Metalville
Vö-Termin: 25.06.2021
Spielzeit: 66:44

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Selina
Carpe Noctem