Review

Der Alltagsstress nimmt zu und Burnout-Signale klopfen schon zaghaft an? Dann liefern The Receiver mit ihrem Dream-Prog Album „All Burn“ eine akustische Auszeit, um zumindest für knapp 43 Minuten einmal abschalten zu können.

Dichte Soundlandschaften laden auf elf Songs zum Träumen ein und überzeugen mit melodischen, sanften, teilweise meditativen und fragilen Zügen. Neben den sphärisch-poppigen Tracks sorgen immer mal wieder quirlige, mit progressiven Strukturen aufwartende Songs dafür, dass es auf „All Burn“ nicht zu ruhig wird. Förderlich ist diesbezüglich auch das Tempo der Titel. Obschon balladesk und Dream-poppig angelegt, setzen die Brüder von The Receiver regelmäßig auf (den Hörer auf positive Weise) einlullende Grundbeats, die beispielsweise oft vorkommende dezente Pianosequenzen ablösen oder ergänzen.

Abgerundet wird das angenehme musikalische Geschehen auf „All Burn“ durch die Gesangsstimme von Casey Cooper, der außerdem für die Keyboards, den Bass und das Programming verantwortlich ist, während Bruder Jesse Cooper die Drums und Percussion beisteuert.
Entsprechend der Musik und der dadurch erzeugten Stimmung von The Receiver fällt auch der Gesang sehr zart aus. Teils mit unaufdringlichen Halleffekten, die stimmig zum Synth-Geschehen eingesetzt werden, vorrangig aber durch seine emotionale, Ruhe ausstrahlende Stimme streichelt Casey Cooper die Gehörgänge und in einigen Fällen sicherlich auch die Seele der Hörer und macht es ihnen leicht, sich auf die Songs vollkommen einzulassen.

Indem zusätzlich die Übergänge zwischen den einzelnen Titeln sehr flüssig und nahtlos angelegt sind, wird der Hörfluss über die Gesamtlänge von „All Burn“ nicht gestört. Somit kann man das Album sowohl Track by Track als auch als zusammenhängendes Konzept genießen.

The Receiver (Copyright: The Receiver)

The Receiver (Copyright: The Receiver)

Wirken die progressiven Zugaben oder die knarzenden Sounds wie sie ein „Let It Dry“ besitzt anfangs – im Kontext der emotionalen atmosphärischen Grundausrichtung des Werkes – gewöhnungsbedürftig, eventuell sogar störend, lernt man sie mit jedem neuen Durchgang mehr lieben, denn oftmals sorgen sie für das gewisse Etwas, das den Gänsehauteffekt letztlich noch einmal verstärkt.

„All Burn“ ist eine Veröffentlichung, die sicherlich nicht für jeden oder zu jeder Zeit konsumierbar ist. Fern von massenkompatiblen Sommerhits, Chartstürmern oder Partysongs versprühen The Receiver eine positive Melancholie, die berührt, für welche man sich jedoch auch Zeit nehmen sollte, damit sich die hier präsentierte akustische Ästhetik komplett entfalten kann, in die man dann umso lieber eintauchen möchte.

Video

Tracklist

01 Drift
02 Transit
03 To Battle An Island
04 Collector
05 Dark Matter
06 April Blades
07 The Summit
08 Let It Dry
09 All Burn
10 How To Be Young
11 These Days

Details

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Label: Kscope / Edel
VÖ-Termin: 15.04.2016
Spielzeit: 42:24

Copyright Cover: Kscope



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde