Review

Irish Folk Punk, der zwar mehr folk- als punklastig ausfällt, dafür aber auf ganzer Linie mitreißt und noch dazu aus Nordrhein-Westfalen kommt – gibt es nicht? Gibt es doch! Das beweisen The O’Reillys and the Paddyhats erneut auf ihrem inzwischen dritten Album „Sign Of The Fighter“.

Die oftmals geigenbetonten Songs gehen umgehend ins Ohr und animieren zum Mitsingen. Durchgehend reißt das Album – selbst in Akustikparts wie in „Haul Away Joe“ – die Hörer mit, indem vor allem die Spielfreude des Septetts, diktiert durch die meist fröhlichen Melodien und temporeichen Songs, prompt auf die Hörer übergreift.

In diesem bunten Reigen Folk Rock, der sich traditioneller Instrumente bedient und keltische Klänge auf abwechslungsreiche Art mit rockigen Tönen vermischt, darf auch eine eigene Bandhymne nicht fehlen und so versorgt das Lied „Paddyhats“ die Setlist mit einer obligatorischen Selbstbeweihräucherung, die in diesem Fall aber weder peinlich berührt noch die eigene Lobhudelei überstrapaziert. Vielmehr trägt „Paddyhats“ zur Authentizität des Albums bei und dürfte auch live mit der Aufforderung zum Mitfeiern seine Wirkung nicht verfehlen.

Zurück in die Vergangenheit geht es hingegen mit einer Coverversion von „The Boxer“. Was 1969 bereits bei Simon & Garfunkel funktioniert hat, macht sich auch im The O’Reillys and the Paddyhats-Tune sehr gut. Die Band orientiert sich mit ihrer Interpretation nah am Original, verpasst dem Titel jedoch die eigene Handschrift und verleiht ihm durch mehr Tempo zugleich auch mehr Dynamik. Einst verträumt und von Akustikgitarre getragen, haucht man „The Boxer“ nun neues Leben ein und vermittelt ein weniger melancholisches und stattdessen optimistisch-fröhliches Gefühl als im Ursprungssong zu hören.

The O’Reillys and the Paddyhats (Copyright: The O’Reillys and the Paddyhats)

Bei The O’Reillys and the Paddyhats stimmt jedoch nicht nur die Musik, auch ein Interlude wirkt bei der Band nicht überflüssig. So sorgt der simpel als „Interlude“ betitelte Track gegen Mitte des Albums, angelegt als äußerst knappe Kurzgeschichte, für einen kurzen, aber unterhaltsamen Krimi-Exkurs, den es zu hören lohnt und den Hörfluss von „Sign Of The Fighter“ überraschenderweise nicht stört.

So sehr man auch nach mehrmaligem Hören Kritikpunkte sucht, man wird keine finden, außer dass das Album trotz stattlicher Trackanzahl von 13 Stücken noch länger so hätte weitergehen können. Ein kleiner Trost: Der locker-flockige Irish Folk lädt definitiv zum nächsten Pub Besuch (oder Konzert der Band) ein und der Weg ist weiterhin frei für neues Material der Truppe.

Video

Tracklist

01 Barroom Lady
02 Bucket Of Blood
03 Come On Board
04 Ghost Of A Soldier
05 Haul Away Joe
06 In Chains
07 Interlude
08 Irish Way
09 Old Gang’s Lullaby
10 Paddyhats
11 Sign Of The Fighter
12 The Boxer
13 White River

Details

The O’Reillys and the Paddyhats – Homepage
The O’Reillys and the Paddyhats – Facebook

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 03.02.2017
Spielzeit: 41:43

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde