Review

Geneigte Zuhörer und deren Ohren werden dieses Mal von „Vermillion Island“ beglückt. Für The Orchanic aus Leipzig spielt auf ihrer kommenden Platte ein alternativer Rock-Sound mit progressiven Allüren die tragende Rolle. Jung, ein wenig naiv und dreizehn Songs, die runter gehen wie Öl.

Es ist immer wieder ein überraschend komisches Gefühl, ein Album nicht einfach nur zu hören, sondern komplett in dessen Bann gezogen zu werden. Und zwar von Anfang bis Ende. The Orchanic spielen hier alle ihre rockigen Trümpfe aus. Und wenn ich „Rock“ sage, dann meine ich auch Rock. Die Songs auf „Vermillion Island“ gehen mit so viel Power voran, dass es schwerfällt, still sitzen zu bleiben. Selbst die etwas langsameren Titel reißen einen irgendwie mit.

Das fängt schon mit dem Aufbau der Riffs und Strukturen an. Opener „Sophia“, genauso wie „Paper Planes“ erinnern mit ihren progressiven Zügen an einen typischen Stil à la Incubus. Sich selbst stetig erweiternd und mit gewissem Spannungsbogen.

The Orchanic zeigen sich ebenfalls von ihrer experimentierfreudigen Seite, wenn es beispielsweise zu verschiedenen Effekten oder Rhythmen kommt. Dabei wirken diese Einflüsse weniger offensichtlich „alternative“, sondern werden vom Hörer unterbewusst aufgenommen. Die Jungs lassen sich in ihrer Musik auch oft genug gehen, sodass „Vermillion Island“ nicht zwanghaft konzipiert klingt. Dafür geben sie aber genug Power, gut zu hören an „Conquistador“, wo besonders gegen Ende eine Menge Kraft in die Stimme gesteckt wurde.

The Orchanic (Copyright: The Orchanic)

The Orchanic (Copyright: The Orchanic)

Was diese Platte aber wirklich so besonders macht, ist, dass sie einen als Hörer mehr als nur ein Mal anspricht. Die Songs zünden alle auf Anhieb. Es ist schon fast mit Euphorie zu betrachten, wie das Arrangement der Instrumente und die Refrains auf Dauer immer noch hängen bleiben. Der Sound ist zwar umfangreich, aber dennoch leicht zu begreifen. Dazu noch eine etwas gewöhnungsbedürftige, aber markante Stimme und The Orchanic bringen einem „Everything Is Grey“, „New Skin“ oder „When Sarah Cries“. Mein persönlicher Favorit ist „B-Movie Drama Queen“ mit seinen entschleunigten Versen und den dynamischen Riffs in der Hook. Ein Ohrwurm für Monate.

„Vermillion Island“ verfügt über einen Effekt, wie man ihn von der Band Kings Of Leon kennt. Die Intentionen werden optimal im entsprechenden Maße rübergebracht, ohne Songs zu schaffen, die überbeansprucht werden. Müsste ich schwächere Titel nennen, würde ich „Stillborn“ und „Whatever Makes You Happy“ erwähnen. Ersterer, weil er nach der gängigen Rock-Formel geht, und zweiter, weil diese Ballade den pulsierenden Flow unterbricht. Dennoch sind beide weit von einem negativen Eindruck entfernt.

The Orchanic bringen mit ihrem Album alternativen Sound und zugängliche Klänge unter einen Hut. „Vermillion Island“ sorgt für lang anhaltende Unterhaltung, besonders dadurch, dass, nachdem der letzte Ton verklungen ist, immer noch eine Menge hängen bleibt. Es sind nicht unbedingt die Details wie Riffs, die hervorstechen, sondern die Zusammensetzung. Und so steht „Vermillion Island“ als überzeugendes Ganzes im Vordergrund. Die Band agiert mit diesem Album vorausschauend, aber ohne den Hörgenuss aus den Augen zu verlieren.

Teaser

Trackliste

01 Sophia
02 Everything Is Grey
03 Paper Planes
04 Conquistador
05 New Skin
06 Stillborn
07 When Sarah Cries
08 Mexican Standoff
09 B-Movie Drama Queen
10 Whatever Makes You Happy
11 John Doe
12 White Lies
13 Astronaut

Details

The Orchanic – Homepage
The Orchanic – Facebook

Label: Setalight
Vö-Termin: 17.04.2015
Spielzeit: 49:55

Copyright Cover: Setalight



Über den Autor

Christopher