Review

Was habe ich mich auf ein neues Werk der Jungs von The Ocean gefreut. Mit „Transcendental“ scheint mein Wunsch erhört worden zu sein. Naja, zum Teil. Bei dieser EP handelt es sich nämlich um eine Split-EP, die tendenziell immer viel Spaß für den Hörer bereithalten. In diesem speziellen Fall haben sich The Ocean mit ihren Labelkollegen Mono zusammengetan. Den einen oder anderen wird es wundern, dass der Silberling nur zwei Songs enthält. Anfangs war ich auch enttäuscht, doch die beiden Stücke haben es in sich.

The Ocean beginnen mit „The Quiet Observer“. Der Track geht schon mal locker flockige 12:43 Minuten; andere Bands würden daraus ganze Alben bauen.
„The Quiet Observer“ startet ruhig und The Ocean-typisch. Minimalistisches Klavier trifft auf Schlagzeug im Background. Ein Spiel aus Snare und Bass, mehr braucht es nicht, um in Verbindung mit den Streichern eine angenehme Atmosphäre zu kreieren. Der Sound ist richtig schön natürlich und vermittelt Live-Feeling.

The Ocean ( Copyright: Pelagic Records )

The Ocean (Copyright:  The Ocean)

Man erinnert sich an Alben wie „Pelagical“ oder „Centric“. Die Band bleibt sich treu und bringt immer wieder ein paar neue Elemente mit in ihr Collective.

Sobald das Intro durch ist, wird es grandios. Das Hauptthema hat etwas Bedrohliches und ist so einfach gespielt, dass man sich fragt, wozu man komplexe Riffs überhaupt benötigt.

Glücklicherweise steigt dann auch endlich Loic ein. Seine Stimme ist gewohnt rauchig, angenehm klar, wenn sie es sein muss, und passt einfach mit dem postigen Charakter perfekt zur Band. Ob live oder auf CD, er überzeugt immer.

Der gesamte Mittelteil hat etwas extrem Mystisches, was einen zum Träumen veranlasst. Wer aber denkt, in den knapp 13 Minuten noch auf einen Ausbruch à la „The Wish in Dreams“ zu treffen, der irrt sich. The Ocean pflügen mit einem extremen Groove durch das eher ruhige Werk.

Paul Seidel, neu an den Drums und bekannt von den verrückten War From a Harlots Mouth, spielt hier seine erste Rolle im Collective und er besteht diese Prüfung mit Bravour. Paul ist einfach ein guter Schlagzeuger, der nicht nur drescht und prügelt, sondern durch seine kleinen Spielereien stets das Letzte und Beste aus den Tracks kitzelt. Wirklich beachtlich!

Das Ende fadet dann schön stimmig und entspannt aus. Ein wirklich grandioses Machwerk, auch wenn ein bisschen der Bums fehlt.

Und dann kommen Mono. Diese Band ist der Inbegriff des Minimalismus und des Spannungsbogens. Bei ihnen ist es ein bisschen wie beim Pizza backen. Man hat sie im Ofen und meint eigentlich, dass sie fertig ist, aber der Timer wird immer um fünf Minuten weitergestellt, weil sie dann noch krosser und köstlicher ist. In jedem Takt bringen sie eine kleine neue Komponente in den Song, so muss man ihn einfach bis zum Ende hören.

Mono (Copyright: Mono)

Mono (Copyright: Mono)

Auch sie sind mit nur einem Song vertreten, der aber knappe elf Minuten andauert.
„Death in Reverse“ beginnt mit einem leichten Gitarrensound, der eine gewisse Melancholie und innere Trauer transportiert. Mit ihren Zitterriffs kreieren sie massive Soundlandschaften, die einen über Berge tragen. „Death in Reverse“ ist dafür ein perfektes Beispiel. Der dezente Bass gibt den nötigen Halt auf der Reise durch das Tal. Dabei treibt das Schlagzeug mit einem kontinuierlichen Basssound an. Minimalistisches Spiel auf Becken und der Snare sind die Leibspeise von Schlagzeuger Yasunori. Über den gesamten Song baut sich das Konstrukt nach und nach auf und wirkt sogar etwas hektisch, bis nach ca. sechs Minuten endlich der Beat gedroppt wird und ein normaler Schlagzeugrhythmus ertönt und das Ganze auflöst. Mono spielen mit dem Drang nach schneller Konsumierung, aber das ist zur Abwechslung ein wirklich bemerkenswertes Stück Sound aus Japan.

Fazit: The Ocean und Mono haben eine klasse Split-EP an den Start gebracht. „Transcendental“ ist eine Symbiose. Leider bleiben die aggressiveren Stücke aus. Sowie deutlich mehr Songs, die die EP aufgewertet hätten. Nichtsdestotrotz ist „Transcendental“ uneingeschränkt für Fans der Bands zu empfehlen.

Video

Trackliste

01 The Ocean – The Quiet Observer
02 Mono – Death In Reverse

Details

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Mono – Homepage
Mono – Facebook
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Label: Pelagic Records
Vö-Termin: 23.10.2015
Spielzeit: 23:43

Copyright Cover: Pelagic Records



Über den Autor

Marcus
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