Review

Mit „Unfolding The Days“ pusten The Morning After den Staub von den alten Kisten aus dem Keller. Mit ihren elf Songs bringen sie alte Erinnerungen und Emotionen zum Vorschein. Für den Hörer manifestieren sich diese Klänge in Form von rockigem Indie mit kleinen Ausflügen in den Folk-Bereich.

Das Grundgerüst für die Musik von The Morning After besteht aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard. Dabei gehen die Jungs sehr sorgfältig mit ihren Instrumenten um. Jeder Ton und jeder Schlag auf die Snare wirkt, wenn auch verzerrt, sehr weich und gut platziert. Es gibt zwar auch ein paar rockige Momente, aber grundsätzlich hat die Band ihren Fokus auf „Unfolding The Days“ immer im Auge.

Neben der Akkordarbeit bekommt der Hörer auch ein paar smoothe und simple Riffs zu hören. Besonders gut sind die Melodien über dem Wah-Wah-Effekt im Song „The Light“ sowie der leichte elektronische Einfluss. Für die synthetischen Klänge sorgt regelmäßig auch das Keyboard, erneut in angemessenem Maß. An dieser Stelle sei lobenswert der rollende Antrieb des Basses erwähnt. Hier bilden sich ein paar super Lines, die nur so über die Drums rollen und ständig rocken.

Um den Gesang nicht zu vergessen, der natürlich auch seinen nicht gerade unwichtigen Teil zur Platte beiträgt: Die Stimme lässt sich wirklich gut hören. Durchaus zugänglich wirkt sie nicht gewöhnungsbedürftig, wie das manchmal bei markantem Gesang im Indie der Fall ist. In den Stimmbändern liegt definitiv etwas Poppiges, was besonders den Strukturen der Songs zugutekommt. Immer wieder ein Highlight ist die Kopfstimme, die nicht allzu stark ausgereizt wird und sich dadurch angenehm anhören lässt.
Textlich gibt es zwar nichts Bahnbrechendes, aber es kommen immer wieder nette Wortspiele und eine Menge Emotion auf. Auch hier dient der gute Gesang wieder zur Unterstützung.

The Morning After (Copyright: The Morning After)

The Morning After (Copyright: The Morning After)

Im Laufe des Albums wird zum Bedauern des Hörers leider deutlich, dass „Unfolding The Days“ sehr unbeständig wirkt. Die Songs gehen flüssig ineinander über, allerdings mit einer Menge monotoner Eingängigkeit. Das liegt vor allem daran, dass sich immer wieder Passagen einschleichen, die viel interessanter wirken als der Rest eines Titels. Dadurch fragt man sich als Hörer, warum The Morning After bestimmte Elemente nicht in einem höheren Maße eingebracht haben. Und so wartet man zwischen all den akustischen Gitarren und Tastenklängen immer wieder auf ein weiteres Highlight.

Darum ist es äußerst schade, dass The Morning After nach Beendigung der Platte nur in geringem Ausmaß einen bleibenden Eindruck hinterlassen, der den Wiedererkennungswert steigern würde.

Aber trotz allem ist „Unfolding The Days“ kein Album, um das man einen direkten Bogen machen sollte. Im Gegenteil. Diese Scheibe ist rund, solide und äußerst sympathisch. Die Jungs lassen ihre Instrumente miteinander verschmelzen und erschaffen so einen anziehenden Sound, der gut für die Trommelfelle ist. Eine gute Balance aus Indie und Folk mit elektronischen und rockigen Einflüssen. Hinzu kommt noch der ansprechende Charakter der Titel und herausgekommen ist ein glänzender Silberling.

Video

Trackliste

01 Shorelines
02 Head/Heart
03 Symmetry
04 Sweet Destroyer
05 The Light
06 Woohoo pt. 1 (Another Life)
07 Suit Up
08 ’99
09 Deepest Oceans
10 Over And Over
11 Woohoo pt. 2 (Maybe Tomorrow)

Details

The Morning After – Homepage
The Morning After – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 22.05.2015
Spielzeit: 48:06

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Christopher