Review

Locker, lässig und teils orientalisch angehaucht, teils leicht beschwingt entlassen die Urgesteine der Szene, The Mission, auf ihrem aktuellen Album „Another Fall From Grace“ insgesamt zwölf neue Songs in die Musikwelt.

Angeführt von der charismatischen, ausdrucksstarken und unverwechselbaren Stimme von Wayne Hussey, die auch 2016 noch zum hier gefahrenen Stil passt wie die berühmte Faust aufs Auge, stellt ebenjener selbst die zur Bekräftigung der stimmlichen Background-Darbietung ins Boot geholten Gastmusiker wie u.a. Ville Valo (HIM) weit in den Schatten. So weit sogar, dass sie – trotz ebenfalls vorhandener markanter Organe – oftmals gar nicht auffallen. Um sich mit derlei namhaften Kooperationen zu rühmen, ist das Aufgebot sicherlich nett, einen nennenswerten bzw. insbesondere hörbaren Mehrwert liefern die Zusammenarbeiten dadurch jedoch kaum.

Umso besser, dass „Another Fall From Grace“ auch durchaus für sich selbst spricht. Mit gewissem Retro-Touch funktioniert das Album sowohl gegenwärtig sehr gut, es hätte aber auch zur Blütezeit der Band bzw. des Genres bereits vortrefflich gezündet. Insgesamt geben sich The Mission also hier sehr zeitlos und konsequent in ihrer stilistischen Ausrichtung, innerhalb derer man sich dennoch sehr abwechslungsreich präsentiert.
So findet man neben den bereits erwähnten orientalischen Klängen (z.B. in „Never’s Longer than Forever“, das durch einen leicht lethargischen Charakter nicht nur deutlich hervorsticht, sondern auch einen gewissen Joy Division-Charme ausstrahlt) auch wavige oder rockigere Songs wie das an Billy Idol erinnernde „Tyranny of Secrets“.
Halleffekte sorgen immer mal wieder für ein gutes dichtes Hörempfinden im generell sehr kraftvollen Soundgewand des Albums.

The Mission (Copyright: Paul Grace)

The Mission (Copyright: Paul Grace)

Mit zunehmender Spielzeit wird es auf „Another Fall From Grace“ teilweise aber etwas sperriger. Ein Anzeichen dafür könnten schon die Längen der letzten beiden Titel „Only You and You Alone“ und „Phantom Pain“ sein, die mit ihren knapp 7 Minuten und 20 bzw. 25 Sekunden einen sehr ausgedehnten Abschluss des Albums markieren. Vor allem im direkten Vergleich mit dem sehr greifbaren und umgehend ins Ohr gehenden Beginn durch die Titel „Another Fall from Grace“, „Met-Amor-Phosis“ und „Within the Deepest Darkness (Fearful)“ scheinen die Rausschmeißer bezüglich der Eingängigkeit zu schwächeln; stattdessen erfordern sie ein genaueres Hören, um auch die Details der Titel wahrzunehmen.

Dass die Szene ohne The Mission einfach nicht dieselbe wäre, stellen die Briten allemal mit ihrem neuen Output unter Beweis und so können sich nicht nur Fans der Band freuen, dass Wayne Hussey und Co. auch heutzutage noch musikalisch überzeugend mitmischen können.

Video

Tracklist

01 Another Fall From Grace
02 Met-Amor-Phosis
03 Within the Deepest Darkness (Fearful)
04 Blood on the Road
05 Can’t See the Ocean for the Rain
06 Tyranny of Secrets
07 Never’s Longer than Forever
08 Bullets and Bayonets
09 Valaam
10 Jade
11 Only You and You Alone
12 Phantom Pain

Details

The Mission – Homepage
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Label: Eyes Wide Shut Recordings / SPV
Vö-Termin: 30.09.2016
Spielzeit: 64:15

Copyright Cover: Eyes Wide Shut Recordings



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde