Review

Im Bemühen, möglichst einzigartig und besonders zu klingen, neigen Bands ab und an dazu, es mit experimentellen Anleihen und Genremixturen zu übertreiben. Wenn die musikalische Basis solcher Bands dann noch auf Prog Rock und Artrock beruht, ist von vornherein klar: Es wird dem Hörer nicht gerade leicht gemacht, Zugang zum Songmaterial zu finden. Dies trifft auch auf das Album „Aevolution“ von The Maension zu. Und doch lohnt es sich, ein Ohr zu riskieren; und das nicht einmal, weil Fred Durst (Limp Bizkit) seine Finger respektive Vocals beim Song „Chrysalis“ mit im Spiel hat, sondern weil The Maension aus Hollywood eine interessante Variante des Crossover präsentieren, die mit jedem Song zudem anders klingt.

Das macht es gleichsam schwer, The Maension zu kategorisieren oder für spezielle Hörergruppen zu konkretisieren, denn „Aevolution“ ist unberechenbar und kein Stück Musik, das man hört, weil man Fan eines bestimmten Genres ist. Mitbringen sollte man jedoch auf jeden Fall ein Faible für außergewöhnliche Songstrukturen, die sich weder an feste Schemata noch an reguläre oder bewährte Hörgewohnheiten halten. Zwar blitzen hin und wieder fesselnde Melodien in den einzelnen Songs hervor, ehe man sie jedoch zu fassen bekommt und sich durch diese in den entsprechenden Titel einfinden kann, lösen Breaks, Rhythmuswechsel oder komplette Stilbrüche inklusive elektronischer Zugaben diese „Idylle“ umgehend wieder auf. Eine Ausnahme bildet diesbezüglich „Labyrinth“, denn dieser Track bleibt die meiste Zeit griffig und weist klarere Strukturen auf.

Damit wird es für den einen oder anderen Hörer teilweise ein wenig zu progressiv, vielleicht sogar insgesamt zu unbequem. Jene aber, die sich weitestgehend in experimentellen Gefilden zuhause fühlen, kommen gut auf ihre Kosten und werden darüber hinaus noch mit einem modernen Sound belohnt, der die Elemente eher angestaubter Stilistiken an die Neuzeit anpasst.

Abwechslung wird auf „Aevolution“ also großgeschrieben und das spiegelt sich auch in den Spielzeiten der Tracks wider. Ein „Silence“ überrascht beispielsweise mit gerade mal 2:21 Minuten, während man das Album mit dem knapp 7-minütigen Rauswurf „The Riddle With No Answer“ schließt, dem das 1:16 Minuten kurze „Into The Dark“ als eine Art Intro vorangestellt wird. Obwohl sich vor allem die letzten beiden Songs aufeinander beziehen, kann man jedoch nicht von einem in sich schlüssigen Konzept des Albums sprechen. Dazu agieren The Maension zu willkürlich und scheinbar gerade so, wie es ihnen spontan in den musikalischen Sinn kam.

The Maension (Copyright: The Maension)

The Maension (Copyright: The Maension)

Obwohl das Album „Aevolution“ laut Sänger und Gitarrist Mark Maension vor Emotionen nur so sprühen soll, kommen diese im instrumentalen Ausleben der Band letztlich jedoch zu kurz. So soll der Song „Chrysalis“ zum Beispiel „a fuck you to everyone who doesn’t believe in you“ sein, doch diese Attitüde kommt beim Hörer nicht in vollem Maß an. Eher überwiegend seicht und chillig vermittelt man den „Nicht-Gläubigen“ das vermitteln wollende Gefühl. Daran ändern auch die etwas rotzigeren Stimmzugaben von Herrn Durst nicht viel.

Apropos Fred Durst: ganz so viel nehmen sich Limp Bizkit-Sänger und The Maension Mastermind stimmlich gar nicht, denn auch Mark Maension kann die Rockstimme auspacken und mit starken Vocals ähnlich klingen, wie Durst zu seinen Bestzeiten.

Wer jetzt neugierig auf die „Quermusizierenden“ geworden ist, sollte sich „Aevolution“ einmal anhören; vorausgesetzt, man bringt reichlich Zeit mit, denn bei The Maension gibt es selbst nach mehrfachem Hören noch immer etwas Neues in den Songs zu entdecken.

Video

Tracklist

01 Silence
02 Freak
03 Absolution
04 Chrysalis (feat. Fred Durst)
05 Fetus‘ Thoughts
06 Retrospection
07 Labyrinth
08 Into The Dark
09 The Riddle With No Answer

Details

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Label: Take This Trip To The Mars Records
Vö-Termin: 02.10.2015
Spielzeit: 36:46

Copyright Cover: Take This Trip To The Mars Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde