Review

Machte Paulo Furtado uns in seiner Rolle als The Legendary Tigerman mit der EP „Do Come Home“ bereits den Mund wässrig, legt die One-Man-Band nun das Album „True“ nach. Neben den Songs „Do Home Home“ und „Wild Beast“, die bereits auf dem Vorboten zu hören waren, befinden sich weitere elf Tracks auf „True“, die allesamt, aber auf abwechslungsreiche Art und Weise die ganz eigene Interpretation des Multiinstrumentalisten von Blues und Rock ’n‘ Roll repräsentieren.

So hätte The Legendary Tigerman vor allem den Track „Twenty First Century Rock’n’Roll“ nicht passender nennen können, der damit doch die gesamte musikalische Ausrichtung zu umschreiben scheint, die „True“ zu bieten hat, denn The Legendary Tigerman zeigt, wie Blues(rock) gegenwärtig klingen kann und überzeugt damit.

Dabei sind es vor allem die leisen Töne, die den Puls der Zeit und des Hörers treffen, während Melodien mit Groove und Drive eine mitreißende Wirkung erzeugen. Unaufdringlich, entschleunigt und mit einer Gelassenheit, die trotzdem vor Energie strotzt, präsentiert sich der Musiker hier. Nebenbei bietet er zudem sehr viel Abwechslung, sodass Streicher (z.B. in „Wild Beast“) ebenso zum Einsatz kommen wie unterschiedliche Samples und tonangebende Gitarren.

Die Sechssaiter, mal rein akustisch, mal elektronisch verstärkt, bilden das musikalische Fundament, und tragen neben dem Gesang zur Atmosphäre des Albums bei. Melancholie trifft auf Coolness, hypnotische Phasen wechseln sich mit rockigen ab, Tito & Tarantula Ähnlichkeiten sind ebenso vorhanden wie chillig-verruchte Lounge-Parts, die derzeit auf dem „Shades of Grey“-Soundtrack höchst angesagt sind und auf „True“ beispielsweise in „Is My Body Dead?“ in Erscheinung treten.

Immer wieder sticht zudem der facettenreiche Gesang von The Legendary Tigerman heraus. „I’m On The Run“ trumpft darüber hinaus sogar als Duett mit weiblicher Gesangsunterstützung auf.
Leise, gefühlvoll und flüsternd gesprochen gewinnen die Lyrics dann in „Is My Body Dead?“ an Intensität, die aber durch die hintergründigen Sprachsamples ebenjene viel zu schnell wieder verlieren. Diesbezüglich wäre weniger mehr gewesen. Zwar unterstreicht The Legendary Tigerman dadurch seine Experimentierfreudigkeit, setzt den Song damit aber gleichzeitig der ganz individuellen Geschmacksfrage des Hörers aus.

The Legendary Tigerman (Copyright: Jean Baptiste Mondino)

The Legendary Tigerman (Copyright: Jean Baptiste Mondino)

In Gänze betrachtet hätten einige Songs auf „True“ ein wenig mehr Eingängigkeit vertragen können, um mit den Qualitäten von Hits und Anspieltipps wie „Do Come Home“, „Wild Beast“ oder dem lässigen „Love Ride“ mithalten zu können.
Was als EP sehr gut funktioniert hat, wirkt auf Albumlänge nicht durchgehend „legendär“. Gut daher, dass das Album vorrangig durch seine Stimmung überzeugt, die den Hörer umgehend und bis zum Ende des Silberlings für sich einnimmt.

Letztlich tritt Paulo Furtado aber auch auf „True“ als The Legendary Tigerman gelungen in Erscheinung und zieht selbst genrefremde Hörer in seinen Bann. Reinhören lohnt sich, es gibt hier einige Perlen zu entdecken. Es ist nicht nur Musik, was der Musiker abliefert, sondern zeitweise sogar wahre Kunst.

Video

Tracklist

01 Do Come Home
02 Gone
03 Storm Over Paradise
04 Wild Beast
05 Twenty Flight Rock
06 Dance Craze
07 Green Onions
08 Twenty First Century Rock’n’Roll
09 Love Ride
10 My Heart, Safe At Home
11 Rainy Nights
12 I’m On The Run
13 Is My Body Dead?

Details

The Legendary Tigerman – Facebook
The Legendary Tigerman – Twitter

Label: India Records / Rough Trade
Vö-Termin: 22.05.2015
Spielzeit: 45:57

Copyright Cover: India Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde