Review

Progressive Rock mit teils experimentellen, teils artrockigen Zügen liefert die Band The Grand Sheep für interessierte Hörer und orientiert sich dabei vorrangig an Altmeistern der 70er Jahre.

Hörbar gemacht wird dies auf dem Debütalbum „The Grand Sheep“ vor allem durch die Produktion.
Ob gewollt oder nicht – erdig, roh, aber leider auch zu unausgewogen und mit viel Luft nach oben kommen die darauf zu findenden acht Songs aus den Boxen und bringen dadurch bereits mit den anfänglichen Tönen gleichsam den ersten Kritikpunkt mit sich, denn während durch den eher mangelhaften Sound zwar der Retro-Charme ihrer Musik untermauert wird, hätte dem Album die Anpassung an den heutigen Standard durchaus gutgetan, um nicht nur die Retro-Ausrichtung mit der Moderne zu verbinden, sondern auch das Hörerlebnis angenehmer ausfallen zu lassen.

Vor allem der Lead-, aber auch der teils eingebundene Backgroundgesang leiden unter der verbesserungswürdigen Soundqualität. Ist der Leadgesang häufig zu leise, sind die Backgroundvocals in Songs wie beispielsweise „Shiny Teeth“ kaum auszumachen.

Der Gesang ist darüber hinaus auch ein Punkt, der die Hörermeinung spalten wird.
Wahrgenommen werden kann jener sowohl als störendes als auch als Wiedererkennungswert verleihendes Element von The Grand Sheep. Indem die stimmliche Darbietung jedoch eine ziemlich präsente Stellung innerhalb der Songs einnimmt, fallen schiefe bzw. nicht getroffene Töne umgehend auf. Ebenfalls sorgt der leicht nasal wirkende Gesang nicht prompt für Gefallen. Mehrere Durchläufe schaden daher nicht, um mit der Stimme von Florian Rickert, der zugleich auch das Keyboard bedient, warm zu werden.

Was bleibt nach diesen Kritikpunkten aber auch positiv zu erwähnen?
Zum einen fällt diesbezüglich die Kombination von Blues-, Funk- und Jazz-Elementen auf, welche den Songs auf „The Grand Sheep“ mal einen psychedelischen, mal einen lässig groovigen Touch verpassen. Weiter wagt man sich jedoch aus dieser chilligen Wohlfühlzone nicht heraus. So wartet der Hörer vergeblich auf den Wolf im Schafspelz von The Grand Sheep, denn abwechslungsreich ist das Debüt der Aschaffenburger zwar, Highlights oder große Überraschungen bleiben allerdings weitgehend aus. Obwohl der Hörer oftmals denkt, das Grundprinzip eines Titels verstanden zu haben, dann aber von The Grand Sheep durch Rhythmus-, Melodie- und Tempowechsel eines Besseren belehrt wird, hätte die Band noch bissiger zu Werke gehen können, um auch mal aus dem lässig vor sich hin plätschernden Groove auszubrechen und den Hörer Anreize zu geben, über die gesamte Albumlänge am Ball zu bleiben.

The Grand Sheep (Copyright: The Grand Sheep)

The Grand Sheep (Copyright: The Grand Sheep)

Nichtsdestotrotz wissen einige Songs zu begeistern. „Something Different“ gehört zum Beispiel zu jenen Titeln, die aufhorchen lassen und bereitwillig auf Repeat gestellt werden.
In der Mehrheit dieser Songs sind es vor allem die Streicher, die sich in den progressiven Kontext perfekt einfügen und immer wieder überzeugen. Diese sinfonischen Zusätze sollten auch zukünftig dringend beibehalten werden, denn sie sorgen für eine Atmosphäre und Dichte, die durch den Gesang oder die übrige Instrumentierung nicht aufgebaut werden können.

Wenn sich The Grand Sheep also lediglich als Lämmchen entpuppen, liegt dies beim Debüt des Quartetts (abgesehen vom gesanglichen Können) nicht am fehlenden Talent der Musiker, sondern hauptsächlich an der noch ausbaufähigen Sound- bzw. Produktionsqualität und dem Klammern an eine musikalische Wohlfühlzone, die keine Variationen und Experimente in Sachen Atmosphäre und Dynamik zulässt. Dafür beherrscht die Band ihren progressiven Ansatz vorbildlich. Umso bedauerlicher, dass durch die Missstände im Sound das teils verschachtelte und anspruchsvolle Bass-, Keyboard- und Schlagzeugspiel nicht besser herausgearbeitet wurden. Fans des Genres sollten dennoch Probe hören und die Truppe im Auge behalten.

Tracklist

01 Rise My Darkness
02 Something Different
03 Drag Behind the Diamond
04 Shiny Teeth
05 Rise to Shine
06 Signals
07 From the Roof Into the Drain
08 Hovering Through Silence

Details

The Grand Sheep – Facebook

Label: UR-Music
Vö-Termin: 02.03.2015
Spielzeit: 53:59

Copyright Cover: The Grand Sheep



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde