Review

Schon das Cover von „Coming Back Again“ lässt erahnen, in welche stilistische Richtung The Golden Grass ihre Hörer entführen. Detailreich und bunt grüßt die Flower Power und mit dem Konsum entsprechender bewusstseinserweiternder Mittel, zu denen wir an dieser Stelle natürlich nicht raten wollen, offenbaren sich vermutlich auch die einen oder anderen zusätzlichen Effekte.

Und wer hier sucht, der findet auch, nämlich die Band selbst innerhalb des Artworks. Auch jener ist schon rein optisch anzusehen, für welche Musikrichtung ihr Herz schlägt. Doch was diese visuelle Konsequenz ebenfalls mit sich bringt, ist die Tatsache, dass The Golden Grass sehr zielgruppenorientiert musizieren. Retro-Rock mit psychedelischen Ansätzen steht auf dem Programm von „Coming Back Again“, ein Album für wahre Fans dieser Ära.

Mit jedem Ton des Albums führt man die Hörer zurück in die Epoche, in der The Doors, The Grateful Dead, Jefferson Airplane und Co. groß geworden sind. Entsprechend authentisch fallen Songwriting, Arrangements und Sound aus. Der Moderne selbstbewusst den Mittelfinger entgegenstreckend, schwingt hier nicht nur Vinyl-Atmosphäre mit, sondern auch eine gewisse Ursprünglichkeit, zurückzuführen auf die sehr klassisch ausgerichteten Songs. Rock’n’Roll, der durchbrochen wird von teils progressive Luft atmenden Passagen und teils in jazzigen Sequenzen mündet. Bluesige Momente beschert der dominante Bass und auch auf die obligatorischen Orgelklänge muss man hier nicht verzichten.

Gesanglich trifft man ebenfalls den Nerv der Vergangenheit. So sind es nicht die „richtigen“ Töne, die im Vordergrund stehen, sondern das Gefühl und die Attitüde einer gesamten Musikrichtung, die stimmlich transportiert werden.

The Golden Grass (Copyright: The Golden Grass)

The Golden Grass (Copyright: The Golden Grass)

Chillig und in „Shadow Traveler“ auch mal etwas beschwingter bahnen sich auf diese Art und Weise sechs Tracks ihren Weg, die – abgesehen vom rein instrumentalen, balladesken und akustischen „Hazy Daybreak“ – mal sehr groovy, mal deutlich psychedelischer daherkommen. Zeit scheint auf „Coming Back Again“ in jeder Hinsicht relativ zu sein. Sowohl was die Länge der Titel angeht als auch die stets mitschwingende Lässigkeit, die keinen Stress zu kennen scheint, lassen jedes Zeitgefühl verschwinden.

Wer kein eingefleischter Fan dieser retrocharmanten Klänge und ein Sammler noch dazu ist, der ist mit „Coming Back Again“ allerdings sehr schlecht beraten. Da nützt einem auch die Musikalität von The Golden Grass nichts. Die Reaktion würde wohl ähnlich ausfallen, wie bei einem Britney Spears Fan, dem man ein Cradle of Filth Album vorlegt. Finden The Golden Grass jedoch die richtigen Adressaten, geht ihre musikalische Saat auf und einer neu erblühten Blumenwiese, wie man sie aus den 60ern und 70ern kannte, steht nichts im Weg; rockige, klassisch gehaltene Flower Power Zeiten eben, die die Amerikaner hier (wenn auch ab und an ein wenig zu monoton wie in „Down The Line“) lebendig werden lassen, ohne jedoch Seitenblicke zu riskieren. Fans – leider aber auch nur die – greifen zu (und dürfen der Wertung gedanklich gerne noch einen Stern hinzufügen).

Tracklist

01 Get It Together
02 Reflections In The Glass
03 Shadow Traveler
04 Hazy Daybreak
05 Down The Line
06 See It Through

Details

The Golden Grass – Facebook

Label: Listenable Records / Edel
VÖ-Termin: 22.04.2016
Spielzeit: 38:05

Copyright Cover: Listenable Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde