Review

Deutsche Pop-Musik. Das ist immer eine schwierige Sache. Schnell klingt sie aufgesetzt, unecht, strebt nach den Höhen des Musikolymps und kratzt doch gerade mal am Fuße des Schlagerhügels. Für Newcomer ist das kein einfaches Feld – weswegen jene, die aus der uninspirierten Masse herausstechen, besondere Würdigung verdienen. So wie The Funnyounguys.

Das Schwestern-Duo mit Namen Diana Ali DeBerg und Anja Kit DeBerg besticht auf seiner Debüt-Platte „Tries & Triggers“ mit einer klaren, ehrlichen Mischung aus Akustik-Pop und Folk. Bewaffnet mit ihren Gitarren und unterstützt durch einen gelegentlichen Einsatz von Trommeln, Mundharmonika und Piano entführen sie den Hörer schon beim ersten Song der Scheibe, der den passenden Namen „Hello“ trägt, in ihren ganz eigenen Sound. Hier zeigt sich, dass weniger mehr ist, denn mit ihrem minimalistischen Stil klingt das Ganze schon wesentlich internationaler, als man von einem Debüt vielleicht erwarten würde.

Der zweite Song „Up and Down“ ist wohl einer der größten Ohrwürmer von „Tries & Triggers“. Das rhythmische Klatschen, der kräftige Gesang in den Strophen und die eingängige Melodie des Refrains zaubern sofort gute Laune ins Gemüt. Dass die Musik der beiden Schwestern aber nicht als seichtes Pop-Gedudel abzustempeln ist, zeigt sich an den folgenden Songs: „Best Friend“ kommt ernsthafter daher als seine Vorgänger. Hier sticht besonders der zweistimmige Gesang von Ali und Kit hervor, der wirklich gut miteinander harmoniert. Und auch in „Hollywood“ zeigt sich die Qualität der Funnyounguys. Denn in einer süßlich-verträumten Melodie wird unterschwellig eine ehrliche Sehnsucht transportiert, die sich nicht so einfach erfinden lässt.

Doch das musikalische Potenzial ist immer noch nicht erschöpft, wie es sich auch im zweiten Teil des Albums zeigt. So beginnt beispielsweise „Miles Away“ mit einer beeindruckenden a cappella Einlage, die danach in ohrschmeichelnde Gesangsharmonien übergeht. In „Stay Anna“ präsentiert sich ein kraftvoller weiterer Ohrwurm des Albums. Nur zwei Songs später führen die Schwestern in „Far From Home“ schon die nächste Kür vor: Mit einem eher verruchteren Sound, der deutliche Elemente des Blues in sich trägt, knüpft das Duo hier an den naheliegenden Country-Sound an, ohne ihren eigenen Stil dabei zu vergessen.

The Funyounguys (Copyright: The Funnyounguys)

The Funyounguys (Copyright: The Funnyounguys)

Eine letzte Besonderheit stellt der 14. Track des Albums dar. Der Titel „The German Song“ wird seinem Namen mehr als gerecht, denn er ist der einzige Song, welcher komplett in der Muttersprache der beiden Mädels gesungen wurde. Damit fällt er zunächst ein wenig aus dem Konzept der Platte heraus und es bedarf vielleicht ein zweites oder drittes Hören, aber dann zeigt sich, dass The Funnyounguys auch auf Deutsch funktionieren können.

Wenn deutsche Musik also nicht nur will, sondern auch kann, dann kann das eine ordentliche Sache sein. Für Freunde von Amy Macdonald und ähnlichen Singer-Songwritern stellen The Funnyounguys eine durchaus hörenswerte Option dar, deren handgemachte Musik einen tiefen, vielleicht einfachen, aber dafür auch ehrlichen Klang versprüht. Ein ordentliches Debüt, das zwar keine bahnbrechenden Neuerungen in sich birgt, aber ein solides Fundament darstellt.

Video

Tracklist

01 Hello
02 Up and Down
03 Best Friend
04 Hollywood
05 Not A Thing
06 Miles Away
07 Stayin‘ Weightless
08 The Only One
09 Stay Anna
10 Won’t Stop Lovin‘ You
11 Far From Home
12 River of Gold
13 Under Fire
14 The German Song

Details

The Funnyounguys – Homepage
The Funnyounguys – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 28.11.2014
Spielzeit: 51:50

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Silvana
Silvana
A Cat is Purrfect.