Review

Laut Albumnamen „Make Love To You“ haben sich The Danger Dudes viel vorgenommen, vorausgesetzt, man erreicht auch die Masse an Hörern, denen man jene angekündigte Liebe angedeihen lassen möchte. Wie dem auch sei, ein bisschen Liebe schadet ja bekanntlich nie. Doch machen The Danger Dudes hier einfach nur einen auf dicke Hose und belassen es bei einem leeren Versprechen oder erwartet einen mit dem Debüt der große Akt?

Den Verführungsversuch beginnt man zunächst mit einer Art Selbstvorstellung. Höflich! „Danger Dude“ kommt dabei mit einprägsamer, aber nicht gerade neuer Hook daher. Nichtsdestotrotz verfehlt der Titel seine Wirkung nicht und reißt doch irgendwie – besonders durch einen seichten Blues-Charme – mit.
Soundtechnisch werden die potenziellen Lover-Kandidaten aber eher in ein billiges Stundenhotel statt in einen Nobelschuppen ausgeführt. Nicht zu vergessen ist, dass alles bei The Danger Dudes bislang auf D.I.Y.-Basis stattfindet, doch damit dies nicht so bleibt und die Jungs nicht länger an sich selbst, sondern auch an ihre Hörer Hand anlegen können, hätte man hier deutlich mehr auffahren müssen, um schon mit dem ersten Track den Sack zu zu machen.

Auch im Folgenden bleiben wir gemeinsam mit The Danger Dudes in den erwähnten spartanischen Räumlichkeiten, doch mit der Zeit kann man es sich auch dort ganz gemütlich einrichten. So gewöhnt man sich mit jedem Track mehr an die Klang“qualität“; der Anspruch ist ja mittlerweile schon nicht mehr allzu hoch und besungene Jacky Cola aus dem Song „Danger Dude“ floss sicherlich ebenfalls bereits reichlich, sodass die Hemmungen zunehmend fallen.

Zum Erliegen gebracht werden sollen jene scheinbar mit genügend „Long Island Ice-T“, so zumindest der Name des Folgesongs. Viel Alkohol braucht es auch für jene, die mit „Make Love To You“ die große Liebe erwarten, jedoch nicht unbedingt auf eine sehr quäkende Stimme stehen. Ihnen sei gesagt, es kommt immer auch auf die inneren Werte an und reden bzw. in diesem Fall singen wird ja zudem oft überbewertet. Außerdem, sind wir ehrlich, irgendwie wirkt der verhältnismäßig hohe, gepresste Gesang doch auch schon wieder sympathisch, jung und unschuldig. Vielleicht kommen bei einigen unter uns sogar Muttergefühle auf und man möchte Sänger Jeans Mantequilla Casper (ernsthaft? ernsthaft!) einfach mal in den Arm nehmen.

Doch bevor es vorschnell zu Körperlichkeiten kommt, lassen wir The Danger Dudes noch etwas Überzeugungsarbeit leisten. Versucht wird dies – stilistisch mal etwas abwechslungsreicher als bisher – mit „Midnight Love“. Das Tempo wird kuschelig-romantisch, nämlich reduzierter als bisher, der Track wird dadurch tragender und kratzt ein wenig an der Grenze zum Doom. Und um den Funken nun endlich überspringen zu lassen und die Hörer klarzumachen, passt man auch den Gesang dementsprechend ein wenig an, indem hier mehr „Männlichkeit“ in die Stimme gelegt wird.

Mit dem sich anschließenden „Prologue“ schieben The Danger Dudes eine instrumentale Nummer ein. Dies soll wohl als Vorspiel dienen – natürlich für ihr punkiges „Passion of the Antichrist“, was denkt ihr denn? Als etwas anderes verfehlt es auch jede Wirkung, denn hierbei handelt es sich um ein derart kurzes Intermezzo, sodass kaum Stimmung, dafür aber die Frage aufkommt, ob das schon alles war?

Mit den weiteren Titeln absolvieren The Danger Dudes ihr Verführungsprogramm im Schnelldurchlauf. Verschuldet ist dies vor allem dem teils Punk-, teils Glam Rock-, teils Rock’n‘ Roll-Einschlag respektive allen Elementen in Kombination.

Durch „Baby Baby Baby“ setzt man dann alles auf eine Karte, viel Zeit bleibt mit nur noch einem Track auch nicht mehr, und versucht die Herzen mit Beach Boys Charme, Glam Rock-Feeling und den Worten „Baby, baby, baby – I like you“ zu gewinnen.

The Danger Dudes (Copyright: The Danger Dudes)

The Danger Dudes (Copyright: The Danger Dudes)

Nach dem letzten Song „Rocket“ inklusive verstecktem Hidden Track als Nachspiel imaginiert man nur noch, dass The Danger Dudes einen fragen: „Wie waren wir?“ oder „War es für dich genauso schön, wie für uns?“
Und man mag antworten: Sex, Drugs und Rock’n’Roll – hach, wäre das schön gewesen. Doch von seiner Titel-Verheißung, also von „Make Love To You“, ist das Album noch ebenso weit entfernt wie von einem Höhepunkt. Ein kleiner Flirt ist zu erkennen, zurück bleibt allerdings das Gefühl, zwar nichts bereut, aber die große Liebe eben auch nicht gefunden zu haben. Somit verlässt man die Band mit den Worten „Lasst uns Freunde bleiben“ – und einige werden hinzufügen: Friends with benefits, denn auch wenn vieles nach dem Hören von „Make Love To You“ einfach noch nicht klar ist, z.B. auf welchen Stil sich die Danger Dudes konkret verstehen möchten oder warum das nach außen getragene Image nicht wirklich mit der Musik zusammenpassen will, so sind die Danger Dudes immerhin keine reine Zeitverschwendung gewesen. Für kurze Nummern zwischendurch kann man daher wieder aufeinanderstoßen.

Video

Tracklist

01 Danger Dude
02 Long Island Ice-T
03 Dynamite
04 Midnite Love
05 Prologue
06 Passion Of The Antichrist
07 Not Wearing Any Pants
08 Baby Baby Baby
09 Rocket

Details

The Danger Dudes – Homepage

Label: self-released
Vö-Termin: 00.05.2015
Spielzeit: 27:38

Copright Cover: The Danger Dudes



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde