Review

Die Hintergründe zu den >Bräuten des schwarzen Zimmers<

The Brides Of The Black Room ist ein Künstlerkollektiv, ein Kult, der nur existiert, um unserer ewigen Mutter zu dienen. Je härter die Außenwelt versucht, sie zu zerstören, desto härter reagiert das Kollektiv. Es verurteilt und konfrontiert Unterdrückung in allen Formen. Jeder Song ist ein neues Kapitel, ein Teil der Geschichte, der Rebellion.

Eine selbstbetitelte Debüt-EP und mehrere Singles seit Januar 2021 dienten als Prolog, nun ist es Zeit für Staffel 1.
Nach der Enthüllung der Identitäten von Ginger Kahn alias Tom Åsberg (ex-Priest), Carolina Lindahl (ex-The Operating Tracks) und Lea Alazam (Besvärjelsen-Sängerin, ex-REIN-Live-Schlagzeugerin) ist das Kollektiv jetzt bereit, das zehnteilige erste Kapitel ihrer Geschichte zu veröffentlichen: das Debütalbum „Blood and Fire“.

(Quelle: amazon)

Über das Album

Jenes erscheint über das Label Icons Creating Evil Art und umfasst zehn Songs, die sich aus Elementen des Dark Pop, Electronic, Electropop, Synthpop und Synthrock zusammensetzen. Einer klassischen Schublade ist das Album aber nicht zuzuordnen, zu abwechslungsreich und vielseitig fällt jeder Song aus. So sorgt „Blood and Fire“ insgesamt auf seiner Länge von (nur knapp) 39 Minuten für einen spannenden Hörgenuss, der mal zum Tanzen, mal zum Träumen anregt, immer aber durch Atmosphäre und Melodik punktet.

Dabei erweist sich der Opener „Fire Disciple“ als hervorragender Einstieg in das Album, der Lust auf mehr macht. Es werden mitunter Assoziationen zu IAMX und Marilyn Manson geweckt. Und trotz (oder gerade wegen) einer gewissen schleppenden, tragenden Inszenierung reißt der Song die Hörer:innen mit. Ein eindringlicher, emotional starker Auftakt.

Ihm folgt mit „Blood“ bereits die erste Überraschung. Erstmals ist weiblicher Gesang zu vernehmen, während der Song temporeicher als sein Vorgänger ausfällt. Eingängig und tanzbar, wie der Titel ist, sollte er mit seinen treibenden, dunklen Rhythmen im Nu die Clubs erobern.

Mit „Mother Mother“ legt das Projekt – gemäß dem Motto „aller guten Dinge sind drei“ – gleich ein weiteres Highlight nach. Wer nun aber meint, nach diesem Hit-Triple, das unterschiedlicher nicht hätte ausfallen können und dennoch gleichermaßen zu gefallen weiß, sei nicht mehr viel von The Brides Of The Black Room zu erwarten, der irrt. Es schließen sich hypnotisch-einnehmende Songs („Throne“), Tracks mit Dream Pop-Appeal („Apple“), an Ashbury Heights erinnernde Titel („Sirens“) und letztlich gar rituelle Klänge („Watch Me Burn“) an. Darunter befinden sich immer wieder Nummern, die sofort ins Ohr gehen und dort auch lange bleiben („Rise Up“, „Intruder“).

Mit dissonanten Tönen hat es die Band das eine oder andere Mal für manche Hörer:innen eventuell übertrieben. Gleichsam sorgen sie für das gewisse Etwas in einem Track und zeigen auf, dass sich The Brides Of The Black Room nicht scheuen, musikalisch etwas zu wagen. Das hebt sie von der Masse an Veröffentlichungen aus eingangs erwähnten Genres angenehm ab und lässt ihre Songs auch nachhaltig wirken.

Fazit

The Brides Of The Black Room veröffentlichen ein Debütalbum, das nach mehr verlangt. Mit einer enormen Abwechslung, eingängigen Melodien und einer ausreichenden Portion Gefühl laden die Titel auf „Blood and Fire“ zum wiederholten Hören und Entdecken ein. So lässt sich die Zeit gut nutzen, bis die nächsten Outputs des Künstlerkollektivs in den Startlöchern stehen.


Blood and Fire (Digisleeve)

Video

Tracklist

01 Fire Disciple
02 Blood
03 Mother Mother
04 Throne
05 Apple
06 Sirens
07 Rise Up
08 Intruder
09 The Unknown
10 Watch Me Burn

Details

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Label: Icons Creating Evil Art / Rough Trade
Vö-Termin: 01.10.2021
Spielzeit: 38:32

Copyright Cover: Icons Creating Evil Art



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde