Review

Das Kollaborationsalbum von The Body und Full Of Hell lässt die Grenzen der Musik verschwimmen, und zwar so weit, dass man sich fragt, ob das hier überhaupt noch Musik ist.
„One Day You Will Ache Like I Ache“ könnte zudem wohl kein besserer Titel für dieses Werk sein, auf dem die Stile der beiden Bands aus den Staaten ihre Gemeinsamkeiten finden.

Das Duo The Body, die der Platte ihren Teil des Doom- und Drone-Sounds beisteuern, erkennt man vor allem an den unmenschlich hohen Schreien, die sich durch sämtliche Songs ziehen.
Full Of Hell repräsentieren demgegenüber die typische Grindcore-Band mit Einflüssen vom Noise, die mit ihrer Energie im Kontrast zu den schwerlastigen Rhythmen steht.

Herausgekommen ist ein Werk, das jenseits sämtlichen musikalischen Begreifens liegt.
Für viele wird diese Veröffentlichung einige Extreme bieten, nach denen man sich sehnt. Auf der anderen Seite wäre es auch verständlich, wenn es Hörer gibt, die sich instinktiv von dieser Kollaboration distanzieren, denn „One Day You Will Ache Like I Ache“ ist alles andere als leichte Kost.

Der Noise mit all seinen Eigenschaften dominiert die zehn Songs. Es vergeht keine Sekunde, in der nicht ein zu hoher Ton oder ein statisches Geräusch (wie Nägel auf der Tafel) die Trommelfelle zum Zerplatzen bringen wollen. Allerdings werden dann auch wieder kurzweilige Grind-Passagen von Full Of Hell eingeschoben wie im Song „World Of Hope And No Pain“, welcher mit vierzig Sekunden genau die richtige Länge für einen Grind-Song aufweist. Danach folgt „Himmel und Hölle“, ein Track, der nur aus einem einzigen Matsch aus quasi allem besteht, was dazu scheinbar noch gleichzeitig aufgenommen wurde.

„Bottled Urn“ könnte man schon fast als Industrial angehaucht bezeichnen, wobei hier eine Menge übersteuert wurde und dadurch das hysterische Geschrei noch mehr an Gewicht zu gewinnen scheint.

The Body lassen ihre Doom-Muskeln wieder in „The Little Death“ spielen und nur in kurzen Schüben gibt es etwas von den Grindern Full Of Hell zu hören.

Dem Hörer wird mit „One Day You Will Ache Like I Ache“ schon einiges abverlangt, da die Jungs hier sehr oft über die Stränge schlagen und ihren Sound von nichts und niemanden einengen lassen. Man soll aber nicht meinen, dass sich die Bands nur an scheinbar unhörbarer Musik orientieren, denn komischerweise gibt es Titel, die durchaus ansprechend gestaltet wurden. Einer davon ist „Fleshworks“. Das Auffälligste neben den rollenden Drums sind die weiblichen Vocal-Samples. Die beiden Sänger werfen ihre Vocals darunter, die aber nur als Beiwerk zu dem hauptsächlich prägnanten klaren Gesang wirken, der das Ganze zu einer hörbar runden Sache macht. Kaum zu glauben, aber „Fleshworks“ klingt einfach wunderschön.

The Body (vorne) / Full Of Hell (hinten) (Copyright: The Body / Full Of Hell)

The Body (vorne) / Full Of Hell (hinten) (Copyright: The Body / Full Of Hell)

Überhaupt wird auf dem Album viel mit Samplen gearbeitet, was nur noch mehr zu dem verzerrten und zerhackten Gesamtbild beiträgt. Auch „Cain“ profitiert am Schluss von melodischem Gesang über unaushaltbaren Rückkopplungen.

Wofür eignet sich „One Day You Will Ache Like I Ache“ am Ende? Vielleicht um den eigenen Horizont zu erweitern. Obwohl man nicht genau sagen kann, ob man dann weiter voran- oder doch weiter hinabsteigt.

The Body und Full Of Hell präsentieren mit diesem Album ihre eigene Vorstellung von Musik. Zwischen all dem Krach und Wahnsinn gibt es aber immer noch Passagen, die deutlich nach Musik im eigentlichen Sinne klingen. Für die einen wird es sicherlich eine Erfahrung wert sein, andere werden wahrscheinlich nicht mal über den ersten Song hinaus kommen. „One Day You Will Ache Like I Ache“ bleibt einzigartig.

Video

Trackliste

01 One Day You Will Ache Like I Ache
02 Fleshworks
03 Gehorwilt
04 World Of Hope And No Pain
05 Himmel Und Hölle
06 Bottled Urn
07 The Little Death
08 Cain
09 Abel

Details

The Body – Facebook

Full Of Hell – Homepage
Full Of Hell – Facebook

Label: Neurot Recordings / Cargo Records
Vö-Termin: 25.03.2016
Spielzeit: 43:03

Copyright Cover: Neurot Recordings



Über den Autor

Christopher