Review

Für eine dringend benötigte Auszeit vom Alltag bietet sich auf musikalischer Ebene vor allem das Genre Dream Pop an. Nicht selten laufen die hier agierenden Künstler jedoch Gefahr, den Hörer nicht nur in positiver Weise einzulullen, sondern ihn auch derart abschweifen zu lassen, dass die Musik als solche zu sehr in den Hintergrund tritt und schließlich gar nicht mehr wahrgenommen wird. Ausnahmen bestätigen die Regel, leider gehören The Autumn Sighs nur bedingt dazu.

Das Trio veröffentlicht mit „Branches“ eine weitere EP, die gleichsam den Auftakt zu einer geplanten EP-Tetralogie darstellen soll, doch nur wahre Fans der Band und des Genres werden wohl bis zum Ende dieses Mehrteilers durchhalten; es sei denn, The Autumn Sighs zaubern auf den kommenden Veröffentlichungen mehr Abwechslung aus dem Ärmel als es bei „Branches“ der Fall ist.

Ihren Dream Pop mit Shoegaze- und Indie-Einflüssen präsentiert das Dreiergespann aus Siegen hier auf insgesamt fünf Songs, die sich für Laien der Stile kaum voneinander unterscheiden werden. Im immer gleichen Tempo, durch repetitive Phasen und mit gleichbleibender Atmosphäre laden die schwebenden Klänge zwar zum Träumen ein, indem sich The Autumn Sighs allerdings zu häufig durch fehlende Höhepunkte und im Vergleich zu genre-ähnlichen Bands an der Grenze zur Belanglosigkeit bewegen, könnte es passieren, dass dem Träumen eine Tiefschlafphase folgt. Gut also, dass der häufig prägnante Gitarrensound den Hörer wiederholt genau davor bewahrt. Jener ist es auch, der sowohl ein wenig Retro-Feeling als auch Intensität auf die EP bringt und darüber hinaus die Indie- und Shoegaze-Nuancen der Band betont.

The Autumn Sighs (Copyright: The Autumn Sighs)

Der Gesang hingegen ist deutlich auf den Dream Pop-Faktor ausgerichtet und weist in seiner schwebend-sphärischen und mit Hall versehenen Präsentation gar lethargische Züge auf.
Weniger schwebend, dafür plötzlich sehr vordergründig platziert kommt die weibliche Stimme bereits im zweiten Song „Thirsty“ daher, dessen Stimmung die EP jedoch noch in ruhige, „besinnliche“ Sphären belässt.
Schon im darauf folgenden „Tonight“ verschwindet der Gesang aber fast wieder hinter der Gitarre und den Drums.
Doch egal, ob allzu präsent oder eher hintergründig – die Einbettung des Gesangs in die restliche Instrumentierung gelingt The Autumn Sighs stets sehr gut.

Dass es allerdings oftmals ein sehr schmaler Grat ist zwischen völlig unaufgeregter Musik zum Genießen und einer dadurch drohenden Langeweile beim Hören, wird durch „Branches“ von The Autumn Sighs einmal mehr deutlich. Somit wird ihre EP vermutlich auch nur wahre Genre-Fans ansprechen.

Video

Tracklist

01 The Autumn Sighs
02 Thirsty
03 Tonight
04 Flat
05 Sway

Details

The Autumn Sighs – Homepage
The Autumn Sighs – Facebook
The Autumn Sighs – Bandcamp

Label: Reptile MusicAltone
Vö-Termin: 28.04.2017
Spielzeit: 25:13

Copyright Cover: Reptile Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde