Review

Außen der Bandname als klassischer 80er Schriftzug, innen unverfälschter Classic (Hard)rock, der an eben jene Zeit erinnert, so fällt das Album „Game On“ von The Amorettes aus.

Die aus Glasgow stammenden Mädchen, die hier ihr Können in traditioneller Besetzung aus Gitarre, Bass und Schlagzeug unter Beweis stellen wollen, fanden erst kürzlich beim Label Off Yer Rocka ein neues Zuhause und beabsichtigen mit dieser Verstärkung im Rücken über ihre schottische Heimat hinaus Fuß in der Musikbranche zu fassen.

Wie man es vermutlich von dem derart jungen Trio nicht erwartet hätte, konzentrieren sich The Amorettes auf die Wurzeln des Rock ’n‘ Roll; „good old fashioned“ Classic Rock zelebrieren sie mit einer Hingabe, die jedem Song anzuhören ist. Spielfreude und Leidenschaft zur Musik sind auf „Game On“ daher stets präsent. Wem dies schon reicht, der sollte umgehend den Plattenladen seines Vertrauens aufsuchen und sich die Scheibe der Girl Rock Band sichern.

Diejenigen aber, die darüber hinaus auf abwechslungsreiche Songs, potenzielle Hits und ausgereifte Vocals Wert legen, sollten wissen, dass „Game On“ damit nur mäßig dient.

Weil sich die Songaufbauten nur selten voneinander unterscheiden (so sind beispielsweise in fast jedem Titel die typischen Backshouts zu hören, die anfangs zwar noch die Energie und Dynamik von The Amorettes widerspiegeln, letztendlich nach dem x-ten Hören aber wenig kreativ wirken), fehlt es an Abwechslung. Zudem sticht kein Lied nennenswert aus der Classic-Rock-Gesamtkonstruktion „Game On“ heraus, es mangelt an Dauerbrennern und Highlights, die zu zeitlosen Klassikern avancieren könnten.

Stimmlich wird solide rotzige Rockarbeit geleistet, jedoch scheint der Leadgesang ab und an weiter weg zu klingen als die Instrumente, während Mikrobedienerin Gill hin und wieder ein wenig schwachbrüstig klingt.
Damit möchte man ihr keineswegs gesangliches Talent absprechen, eventuell hätte aber die Produktion diesbezüglich etwas differenzierter ausfallen können.

The Amorettes (Copyright: The Amorettes)

The Amorettes (Copyright: The Amorettes)

Insgesamt ist der Sound jedoch durchaus solide und der Retro-Charme sprüht auf „Game On“ ebenso wie die Energie der Band. Dieser hört man auch gar nicht an, dass lediglich drei Mädels The Amorettes bilden, so dicht fällt die Instrumentierung aus.

Mit „Rock Me, Roll Me“ ist das „Game On“ schließlich „Game over“, denn damit erschallt der letzte Track des Albums aus den Boxen. Und es ist klar: Innovation, Kreativität und aalglatte Produktionen darf man hier nicht suchen, finden wird man hingegen Stereotype, Spielfreude und eine Girlband, die Rock-Musik nicht nur vom Hörensagen kennt, sondern sich ihr voll und ganz verschrieben hat.

Es lebe also das lebende Klischee, besser gesagt die drei lebenden Klischees, denn daran mangelt es „Game On“ und The Amorettes nicht. Wer Frauen und Rockmusik bislang nur in Kombination mit versifften Schuppen und dortigem Tabledance in Verbindung gebracht hat, dem beweisen The Amorettes mit „Game On“, dass auch das weibliche Geschlecht zu rocken in der Lage ist. Jetzt noch die Kritikpunkte ausmerzen und schon wird man an ihnen nicht mehr vorbeikommen.

Video

Tracklist

01 Bull By The Horns
02 Fire At Will
03 Get What’s Coming
04 Hot And Heavy
05 Daddy’s Got Money
06 Son Of A Gun
07 Shoot From The Hip
08 Give ‚Em Hell
09 Heartbreaker
10 Rock Me, Roll Me

Details

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Label: Off Yer Rocka / Cargo
Vö-Termin: 27.03.2015
Spielzeit: 37:23

Copyright Cover: Off Yer Rocka



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde