Review

Aus dem Norden Estlands, genauer gesagt aus Rakvere, einer kleinen estnischen Stadt zu Füßen einer alten Burg, stammt die Band Tharaphita. Und was liegt da näher, als rohen Metal zu produzieren?

Schaut man sich die Klassifizierung der Truppe einmal genauer an, vermischt das Quintett scheinbar alles, was der Metal hergibt: Black, Thrash, Heavy und Pagan. Diese Mixtur bringen Tharaphita selbst prägnant auf den Punkt und bezeichnen ihren Stil als „Blackened Pagan Metal“.

Ganz so abwechslungsreich und wirr, wie die Stilmischung verheißt, geht es auf dem 2014 erschienenen Album „Ülestõus“ (engl.: Uprising/dt.: Aufstand) jedoch nicht zu. Sehr einheitlich und straight reihen sich die darauf anzutreffenden acht Songs aneinander, hören sich zugleich aber zu oft sehr ähnlich an. Obwohl hin und wieder eingeschobene und gelungene Instrumentalparts das musikalische Geschehen auflockern, fehlt es an weiterer Abwechslung.

Überwiegend treibend-aggressiv preschen Tharaphita beständig nach vorne und variieren dabei nur selten in Sachen Tempo.
Gesanglich kreischt man sich in blackmetallischer Manier die Seele aus dem Leib, bleibt dabei aber stets melodisch. Auch wenn in diesem Bereich ebenfalls der Abwechslungsreichtum rar gesät ist, holen Tharaphita mit ihrem gutturalen Gebären selbst jene ab, die normalerweise nichts mit dieser Art Gesang anfangen können.

Tharaphita (Copyright: Viktor Koshkin)

Tharaphita (Copyright: Viktor Koshkin)

Jetzt wäre es noch interessant zu wissen, worüber die Jungs hier singen.
„Die Lyriken der Stücke sprechen den Beteiligten direkt aus den heftig pochenden Herzen“ heißt es im Infoschreiben zum Album. Dies lässt sich jedoch nur von Hörern nachvollziehen, die der estnischen Sprache mächtig sind, denn Tharaphita präsentieren ihr Album „Ülestõus“ konsequent auf Estnisch.
Damit bleiben die Songinhalte, erzählend u.a. von der estnischen Historie, für die Mehrheit der Hörer in unserem Land vermutlich absolut unverständlich oder enden als Kandidat für potenzielle „misheard lyrics“, der Sound der Sprache trägt dafür aber ungemein zur Atmosphäre bei.

Highlight des Albums und gleichzeitiger Anspieltipp ist „Viimsepäeva Koidik“ (engl.: The Dawn Of Armageddon). Galoppierende Gitarren münden in feinen Melodien und auf der Länge von über sechs Minuten halten Tharaphita die Spannung des Songs derart aufrecht, dass nach dem Track zum Drücken der Repeattaste verleitet wird.

Insgesamt liefern Tharaphita ein solides Album ab, das Fans der paganschen Metalgangart einmal antesten sollten. Die in Deutschland noch nicht allzu bekannte Band wird vermutlich nicht umgehend für Euphoriestürme sorgen oder die Szene aufmischen, eine angenehme Abwechslung oder Ergänzung zu den alteingesessenen Genregrößen stellen sie jedoch dar.

Video

Tracklist

01 Ülestõus (Uprising)
02 Viimsepäeva Koidik (The Dawn Of Armageddon)
03 Luupainaja (The Nightmare)
04 Tuhandeaastase Orjaöö Tuhast (From The Ashes Of A Thousand Years Of Slavery)
05 Sõnad Sõlmedesse (Knotting The Words)
06 Surma-arbujad (Sorcerers Of Death)
07 Tuuled Rändavad ringi (Winds Wander)
08 Terasest taotud teel (On A Road Made Of Steel)

Details

Tharaphita – Homepage
Tharaphita – Facebook

Label: Vaarang Records
Vö-Termin: 27.06.2014
Spielzeit: 39:32

Copyright Cover: Vaarang Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde