Review

Polyrhythmic Metal Madness, so bezeichnen Textures ihren Stil, bestehend aus viel Technik in Verbindung mit viel Chaos.

Seit der Veröffentlichung „Polars“ aus dem Jahre 2004 sind sie aus dem Metal gar nicht mehr wegzudenken. Ihr kraftvoller Stilmix mit gelegentlichem Klargesang und meshuggahartigen Riffs ergibt einen explosiven Cocktail, von dem jeder einmal probiert haben sollte.
Mit „Phenotype“ meldet sich die Chaostruppe zurück und schlägt in die gleiche Kerbe wie schon ihr Album „Dualism“ (2011). Massig Groove mit unterschwelliger Technik. Ob das Werk allerdings mit seinem Vorgänger mithalten kann, klären wir jetzt.

Wenn man „Phenotype“ einlegt, wird man in „Oceans Collide“ von dem selbsternannten Stil begrüßt: chaotischer und polyrhythmischer Metal vom Feinsten.
Fronter Daniel de Jongh hat neben seinem genialen Namen auch eine grandiose Powerstimme. Sein Brüllgesang passt perfekt zum wirren Gesamtwerk.
Die Instrumentalisten geben in puncto Vertraktung so gut wie alles, was menschenmöglich ist. Die 6-7-8-9-Saiterfraktion wartet dabei mit einem satten, kräftigen und dennoch sehr differenzierten Sound auf. Genrekollegen wie Periphery klingen deutlich klinischer und auf Masse getrimmt.

Ein Markenzeichen der Band ist seit jeher ihr Sinn für Spannung und Wandel. Allein der erste Song auf der Scheibe strotzt vor verschiedenen Stilelementen und ist dabei nur knapp über sechs Minuten lang. Hut ab!

Wer das Tun der Band schon einige Zeit verfolgt, wird Songs wie „New Horizons“ oder „Shaping A Single Grain Of Sand“ bereits gehört und lieben gelernt haben. In „New Horizons“ vernimmt man abermals die grandiose Stimme Daniel de Jonghs, während der Song an sich ein Monster vor dem Herrn ist. Zwar bringt er viel Melodie mit sich, aber der Hauptteil entpuppt sich als purer Bastard. Gleiches gilt für „Shaping A Single Grain Of Sand“, allerdings wirkt jener nicht unbedingt chaotisch, sondern anfangs recht nervig, denn die durchgängige Bass hemmt den Hörfluss und stößt eher negativ auf. Dafür sind die Melodieläufe und der Gesang voller Emotionen und dank der Produktion erscheint das Ganze auch nie aufgesetzt.

Eins fällt auf „Phenotype“ jedoch stark ins Gewicht: Ab der Hälfte fällt das Niveau der Songs ab. Es kommt häufiger zu Lückenfüllern und instrumentalen Parts. „Meander“ fungiert zwar als Vorbereitung auf „Erosion“, jedoch wirkt es wie aus einer anderen Musikära und will gar nicht zum folgenden Track passen, der dann auch nur sehr durchschnittlich ausfällt. Die Riffs sind langweilig und so gar nicht catchy. Natürlich kann man nicht immer perfekt abliefern, aber gerade diese Zwischenspiele sind in der Szene so weitverbreitet, wie seinerzeit die Pig Squeals im Deathcore. Ausgelutscht und belanglos.

Textures (Copyright: Tim Tronckoe)

Textures (Copyright: Tim Tronckoe)

Das soll natürlich keinem die dennoch großartige Scheibe „Phenotype“ vermiesen, deren Abschluss „Timeless“ bildet. Der Titel erinnert stark an Dream Theater im modernen Gewand. Doch auch dieser Track kränkelt an Langatmigkeit und wenigen Aha-Momenten. Schade, denn dafür waren oder sind Textures eigentlich bekannt. Positiv sticht aber nach wie vor die Produktion heraus, die sich keine Schwächen leistet.

„Phenotype“ klingt alles in allem sehr ausgewogen – für den einen oder anderen vielleicht zu ausgewogen. Zu gleichen Teilen finden wir hier Aggression und Liebe wieder. Dass sich das Album allerdings auch genauso aufteilt, ist etwas schade. Die Powersongs direkt am Anfang verfeuern und dann nur durchschnittlich dahin schwimmen? Ein wenig mehr hätte es sein können, dennoch ist „Phenotype“ ein würdiger „Dualism“-Nachfolger und definitiv hörenswert.

Video

Trackliste

01 Oceans Collide
02 New Horizons
03 Shaping A Single Grain Of Sand
04 Illuminate The Trail
05 Meander
06 Erosion
07 The Fourth Prime
08 Zman
09 Timeless

Details

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Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 05.02.2016
Spielzeit: 43:51

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Marcus
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