Review

Wenn die Dunkelheit in den Post- und Noise-Rock zurückkehrt, dann bringen Tesa aus Riga ein neues Album heraus. Das fünfstellige Lösungswort der Trackliste gibt gleichzeitig den Titel des Albums bekannt: „Ghost“.

Das Trio drückt seine Musik zu fast einhundert Prozent mit einer Menge Atmosphäre sowie einer Nuance Sludge aus – wie zu erwarten mit einer ebenfalls düsteren Produktion, die die Platte ein ganzes Stück voller, aber stellenweise auch dreckiger wirken lässt. Tesa lassen ihre musikalischen Farben in einem Wasserfall aus eingängig dumpfen Riffs und noch aggressiveren Rhythmen verlaufen.

Viel Zeit lässt man sich nicht und rollt ab der ersten Sekunde über seine Zuhörer mit akustischer Gewalt hinweg. Dabei braucht die Band das Tempo nicht einmal erwähnenswert anzuheben, es reicht lediglich die geballte Power an Noise, die die Grenze zwischen hörbarer Musik und totalem Chaos verschwimmen lässt.

Aber auch wenn Tesa oft in Extreme verfallen, praktizieren sie hier nichts, was man nicht von vielen anderen Post-Noise-Bands bekommen kann. Keine Innovation und keine nennenswerten Variationen innerhalb des Sounds scheinen „Ghost“ wirklich zu prägen. Es geht einfach immer nach vorne gen Monotonie.

Weist „O“ ab der Mitte zwar ein paar melodische Nuancen auf, endet alles stets damit, dass die Drums alles niederprügeln und auch die Saiten in einen repetitiven Zustand verfallen. Ab einem bestimmten Punkt kann man dann froh sein, dass es stellenweise auch mal so etwas wie ein Riff gibt (wie in „S“), das sich von alldem unterscheidet.

„Ghost“ mag anfangs sehr groß und beeindruckend wirken, nutzt sich aber im Laufe der Zeit immer weiter ab. Tesa hätten aus ihren fünf Songs durchaus auch nur einen einzigen Track basteln können, der sich dann vierzig Minuten lang erstreckt. Dann hätte das Album zumindest ein gewisses Konzept erkennen lassen statt nur ein ewiges Rumgehacke auf Elementen zu liefern, die auf Dauer leider keine Freude bereiten.

Tesa (Copyright: Tesa)

Tesa (Copyright: Tesa)

Einen Lichtblick gibt es dennoch, auch wenn dieser erst als letzter Song in Erscheinung tritt. „T“ wechselt die Stilrichtung der Band. Es bleibt zwar immer noch gewohnt schwer, aber ein großer Teil des Titels besteht aus melodischer Abwechslung. Tesa treten hier merklich vom Gas und lassen ihre Musik einfach fließen.

Obwohl „Ghost“ ein gut produziertes Album ist, welches sicher eine gewisse Intention birgt, will es im Großen und Ganzen nur laut sein. Bis kurz vor Schluss bietet es weder Abwechslung noch Höhepunkte. Oft bleibt beim Hörer das Gefühl, dass Tesa einfach nicht so recht auf den Punkt kommen wollen.

Es wird wohl vormals denjenigen reichen, die Wert auf einen Sound legen, der sie erschlägt und im Gewühl untergeht.

Video

Trackliste

01 G
02 H
03 O
04 S
05 T

Details

Tesa – Facebook

Label: My Proud Mountain / Cargo Records
Vö-Termin: 19.08.2016
Spielzeit: 40:45

Copyright Cover: My Proud Mountain



Über den Autor

Christopher