Review

Die Jungs von Terrible Love aus London haben ein Ventil gesucht, durch das sie ihre rohe Musik aus Post-Hardcore und Post-Punk ablassen können. Und genau dieses fanden sie in ihrer EP „Change Nothing“. Mit dem Titel lässt sich schon der nihilistische, aber auch teilweise sehr emotionale Sound der Band erahnen.

Terrible Love verschwenden nicht viel Zeit mit atmosphärischen Intros und so knallen die Gitarren auf die Drums, während sich bereits mit den ersten Worten die Kehle wund gebrüllt wird. Die Band setzt vor allem auf ein durchgehend rotierendes Schlagzeug samt Bass, zu denen sich noch melodische Riffs gesellen. Außerdem wandeln sie stets auf einem schmalen Grad zwischen versetzter Akkordarbeit und explosionsartigem Punk.

Lyrisch gibt sich die Band durch nicht allzu viele tiefsinnige Metaphern, dafür aber mit konkreten Aussagen, die auch zum Kontext dieser EP und ihrer fünf Songs passen, sehr direkt. Dementsprechend gestalten sich die einzelnen Titel mit einer Gesamtspielzeit von 16 Minuten auch äußerst kompakt. Allein „Sparrow“ kratzt an der 4-Minuten-Marke.

In der Zeit bringen Terrible Love allerdings schon einiges unter, was ihren Sound auszeichnet. Obwohl „Mt. Misery“ mit harten Skank-Beats deutlich den obligatorischen Punk raushängen lässt, besinnt sich die Truppe ab der Hälfte des Titels auf ein deutlich atmosphärischeres Arrangement.

„Stone In Me“ repräsentiert eine etwas ruhigere Seite der Band, obwohl man auch hier in Sekundenbruchteilen schlagartig austreten kann. Weiterhin ist es erstaunlich, wie gefühlskalt man seine Musik klingen lassen kann. Diese wirkt hier nämlich weder übermäßig melodramatisch, noch vor Emotionen überquellend.

Terrible Love (Copyright: Terrible Love)

Terrible Love (Copyright: Terrible Love)

Oft wird sich dann doch wieder an bewährten Mitteln bedient, was angesichts des Grenzen ausweitenden Potenzials leider einen Kritikpunkt bildet. „Change Nothing“ hätte sich ruhig viel mehr probieren und die Melodien weiter erforschen können, damit von der Intention der EP noch mehr übrig bleibt. Manchmal gestaltet sich auch der Gesang etwas einseitig, wobei gerade dieser viel Substanz vorweisen könnte.

An melodischen Passagen mangelt es hingegen nicht. Diese wurden sogar flüssig in den Sound integriert, sodass man nach der zerschmetternden Attitüde von „Sparrow“ immer wieder in den warmen Sound gewogen wird. So findet die Band stets ihren Fokus zurück, wohl auch durch den roten Faden, an dem man sich trotz zahlreicher Abschweifungen orientiert.

„Change Nothing“ knallt die Hörer musikalisch immer wieder auf unnachgiebigen Beton, zieht sie hoffnungsvoll wieder an sich, um sie erneut gen Boden zu drücken. Es ist vor allem die drückende Stimmung, die Terrible Love hier gut verpackt haben.

Video

Trackliste

01 Change Nothing
02 Mt. Misery
03 They Need You
04 Stone In Me
05 Sparrow

Details

Terrible Love – Facebook

Label: Through Love Records / Big Scary Monster Records
Vö-Termin: 29.04.2016
Spielzeit: 16:00

Copyright Cover: Through Love Records



Über den Autor

Christopher