Review

„Enter The Asylum“ heißt das vierte Studioalbum der female fronted Band Temtris, mit dem das Quintett ein weiteres Mal seine Mischung aus klassischem Heavy Metal und derbem Thrash Metal unter die Hörwilligen bringen möchte.

Nach dem instrumentalen und teils orchestral gehaltenen Intro „R.A.M“ geht es mit dem Titeltrack auch gleich richtig los, denn Temtris geben ihren Hörern hier stilecht auf die Zwölf. Im rohen, old school behafteten Sound prescht man in hoher Geschwindigkeit durch das Album. Das bringt jedoch kaum Abwechslung mit sich, vielmehr klingt „Enter The Asylum“ beim oberflächlichen Hören wie ein einziger langer Titel – gäbe es die guten Songabschlüsse und die kurzen Verschnaufpausen zwischen den einzelnen Tracks nicht.

Ist dies schon ein Grund, aus dem sich die Hörer zur Abwechslung mal ein Instrumentalstück herbeisehnen, Nummern also, die auf anderen Alben meist als Lückenfüller wahrgenommen werden, untermauert auch die gesangliche Darbietung diesen Wunsch. Denn fängt man nicht bei dem ersten Ton schon Feuer für den female fronted Gesang und die Stimmfarbe der Sängerin Genevieve, kann bzw. sollte man die CD umgehend aus dem Player verbannen; eine Gewöhnung wird sich diesbezüglich nämlich definitiv nicht mehr einstellen.

Sehr monoton, oft und zu lange auf scheinbar nur einem Ton verharrend, die Artikulation zudem häufig ziemlich schlecht und weit davon entfernt, als schöne sowie angenehme Klangfarbe wahrgenommen zu werden, lenkt die Sängerin insgesamt durch ihr prägnantes stimmliches Auftreten zu sehr vom Rest des musikalischen Geschehens (wie zum Beispiel von der hervorragenden Gitarrenarbeit oder den männlich tiefen Growls im Background) ab und bleibt durch fehlende Stimmmodulation, mangelndem melodischem Gesang und Emotionslosigkeit negativ im Kopf des Hörers.

Das Resultat: Temtris wirken anstrengend und amateurhaft, obwohl sie (vor allem die Instrumentalfront) Letzteres handwerklich gar nicht sind. Apathisch, fast schon resignierend verfolgt man den weiteren Verlauf des Albums, der das Ruder auch mit dem ersehnten Instrumentalstück „Too Deep“ nicht mehr herumreißen kann. Jenes weist abermals tolle Arbeit an den Sechssaitern auf, während zudem der repetitive Charakter des Tracks überzeugen kann. Leider versäumt man es aber, den Song auf den Punkt zu bringen respektive rechtzeitig abzuschließen, sodass eine knackigere Version des knapp 4-minütigen Stückes ratsamer gewesen wäre.

Die genannten Kritikpunkte in diesem Review mögen ausnahmsweise stark subjektiv gefärbt sein, aber hier gehen durch die Wirkweise des weiblichen Gesangs, sofern man mit diesem nicht prompt warm wird, alle positiven Eindrücke des Albums verloren. Ob Thrash-Schlagseite, gelungene Tempo- und Rhythmuswechsel wie in „Empty Room“ oder Auflockerungsversuche durch ein Instrumental sind daher letztlich vergebene Mühe, zu dominant und präsent sticht die Frauenstimme hervor und begräbt alles andere unter sich.

Temtris (Copyright: Temtris)

Temtris (Copyright: Temtris)

Der Gesang zündet nicht sofort? Dann Finger weg! Alle anderen dürfen einen weiteren Punkt zu unserer Bewertung aufgrund der hervorragenden Instrumentalarbeit von Temtris addieren. Davon abgesehen finden sich aber genügend andere Bands in der Musiklandschaft, die weitaus ansprechender klingen; darunter auch die gerne mit Temtris zum Vergleich herangezogene Truppe Battle Beast. Dass jene Sängerin ebenfalls mit ausgefallenem Organ daherkommt, scheint vielen Grund genug, sie als Parallele nennen zu wollen. Es sei aber gesagt, dass der Vergleich hinkt, denn Temtris sind vom Klang, von der Power und vom Können einer Band wie Battle Beast Lichtjahre entfernt und werden mit Frontfrau Genevieve am Mikro das Niveau einer solchen Formation auch zukünftig leider nicht erreichen, obwohl auf instrumentaler Ebene das Potenzial vorhanden wäre.
Traurig, aber wahr, „Enter The Asylum“ landet, um die Ohren zu schonen, kein weiteres Mal im Player.

Video

Tracklist

01 R.A.M
02 Enter The Asylum
03 Mind Games
04 The Summoning
05 Break the Skin
06 Darkness Falling
07 Too Deep
08 Empty Room
09 Nightstalker
10 Seasons of Decay
11 Lament
12 Phoenix

Details

Temtris – Homepage
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Label: Battlegod Productions / H’art
Vö-Termin: 20.05.2016
Spielzeit: 51:30

Copyright Cover: Battlegod Productions



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde