Review

Telemark sorgen mit ihrem neuesten Streich „Input/Out“ dafür, dass es an der Oberfläche wieder etwas lauter wird. Neben einem allgemein punkigen Kern gesellt sich noch ein elektronischer Hauch und der Hang zum Zynismus hinzu.

„Was du denkst, war schon immer etwas hässlich – Was du sagst, war schon immer etwas dämlich“

Die Band macht dem Zuhörer mehr als einmal deutlich, wie direkt sie ihre Texte gestaltet und wie wenig Taktgefühl da eigentlich hintersteckt. Passend dazu ein kratziges, lautes Organ und trotz der manchmal harmonischen Melodien geht das Punk-Gefühl nicht verloren.

Gleich mit dem dritten Song „Kaputte Köpfe“ hauen Telemark einen Ohrwurm heraus, der in den Versen mit einem leichten Indie-Hauch und im Refrain mit purem, catchigem Rock auftrumpft.

Direkt danach stellt „Input/Out“ eindrucksvoll seinen Reichtum an Variationen dar.
„Der Wortort“ (Kinderreim inklusive) überzeugt mit rollendem Schlagzeug und Bass sowie sehr hartem Riffing. Ein nahtloser Übergang in die schnellen Rhythmen lässt das Stillsitzen merklich schwerfallen.
Ebenfalls spielen Telemark mit ihrem retro Synthi-Sound, wie auf „Kopfreiniger (Mental-Discounter)“ zu hören. Dieser taucht jedoch nicht allzu oft auf, was nicht allzu dramatisch, aber angesichts der Tatsache, dass die Band auf diese Weise viel mehr Individualität in ihre Musik bringt, dennoch schade ist. Manchmal ist es nämlich so, dass der Hörer bei einem Großteil der Songs schon vorausahnen kann, wie sich deren Abläufe gestalten.

An der vorwiegend praktizierten Hau-drauf-Formel ist hingegen nicht viel auszusetzen. „Nicht nichts machen“ startet beispielsweise richtig durch. Dass aber auch das Einbringen verschiedener Stile nicht immer klappt, zeigt Schlusslicht „Wird schon“. Hier fehlen zu den swingenden Riffs einfach die sauberen Übergänge und sobald es an den Gesang geht, kracht alles sehr unangenehm aufeinander.

Ein paar generische Ausschweifungen muss es dann leider auch noch geben. „Menschomat“ hat anfangs ein paar nette elektronische Züge, tröpfelt dann aber im weiteren Verlauf nur vor sich hin.

Weiterhin hätte man auf der gesanglichen Ebene ruhig mehr aus sich herauskommen oder auch mal etwas wagen können, denn nach und nach nutzt sich der raue Gesang ab, wodurch am Ende dann nur noch Monotonie bleibt. Dies fällt besonders deswegen auf, da es stellenweise ein paar gesangliche Highlights abseits des obligatorischen Gebrülls gibt.

Sicherlich findet man noch eine Menge Kleinigkeiten, um an „Input/Out“ herumnörgeln zu können. Vorrangig ist es aber eine Platte, die beim ersten Anlauf direkt zündet. Telemark unterhalten ihre Zuhörer mit abwechslungsreichen Strukturen und Melodien sowie einer Menge eigener lyrischer Offenbarungen. Und so beherbergt „Input/Out“ deutschen, energetischen Punk-Rock, der auch mal über Powerchords hinweg sieht.

Trackliste

01 Jammer Jamma Hey!
02 Schokolade
03 Kaputte Köpfe
04 Der Wortort
05 Kopfreiniger (Mental-Discounter)
06 Nicht nichts machen
07 Menschomat
08 Nicht wollen wollen
09 Der Plan
10 Akkurat
11 Gerne morgen
12 Wird schon

Details

Telemark – Homepage
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Label: Salon Alter Hammer / X-mist / Broken Silence
Vö-Termin: 00.06.2016
Spielzeit: 38:37

Copyright Cover: Salon Alter Hammer



Über den Autor

Christopher