Review

Unglaublich, aber wahr: Es vergingen tatsächlich 17 Jahre seit der letzten Veröffentlichung des Albums „Everybody Loves A Happy Ending“; nun endlich warten Tears For Fears nach all den Jahren mit „The Tipping Point“ auf und dürften damit nicht nur Fans begeistern, sondern sicherlich eine neue Generation derselbigen dazu gewinnen. Denn hinter ihren All-Time-Klassikern wie „Shout“, „Everybody Wants To Rule The World“ oder „The Working Hour“, um nur einen winzigen Auszug aus deren Repertoire zu nennen, muss sich dieser Silberling wahrlich nicht verstecken und beweist, dass die beiden Briten auch nach all den Jahren noch „liefern“ können.

Was lange währt, wird endlich gut?

Das Duo äußerte sich in dieser Sache zumindest soweit, dass viel auf dem Weg zu ihrem nunmehr siebten Studioalbum schief gehen musste, bevor es zu einem tatsächlichen „Wendepunkt“ kommen konnte.
Namhafte Songschreiber wurden den beiden Briten zur Seite gestellt, aber es war nichts außer ein Kompromiss. Nebst Spannungen aufgrund dieser Konstellation ging auch privat einiges abwärts und es dauerte eine Weile, bis Roland Orzabal und Curt Smith zusammenfinden und wieder zu alter Größe auflaufen konnten. Umso erfreulicher ist nun das Endergebnis.

Über die Songs

Die vorliegende Scheibe umfasst zehn Songs, welche – insgesamt betrachtet – nicht nur einen Wiedererkennungswert innehaben, sondern auch mit neuen Sound-Einflüssen experimentieren.

Mit „No Small Thing“ eröffnet das Album balladesk, aber trotzdem intensiv und wird immer voluminöser, bis es zum Ende hin nicht nur lyrisch stark, sondern auch musikalisch auf Weiteres vorbereitet.

Der namengebende Titel „The Tipping Point“ wirkt experimentell-verspielt, erinnert eingangs an die Vertonung von Wassertropfen und nimmt mit Zunahme von Gitarren und Sound als solches eine vielschichtige Größe an, die dem Titel gerecht wird. Soundtechnisch und auch inhaltlich ein tatsächlicher Wendepunkt, der kraftvoll ist, trotzdem melancholisch anmutet und gleichzeitig gute Laune bringt.

Tears For Fears, Pressefoto 2017 (Copyright: Universal Music)

„Long, Long, Long Time“ und „Break The Man“ vermitteln ein beinahe frühlingshaftes Feeling und sind die musikalischen Beweise, dass sich das britische Duo ihrer alten Erfolge immer noch gewahr, aber trotzdem im Jahr 2022 angekommen ist.

„My Demons“ ist ein Power-Paket vom Feinsten. Tanzbar, berührend, kraftvoll. Der Titel wird der Kraft dahinter mehr als gerecht.

„Rivers Of Mercy“ ist ebenso kraftvoll, wenn auch balladesk. Das Thema ist politisch und dringt trotzdem in der typischen TFF-Opulenz und in seiner Brisanz ganz tief ins Herz.

Bei „Please Be Happy“, „Master Plan“ und „End Of Night“ sieht man schon vor dem geistigen Auge gefüllte Konzerthallen – und sich selbst dabei mittendrin mitsingen.

Das Outro „Stay“ lässt wirklich auf ein Bleiben hoffen, denn dieser Song beweist abschließend nochmals und in aller Intensität das Können von Roland und Curt. Es erinnert an alte Klassiker und macht Freude über die Vielschichtigkeit neuerer Technik.

Was lange währt, wird endlich gut!

In der Tat trifft hier das Sprichwort ins Schwarze. Das Warten hat sich gelohnt und mag auch der Titel des letzten Albums durchaus etwas Endgültiges gehabt haben, darf man sich hier umso mehr über ein Album freuen, das eine perfekte Symbiose aus alter Zeit und dem Heute bildet. Tears For Fears geben somit ein Stück Jugend wieder, schaffen es aber gleichzeitig, ihren zeitlosen Sound sattelfest zu zurren und der jetzigen Generation ein Stück Qualität und Nostalgie an die Hand zu geben. Während der ganzen Laufzeit kommt keine Sekunde der Langeweile auf. Ein Album mit Dauerschleifenpotenzial.


The Tipping Point

Video

Tracklist

01 No Small Thing
02 The Tipping Point
03 Long, Long, Long Time
04 Break The Man
05 My Demons
06 Rivers Of Mercy
07 Please Be Happy
08 Master Plan
09 End Of Night
10 Stay

Details

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Label: Concord Records / Universal Music
Vö-Termin: 25.02.2022
Spielzeit: 42:23

Copyright Cover: Universal Music



Über den Autor

Daggy
So ist das Leben, sagte der Clown mit Tränen in den Augen, und malte sich ein Lächeln ins Gesicht.