Review

Tarja Turunen gilt nicht nur mit ihrer ehemaligen Band Nightwish als Vorreiterin des Opera Metal, sie konnte sich bislang auch mit ihren drei Solo-Studioalben in die Herzen ihrer Hörer singen.
Ob „My Winterstorm“ (2007), „What Lies Beneath“ (2010) oder „Colours In The Dark“ aus dem Jahre 2013 – die finnische Ausnahmekünstlerin mit ihrem begnadeten klassischen Gesang erzielte immer wieder hohe Chartpositionen.
Den großen internationalen Erfolg des Albums „Colours In The Dark“ (in Deutschland positioniert auf Platz 6 der Charts) nahm Tarja jedoch zum Anlass, sich bei ihren Fans auf ganz besondere Art zu bedanken und so entstand kurzerhand „Left In The Dark“.

Die bisher nur in Verbindung mit einem Ticket zur aktuellen „Colours In The Road Tour 2014“ erhältliche Musik wird nun allen Fans zugänglich gemacht, denn earMusic wird die bislang exklusive CD als reguläre Veröffentlichung im Digipak in den Handel bringen.

Sieht man von dem Artwork, welches von einem Fan kreiert und durch Tarja im Rahmen eines entsprechenden Contests höchstpersönlich ausgesucht wurde, einmal ab, ist „Left In The Dark“ zwar nicht von Fans, dafür aber für Fans gemacht.
Hörer, die damit zum ersten Mal in den Genuss einer Tarja Turunen Veröffentlichung kommen, werden hingegen weniger mit dem Output anfangen können, denn hier wimmelt es vor Raritäten, die im Kontext ihres „Colours In The Dark“-Schaffens stehen.
B-Sides, Demos, Instrumental- und Akustikversionen sind es, die die Originaltracklist des 2013er Albums neu und andersartig aufleben lassen.

Tarja Turunen (Copyright: Eugenio Mazzingh)

Tarja Turunen (Copyright: Eugenio Mazzingh)

Kennern und Fans wird dabei auffallen, dass einige Versionen in ihrer „Rohfassung“ sogar noch mehr Charme besitzen, als die sauber produzierten Tracks des Albums, welches bei mir persönlich weniger gut ankam als die Solowerke davor.
Waren einige Titel durch ihre immensen Längen noch sehr sperrig, wird auf „Left In The Dark“ die Essenz von Tarjas Musik herausgefiltert. Der Schwerpunkt liegt damit auf der reinen Musik und dem unverfälschten Gesang der Finnin, was zur Folge hat, dass z.B. die als störend empfundenen Geräuschkollagen von „Lucid Dreamer“ auf der „Left In The Dark“-Demovariante komplett wegfallen und den Song als das zeigen, was er ist, eine gelungene Ballade ohne nervende Einsprengsel.

Ein weiteres Beispiel für die überflüssigen und teils Song zerstörenden Elemente auf „Colours In The Dark“ ist der Titel „Never Enough“. Bot dieser als Abschluss ein minutenlanges uninspiriertes Gitarrengeschrubbe, so kristallisiert sich mit der auf „Left In The Dark“ vorzufindenden „Demo Progressive“-Version, die auf diese Zugabe verzichtet, ein auf den Punkt gebrachter Track heraus, der ruhig ausklingt.
Was den Vergleich „Colours In The Dark“ / „Left In The Dark“ angeht, kann man nur sagen, dass Hörer hier erfahren können, wie viel besser einige Songs hätten werden können, wenn man auf verschiedene Beigaben in den finalen Fassungen verzichtet hätte. Aus diesem Grund würde ich sogar tollkühn behaupten, dass die Mehrheit der Songs in der „Left In The Dark“-Version weit besser zu gefallen weiß als die letztlich als Originale zu benennenden Tracks auf „Colours In The Dark“.

Natürlich werden nicht alle Tracks gleichermaßen mitreißen und überzeugen. So wirkt das Demo von „Mystique Voyage“ vielleicht ein wenig langweilig und auch die reinen Instrumentaltracks sind vielleicht nicht jedermanns Sache. Im Großen und Ganzen kann „Left In The Dark“ (zumindest mich) jedoch mehr begeistern als „Colours In The Dark“.

Versüßt wird der Silberling letztendlich sogar noch durch die von Tarja selbst verfassten Liner Notes zu allen zehn vorzufindenden Tracks. Wenn das nichts ist. Ein Bonbon für Fans, mit dem man sicherlich auch Geld machen möchte, dies merkt man dem Rundling jedoch glücklicherweise nicht offensichtlich an.

Video

 

Tracklist

01 Victim Of Ritual (First Demo)
02 500 Letters (Live At Vorterix Radio) *
03 Lucid Dreamer (Demo) *
04 Never Enough (Demo Progression) *
05 Mystique Voyage (Demo) *
06 Into The Sun (Studio Version)
07 Deliverance (Instrumental)
08 Neverlight (Full Orchestra Version)
09 Until Silence (Live At Vorterix Radio) *
10 Medusa (Tarja’s Solo Version)

*previously unreleased

Details

Tarja Turunen – Homepage
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Tarja Turunen – Twitter

Label: earMusic / Edel
Vö-Termin: 04.07.2014
Spielzeit: 56:52 Minuten

Copyright Cover: earMusic / Edel



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde