Review

Mit „The Shadow Self“ kündigt Tarja Turunen für August 2016 ihr neues Album an. Um die Wartezeit darauf zu verkürzen, beschränkt sich die finnische Sopranistin und Songwriterin, die sich vor allem durch die Band Nightwish auch in unseren Breitengraden einen Namen machen konnte, jedoch nicht nur auf eine Singleveröffentlichung oder vereinzelte Teaser, sondern publiziert mit „The Brightest Void“ gleich ein gesamtes eigenständiges Album als Prequel.

Dieses umfasst neun Songs, für die sich Tarja zusätzlich gastmusikalische Unterstützung holte. So teilt sie sich in „Your Heaven and Your Hell“ mit Michael Monroe das Mikro, setzt Chad Smith (Red Hot Chili Peppers) in „Eagle Eye“ an die Drums und präsentiert den Song „Paradise (What About Us)“, die einstige Within Temptation-Kollaboration, in einer neuen, als „Tarja Mix“ betitelten Version.
Zudem versorgt sie noch alle James Bond-Fans mit einer neuen Fassung des Titels „Goldfinger“, der insgesamt nah am Original bleibt, darüber hinaus aber auf interessante Art Tarjas Handschrift trägt.

Als Opener des Albums fungiert der bereits als Single herausgebrachte Track „No Bitter End“, der als typischer Tarja-Song gelten kann, gleichzeitig aber sehr vorhersehbar und kompakt ausfällt. Trotz interessanter Bridge, poppigem Refrain und leicht progressivem Gitarrenriffing wirkt „No Bitter End“ über weite Strecken melodielos.

Ein Kritikpunkt, den sich „The Brightest Void“ auch im weiteren Verlauf des Öfteren gefallen lassen muss, denn der größte Nachteil des Albums sind die meist fehlenden Melodien. Trägt Tarja diese nicht durch ihren Gesang, ist es an der Instrumantalfront, jene zu erzeugen, was letztlich allerdings zu oft versäumt wird. Stattdessen trifft man auf einfallsloses oder monotones Riffing und Sound- sowie Keyboardeffekte, die diese Lücken ausfüllen, von denen aber kaum etwas hängen bleibt. Besonders „An Empty Dream“ verdeutlicht dies auf seiner gesamten Spielzeit, während auch das sich nahtlos anschließende „Witch Hunt“ ohne Highlights bleibt. Dadurch wirkt „The Brightest Void“ phasenweise uninspiriert, langweilig und nicht auf den Punkt kommend.
Dies zeigt sich auch mit dem schnellen Rock-Metal-Song „Your Heaven and Your Hell“, der vocaltechnisch von Michael Monroe angeführt wird. Anfangs noch druckvoll und energiegeladen nimmt der ruhige Mittelteil mit Saxofon dem Titel seinen gesamten Schwung und mündet in einer nicht enden wollenden nervigen Passage.

Tarja (Copyright: earMUSIC | Tim Tronckoe)

Tarja (Copyright: earMUSIC | Tim Tronckoe)

Tarjas Gesang ist technisch natürlich auch auf „The Brightest Void“ sehr gut, kann die Hörer aber nicht immer emotional berühren. Trotz warmer Stimmfarbe wirkt die Performance oft zu steril und kalt.

Ähnlich wie schon „Left In The Dark“ ist auch „The Brightest Void“ alles in allem eine Veröffentlichung, die sich vorrangig an echte Tarja-Fans richtet.
Neben der auf Nummer sicher gespielten Single „No Bitter End“, der gelungenen Halbballade „Eagle Eye“, die mit starkem Background-Gesang aufwartet, und der Neuinterpretation des bereits bekannten und erfolgreichen Hits „Paradies (What About Us)“ pendelt sich der Rest des Albums eher auf B-Seiten-Niveau ein. Einzig „Shameless“ sticht mit metallastiger Härte noch einmal partiell positiv heraus.

Somit schürt „The Brightest Void“ als Prequel nicht unbedingt die Neugier auf das noch folgende Album „The Shadow Self“ im August, macht aber immerhin neugierig, ob Tarja ihren Vorgeschmack übertrumpfen und die Hörer doch noch überzeugen kann.

Video

Tracklist

01 No Bitter End (Video Clip Version)
02 Your Heaven And Your Hell (feat. Michael Monroe)
03 Eagle Eye (feat. Chad Smith on drums)
04 An Empty Dream
05 Witch Hunt
06 Shameless
07 House of Wax
08 Goldfinger
09 Paradise (What About Us) [Tarja Mix] – Within Temptation feat. Tarja

Details

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Label: earMusic / Edel
Vö-Termin: 03.06.2016
Spielzeit: 45:03

Copyright Cover: earMusic



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde