Review

Tardive Dyskinesia waren definitiv erfinderisch, als es um den Bandnamen ging. 2016 veröffentlichen die Griechen nun ihr viertes Studioalbum namens „Harmonic Confusion“ und darauf geht es progressiv zu. Wir befinden uns in einer Ecke mit Meshuggah, Intronauts, Gojira oder Earthship. Tardive Dyskinesia sind sehr metallastig, bringen aber auch ein wenig Stoner/Sludge Sound auf ihren Silberling unter, was die Sache ziemlich interessant macht.

„Insertion“ beginnt schön peppig und progressiv. Ein virtuoses Schlagzeug trifft auf minimalistische Gitarrenspuren, die eher für Atmosphäre sorgen sollen statt wirklich technisch zu sein. Der Start kommt abrupt, aber gut.

Die Produktion kristallisiert sich hier schon heraus. Es bleibt klar definiert, aber dennoch nicht mechanisch, sodass man sofort an Meshuggah erinnert wird. Richtig schön ausgewogen eben.

Bezüglich des Songs „Fire Red Glass Heart“ möchte man ungerne von einer Kopie reden, aber der Anfang hätte perfekt von einer Intronauts-Platte stammen können. So technisch wie die Prog-Götter sind Tardive Dyskinesia zwar nicht, aber ihren Vibe fangen sie gut ein und dann kommen auch die besagten Earthship immer mal wieder mit ins Spiel. Das bezieht sich zum großen Teil auf den Brüllgesang und natürlich auf die Stoner- und Sludge-Elemente, die Tardive Dyskinesia gerne mal in ihre Tracks einbetten. Dabei spielt man mit fetten Gitarrenriffs und kleinen Melodieläufen im Hintergrund. Mit „Self Destructive Haze“ zeigen sie uns zudem ihre djentige Seite, die abermals ziemlich in die Meshuggah-Richtung weist, ohne zu technisch zu werden. Dazwischen ist immer wieder Raum für Tiefe und Wiederholungen.

Man wird auch im Folgenden das Gefühl nicht los, dass sie sich aus ihren Lieblingsbands das Feinste herausgesucht haben, denn Synthis finden ebenfalls ihren Weg auf die Platte und diese erinnern stark an Cynic.

Immerhin sind die Riffs sehr einprägsam, was auch nicht jeder kann. Und so bleiben Tracks wie „Concentric Waves“ oder „The Electric Sun“ gut im Kopf. Zudem zeigt gerade zweiter Song, dass eine gewisse Post-Freundschaft besteht.

Tardive Dyskinesia (Copyright: Tardive Dyskinesia)

Tardive Dyskinesia (Copyright: Tardive Dyskinesia)

Einen Titel muss man dennoch herauspicken und gesondert hören. „Triangulation Through Impasse“ zeigt perfekt, wozu die Jungs imstande sind, ohne bei anderen abzuschauen und deren Stil in einen eigenen Song zu pressen. Er hat Härte, coole Riffs und immens viel Tiefe. Ab der Hälfte wird es etwas ruhiger und ziemlich tiefgründig. Der Track ist daher eine absolute Hörempfehlung.

Doch was sagt man nun zu diesem Album? Irgendwie machen Tardive Dyskinesia alles richtig, doch hat man viele Elemente schon exakt so gehört. Die Band scheint sich Bausteine ihrer Lieblingsbands zu entnehmen und diese neu zusammenzuwürfeln. An sich ist dagegen nichts einzuwenden, doch welchen Mehrwert bringt uns so ein Album, wenn wir die Elemente einzeln in voller Genialität erleben können? Nichtsdestotrotz vereinen Tardive Dyskinesia dies richtig gut und für 1-2 Durchläufe sollte jeder damit Spaß haben. Auf lange Sicht ist hier leider nicht viel zu holen.

Video

Trackliste

01 Insertion
02 Fire Red Glass Heart
03 The Electric Sun
04 Self Destruction Haze
05 Thread Of Life
06 Concentric Waves
07 Triangulation Through Impasse
08 Savior Complex
09 Echoes 213
10 Chronicity

Details

Tardive Dyskinesia – Facebook

Label: Playfalse Records
Vö-Termin: 09.09.2016
Spielzeit: 56:48

Copyright Cover: Playfalse Records



Über den Autor

Marcus