Review

Tanzwut bleiben sich im Sound treu und präsentieren ihren mittelalterlichen Industrial-Folk-Rock auch auf dem neuesten Silberling „Seemannsgarn“.

Mit dem vorliegenden Album laden die Hauptstädter zum Spinnen von ebendiesem ein. Geschichten zwischen Illusion und Mystik und dazu eine große Portion Wahrheit. Das lässt nicht nur die marinistischen Herzen höherschlagen, sondern trifft auch den Geist der Zeit.

Die Songs

Wie bei vielen ihrer Texte zeigen Tanzwut auch hier, dass sie sich nicht dem politischen Geschehen abwenden, sondern sich vielmehr gesellschaftskritisch zeigen. So verdeutlicht beispielsweise „Die letzte Schlacht“, dass diese keinen Ruhm und keine Ehre kennen wird.

„Schwarzes Gold“, das offensichtlich auf die menschliche Gier nach Öl abzielt, was Hass und Zwietracht sät, sowie „Puppenspieler“, das inhaltlich sehr an „Amerika“ von Rammstein erinnert und die Vormachtstellung Amerikas in der Welt kritisiert, streuen Salz in diese Wunde.

Eher ruhig geht es bei „Reden ist silber“ zu. In der Lyric-Wahl tut sich einem einmal mehr die Parallele zu so manchem Rammstein-Song auf, was aber der Tiefe der Songs mit Hilfe von Dudelsack und Gitarrenriffs keinen Abbruch tut.

Poetisch gestaltet sich „Francoise Villon“. Dieses Lied ist eine Hommage an den spätmittelalterlichen Dichter und seine bissigen „Testamente“ über Liebe, Hass und alle Abgründe des menschlichen Charakters – und zeigt dabei sein angebliches Aufeinandertreffen mit dem Leibhaftigen inmitten der dunklen Gassen von Paris. Dies dürfte vermutlich ein Synonym seines eigenen Abdriftens in die Kriminalität sein, reiht sich aber ganz wunderbar in die Balladenfolge des Albums ein, welche sich in der Komposition sehr filigran mit dem Thema auseinanderzusetzen weiß.

Tanzwut (Copyright: Peter Wilson & Tim Eckhorst)

Freudig geht es bei den ausklingenden Songs „Gib mir noch ein Glas“ und „Herrenlos und frei“ zu.
Die Freundschaft wird besungen und Kerle, die aus dem rechten Holz geschnitzt sind, hochgelobt. Da wundert es nicht, dass sich die Jungs von Kärbholz genau zu diesem Thema anschließen und das Leben leben, wie es kommt.
Grundsätzlich die richtige Einstellung.

Fazit

Teils an alte Tage der Band erinnernd, teils wie ein Wind über das besungene Meer brausend und Träumen hinterherjagend, verstehen es Tanzwut lyrisch und musisch, mit diesem Stück ein vielschichtiges Album abzuliefern, das mit seinen insgesamt 13 Songs alles abdeckt, was „Seemannsgarn“ am Ende ausmacht: Hoffnungen, Geschichten, Weisheiten und Wahrheiten – alles aus stets subjektivem Blickwinkel.

Tiefgründig, witzig, traurig, wütend, verletzend, verlässlich und doch stets im Hier und Jetzt ankommend. Das ist vermutlich die Botschaft, um die es geht. Mit Dudelsack, Metal-Riffs und leiseren Tönen ist das Gesamtkonzept wunderbar vertont und ummauert die Message.

 

Video

Tracklist

01 Seemannsgarn
02 Galgenvögel
03 Reden ist Silber
04 Die letzte Schlacht
05 Schwarzes Gold
06 Ich bin der Nachtwind
07 Der Puppenspieler
08 Francois Villon
09 Das Gewissen
10 Schmiede das Eisen
11 Gib mir noch ein Glas
12 Im freien Fall
13 Herrenlos und frei
14 Gib mir noch ein Glas (feat. Kärbholz)

Details

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Label: AFM Records
Vö-Termin: 07.06.2019
Spielzeit: 61:07

Copyright Cover: AFM Records



Über den Autor

Daggy
Daggy
Es war einmal...vor langer Zeit..., ein Mädel aus Bayern, das den Sprung von einer katholischen Klosterschule schaffte und ans andere Ende Deutschlands reiste. Dort absolvierte sie als eine der ersten Frauen ihren Dienst bei der Marine. Von dort aus führte ihr Weg zu ihrem jetzigen Job, der sie seither rund um die Welt führt. So lebte sie bisher in den USA (Atlanta), Berlin (ohnehin ihre Wahlheimat), Indien (Mumbai) und derzeit China (Peking). Dabei ist das Reisen, als auch das Fotografieren ein wesentlicher Teil von ihr. Das Ganze wird untermalt von ihren "exzessiven" Konzert- und Festivalbesuchen, denn Musik öffnet überall auf der Welt Tür und Tor.