Review

Claudia und Florian haben neben den leidenschaftlichen Konversationen mit Panzer tragenden, echsenartigen Vierbeinern auch einen gemeinsamen Hang zu melodischen Indie-Klängen. Dieses Jahr erscheint das zweite Machwerk der beiden Schildkrötenflüsterer, mit dem paradoxen Namen „Split“. Allerdings kann, wenn man sich das Cover anschaut, von „splitten“ keine Rede sein. Der Mann beansprucht erst einmal zwei Bierflaschen für sich. Gib der Grinsekatze mal was ab!

Wie auch immer. Also wie baut sich der Sound des Duos auf? Beide leisten ihren gesanglichen Beitrag zur Platte. Dabei steht der männliche, sehr markante Gesang deutlich im Vordergrund. Zugegeben, man muss sich erst einmal an die Stimmlage gewöhnen, aber hat man es erst einmal, klingt es wirklich sehr charakteristisch einzigartig. Dazu gibt es Verstärkung der weiblichen Stimme, um alles etwas breiter und tiefer klingen zu lassen.

Für den instrumentalen Faktor sorgen überwiegend die metallischen Saiten einer Westerngitarre. Abgerundet wird das Ganze mit verschiedenen Instrumenten. Aber das wohl Interessanteste auf „Split“ ist der elektronische Zusatz. Dieser verleiht dem teilweise folklastigen Sound einen modernen Touch.

So, genug der trockenen Theorie, denn so ein Album wie „Split“ darf man nicht einfach stumpf in seine Einzelteile zerlegen. Man muss es genießen. Denn was Talking To Turtles bringen, ist Musik, die man erschöpft und angetrunken auf dem Heimweg von einer Party hört, während vor einem die Sonne aufgeht. Durch und durch menschlich.

Es beginnt schon mit „Gravity“, dessen elektronische Töne den Hörer direkt in den Song hineinziehen.
Es folgt „Passenger Seat“, der das eben genannte Gefühl am besten widerspiegelt. Grooviger Gitarrensound trifft auf Streichinstrumente und Klavier. Besonders der rhythmische Refrain fällt direkt auf. Vor allem gegen Ende, wenn er im Kanon gesungen wird, kommt er super rüber. Auch wenn es den anderen Titeln gegenüber unfair ist, bleibt „Passenger Seat“ das Highlight auf „Split“.

„Safetyville“ ist ein weiteres Beispiel für das saubere Arrangement der Instrumente, außerdem hört sich dieser Folk Sound (wieder einmal) im Refrain gut an. Abwechslung und der Drang zum Schunkeln kommen auf.

Talking to Turtles (Copyright: Talking to Turtles)

Talking to Turtles (Copyright: Talking to Turtles)

Und dann kommt „Green“. Ein Song, mit dem „Split“ auch ruhig zehnmal gefüllt werden könnte. Eine Menge Energie steckt in diesem Titel, sowie die Garantie für einen Ohrwurm. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich schon fast ein Loch in die CD brenne, so oft wie „Green“ bei mir wiederholt wird.

Weiterhin ist auf „Play-Doh“ der Vergleich von Beton mit der Knetmasse sehr schön treffend und gut auf den lyrischen Inhalt des Songs abgestimmt. Quasi über sich hinaus wachsen.

Bevor das hier noch ausartet, zum Fazit. „Split“ hört sich in erster Linie gut an und macht Spaß. Die Songs sind zugänglich und wirken auch trotz des simplen Aufbaus nicht langweilig. Es ist keine Musik, zu der man abrockt oder die berühmten Hummeln im Hintern bekommt. Talking To Turtles haben einen sehr alltäglichen Stil, der melodisch, aber auf der anderen Seite auch sehr melancholisch sein kann. Klänge, zu denen man sich direkt verbunden fühlt.

Zweifelt man beim ersten Anhören, sollte man Talking To Turtles auf jeden Fall eine zweite Chance geben. So gruselig es auch klingen mag, aber in „Split“ steckt von jedem von uns etwas.

Video

Trackliste

01 Gravity
02 Passenger Seat
03 Gold
04 Fling
05 Safetyville
06 Boys
07 Green
08 Waves
09 Play-Doh
10 Shoelaces

Details

Talking To Turtles – Homepage
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Label: DevilDuck Records
Vö-Termin: 15.08.2014
Spielzeit: 37:52

Copyright Cover: DevilDuck Records



Über den Autor

Christopher