Review

Dem Titel des Debütalbums von dem Dark Electro Projekt System Noire aus Hannover, „Do Not Pass The Door“, sollte man – bezogen auf ihr Erstlingswerk – nicht nachkommen, andernfalls verpassen Electro-Fans zukünftige potenzielle Clubhits. Also Tür auf, respektive CD in den Player – und ab dafür!

Erst einmal eingelegt, eröffnet ein gleichsam obligatorisches wie soundtrackwürdiges Intro namens „Resurrection“ das Album, das im Folgenden mit insgesamt 14 Songs aufwartet, in denen klassischer Dark Electro auf futuristischen Synthpop trifft.

Die Gesamtmenge an Titeln ist jedoch nicht System Noire allein zuzuschreiben, denn gegen Ende platziert das Duo einige Remixversionen ihrer Tracks durch Künstler wie Ruined Conflict, XMH und ES23, während verstreut Feature-Songs ihren Platz finden, bei denen man Verstärkung durch Unterschicht oder Alien:Nation erhielt.
Indem die jeweiligen involvierten Projekte den Songs ihre eigene Handschrift verpasst haben, fallen die Titel allesamt abwechslungsreich aus; wie aber oft üblich bei Remixes, stellen sie eine Geschmacksfrage dar. Positiv fällt auf, dass die Remixversionen zusätzlich auf den Silberling gepackt wurden, sodass auch ohne den Konsum dieser Interpretationen eine stattliche Albumlänge erhalten bleibt.

Abwechslungsreich fallen auch die Eigenkompositionen von System Noire aus.
Geht es mit „I Believe“ noch sehr genretypisch, arg stumpf und repetitiv zu, wird mit „On the other side“ bereits das erste Highlight präsentiert. Hier sitzen nicht nur die Effekte an ihrem richtigen Platz, es wird damit außerdem ein Ohrwurm erschaffen, der durch seine stampfende Seite sowohl zum Tanzen animiert, als auch eine eingängige Melodie besitzt, die sich umgehend im Ohr festsetzt.

Apropos Tanzen: Bei System Noire muss man schon eine gute Kondition mitbringen, um bei ihren Tanzflächen-Krachern durchzuhalten, denn abseits von sonstigen radiotauglichen Synthpop-Nummern überschreiten die Titel auf „Do Not Pass That Door“ nicht selten die Vier-Minuten-Marke. Dass die Tracks über standardisierte Spiellängen hinausgehen, merkt man während des Hörens kaum; dafür bietet es System Noire die Möglichkeit, viele Details einzubinden und ihre mal harschen, mal seichten Beats zu entfalten.

System Noire, 2018 (Copyright: Jens Bock)

Dass oftmals weniger mehr ist, zeigt schließlich noch ein Song wie „Why?“. Auf das Wesentliche reduziert, wird trotz der Einfachheit dennoch viel Atmosphäre aufgebaut, sodass der gemächliche monotone Beat unweigerlich mitreißt. Die Pianoklänge sowie die Vocals, die auf „Do Not Pass That Door“ gerne und passend verzerrt präsentiert werden, tun ihr Übriges und versehen den „düsteren“ Track mit zusätzlicher Melancholie. Eine schöne atmosphärische Mixtur.

Diese ist auch „Voices“ (feat. Unterschicht) zu bescheinigen, in dem – scheinbar inzwischen aus der Mode gekommene – Samples eingesetzt werden. Das ist nicht nur nett einmal wieder zu hören, sondern unterstreicht die Vielseitigkeit von „Do Not Pass That Door“.

Immer wieder pendelt das Projekt zwischen massiven Rhythmentreibenden Beatsdüsteren Songmomenten und energiegeladenen Phasen stimmig und stimmungsvoll hin und her. In diesem dunkel-bunten Treiben finden zudem Balladen sowie Instrumentalstücke (wie etwa „Downfall“, in dem das Piano den Ton angibt) ihren Platz. Diese Mischung hält „Do Not Pass That Door“ lange – und auch bei mehrmaligem Hören – interessant. Electro-Fans sollten mindestens ein Ohr riskieren!

Trailer

Tracklist

01 Resurrection
02 I Believe
03 On the other side V.2
04 Awake (vs. Synth Attack)
05 Why
06 Dead Inside
07 Who Am I
08 Never Surrender
09 Voices (feat. Unterschicht)
10 Downfall
11 Never Surrender (Ruined Conflict Remix)
12 Viaje Introspectivo (feat. Alien:Nation)
13 Dead Inside (XMH Remix)
14 Voices (ES23 Remix)

Details

System Noire – Facebook

Label: Danse Macabre / Al!ve
Vö-Termin: 25.05.2018
Spielzeit: 54:10

Copyright Cover: Danse Macabre



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde