Review

Das Album „Evil Seeds“ von Sylvatica wird eröffnet von „Lost“, einem Intro, welches auch einer melodischeren Scheibe gut gestanden hätte. Denn von den in der Info angekündigten Death Metal Elementen merkt man noch nichts. Stattdessen geht es ruhig und gemütlich zu. Man könnte sagen, dieses Intro plätschert ein wenig vor sich hin.

Ganz anders sieht es mit dem folgenden „Psychopatica“ aus. Sylvatica übernehmen die Kernmelodie des Intros und transportieren sie in diese deutlich härtere Nummer. Spätestens ab diesem Zeitpunkt kommt der Freund des melodischen Death Metal auf seine Kosten, denn es wird gehämmert, geschreddert und gegrunzt, dass es eine Freude ist.
Doch Sylvatica können deutlich mehr. Kurz vor der Halbzeit überraschen sie ihre Hörer mit einem gekonnten akustischen Gitarrenpart, der hervorragend in diese Nummer integriert ist und dabei auch noch ziemlich gut klingt. Dieser wird von einem wilden Instrumentalpart abgelöst, der ebenfalls gitarrendominiert ist. Ein insgesamt sehr geiler Einstieg in diese Scheibe.

Zumindest zu Beginn noch eine Spur härter präsentiert sich das nun aus den Boxen hämmernde „Winds of Decay“. Qualitativ reicht dieser Titel – trotz wirklich guter Instrumentalparts – nicht an die vorhergehende Nummer heran. Dies liegt sicherlich vor allem an dem recht holprigen Aufbau, der einfach nicht stimmig wirkt. Der Gesang ist zudem oft nicht synchron mit der Musik, was diesen Eindruck noch verstärkt. Wirklich schlecht ist „Winds of Decay“ allerdings nicht.

Vollgas! Das ist das Motto beim titelgebenden „Evil Seeds“. Sylvatica zeigen sich nun endgültig von ihrer richtig derben Seite. Doch im Vergleich zu „Winds of Decay“ wirkt „Evil Seeds“ alles in allem deutlich harmonischer und das trotz der enormen Geschwindigkeit. Der Songaufbau ist strukturierter und die unterschiedlich schnellen Passagen wurden gekonnter aneinandergefügt, was einen positiveren Eindruck hinterlässt.

Sylvatica (Copyright: Sylvatica)

Sylvatica (Copyright: Sylvatica)

Nun wird es wieder ein wenig melodischer, das erkennt man bereits an der schleppenden Art, mit der sich „God of the Gallows“ aus den Boxen quält. In die harten Klänge, die das Geschehen dominieren, schleicht sich gekonnt eines akustische Gitarre ein, die nach der Introsequenz kurz Oberhand gewinnt, dann aber wieder vom brachialen Sound verdrängt wird. Eine sehr innovative und vor allem funktionierende Dramaturgie, die beim Hören wirklich Spaß macht. Doch nach dieser Spielerei machen Sylvatica Schluss mit lustig und geben – entgegen den Erwartungen ob der ersten Töne – erneut Vollgas. Eine insgesamt also extrem facettenreiche und spannende Nummer.

„Evil Seeds“ ist ein durchweg gelungenes Melodic Death Metal Album, welches zwar einige Tiefpunkte besitzt, aber durch Kreativität und Ideenreichtum zu überzeugen weiß.
Sylvatica beweisen eindrucksvoll, dass man sich nicht in das Korsett eines Genres schnüren lassen muss, sondern durchaus auch über Genregrenzen hinweg diverse Stile einfließen lassen kann.

Tracklist

01 Lost
02 Psychopatica
03 Winds of Decay
04 The Ascension
05 Evil Seeds
06 God of the Gallows
07 Hate Quest
08 Lucifer
09 Reanimated
10 The Sludge Soup
11 Sect of Sleep

Details

Sylvatica – Facebook
Sylvatica – Twitter

Label: Eigenvertrieb
Vö-Termin: 01.07.2014
Spielzeit: 58:00 Minuten

Copyright Cover: Sylvatica



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.