Review

Mit Art- und Prog-Rock verhält es sich ja meist so, dass man schon einige Zeit und Geduld in das Hören derartiger Alben investieren muss, um Zugang zu den oftmals verschachtelten und komplexen Songs zu finden. Handelt es sich bei einer Veröffentlichung dieses Genres dann auch noch um ein Konzeptalbum, erfordert dies die gesamte Aufmerksamkeit des Konsumenten, schließlich möchte man die damit erzählte Geschichte inhaltlich sowie musikalisch intensiv verfolgen können. Zum Nebenbeihören sind solche CDs also eher nicht geeignet.
Auch Sylvan halten sich mit ihrem neuen Werk „Home“ in diesen Gefilden auf und berichten auf dem Silberling über die Suche eines Individuums nach Heimat und Geborgenheit.

Mittels der Verbindung unterschiedlicher stilistischer Elemente, die man sich vorrangig aus dem Rock- und Metalbereich holt, begleiten Sylvan eine fiktive Protagonistin beispielsweise beim Wiederentdecken vergessener Kindheitserinnerungen oder der Suche nach Wahrheit. Die damit einhergehende Achterbahnfahrt der Gefühle wird sowohl textlich als auch musikalisch deutlich hörbar an den Hörer transportiert. So spiegeln klassische Piano- und Streicherklänge, hartes Riffing und längere ruhige oder auch aufwühlende, unruhig wirkende Instrumentalpassagen die hier zum Ausdruck gebrachte emotionale Mixtur aus Ängsten, Sorgen, Zweifel, Neugier, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit wider.
Indem nicht nur auf instrumentaler und stilistischer Ebene variiert wird, sondern ebenfalls mit der Lautstärke, sprich lauten und leisen Tönen gespielt wird, verstärkt sich die Intensität und Wirkung des Albums.

Sylvan (Copyright: Sylvan)

Sylvan (Copyright: Sylvan)

Insbesondere gesanglich leisten Sylvan dabei hervorragende Arbeit. Die warme Stimme von Marco Glühmann intoniert mal sehr zerbrechlich, mal durchaus kraftvoll, ab und an wirkt der Gesang außerdem eher erzählend als gesungen, was letztlich stellenweise an Dream Theaters „Scenes From A Memory“ erinnert. Glühmann lullt die Hörer auf angenehme Weise ein und zieht sie somit tief in die Geschichte von „Home“ hinein.
Zusätzlich finden sich auch dezent platzierte Chorpassagen in Songs wie zum Beispiel „The Sound Of Her World“ wieder.

Trotz all der Komplexität und Vielschichtigkeit, die auf „Home“ präsentiert wird, bleiben die Songs von Sylvan immer noch eingängig. Hörer und Band gleichermaßen verlieren sich zwar (im positiven Sinne) komplett in der Musik, lassen aber zu keinem Zeitpunkt – auch nicht in den Mammuttracks mit zehn Minuten Spielzeit – den imaginären roten Faden aus den Augen.

„Home“ ist in jeder Hinsicht episch ausgefallen. Die Konsequenz wäre, Sylvan auch eine epische Wertung zu verpassen. Wir legen noch einen drauf und machen ein „legendär“ daraus. Für Fans des gefühlvollen Progressive Rocks ist dieses Album ein Muss!

Preview

Video

Tracklist

01 Not Far From The Sky
02 Shaped Out Of Clouds
03 In Between
04 With The Eyes Of A Child
05 Black And White
06 The Sound Of Her World
07 Sleep Tight
08 Off Her Hands
09 Shine
10 Point Of No Return
11 All These Years
12 Home

Details

Sylvan – Homepage
Sylvan – Facebook

Label: Gentle Art Of Music / Soulfood
Vö-Termin: 20.02.2015
Spielzeit: 77:05

Copyright Cover: Gentle Art Of Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde