Review

Kann sich noch jemand an „Conclusion of an Age“ erinnern? Die Platte erschien 2008 und war Sylosis‘ Filetstück. Sie hatte alles, was die Band verkörpert: Stärke, Geschwindigkeit und catchy Riffs. Immer gut war die Stimme von Jamie Graham, den es nach der Scheibe zu den Djentern von Heart Of A Coward zog. Nach „Conclusion of an Age“ verabschiedete er sich und die Band musste erst einmal schauen, wo sie blieb. Kurzerhand hatte sich der Leadgitarrist Josh Middleton an den Gesang gewagt und so spielten die Jungs 2011 und 2012 jeweils ein Album ein, welche nicht so stark wie der Vorgänger waren, dennoch im Herzen die Band verkörperten. Mit „Dormant Heart“ steht nun eine wichtige Platte vor der Tür. Ist das Material noch hörenswert? Immerhin bekam man oft die gleiche Kost zu schmecken.

Und ob! Bekannt sind Sylosis für ihren modernen Thrash Metal, der oftmals sehr melodisch daherkommt und so die Brücke zwischen Alt und Neu schlägt. Sylosis nehmen jedoch ab und an das Tempo raus und lassen doomigere Parts los, die etwas ungewohnt sind, allerdings durch die Stimmgewalt von Josh ziemlich brutal wirken.
Der Opener „Where The Wolves Come To Die“ ist diesbezüglich ein gutes Beispiel. Das Tempo ist fast bei Null, aber die Atmosphäre ist grandios und zeigt den neuen Weg der Band.

Direkt danach folgt eine ordentliche Thrash-Nummer :“Victims and Pawns“. Kein Schnickschnack, nur ein Nackenbrecher von A bis Z.
Man hat ein wenig das Gefühl, dass Sylosis das perfekte Gleichgewicht zwischen ihren Tempowechseln gefunden haben, denn nach einer Ballernummer gewähren sie dem Hörer etwas Ruhe, um danach wieder ordentlich loszulegen. Leider muss man sich eingestehen, dass die Riffs nicht mehr so catchy sind, wie zu ihren älteren Tagen, auch wenn man ab und an sogar an Slayer erinnert wird.
Die Songs sind klasse und abwechslungsreich geschrieben, dennoch fehlen die „Wow“-Momente.

Eine Nummer wie „Servitude“ kann da schon mehr überzeugen. Slammig und fett produziert klingt der Song etwas nach Stoner/Sludge mit ziemlich viel Depression. Wer hätte gedacht, dass Sylosis darin stark sind? Erwartet aber bitte keinen Stilwechsel, die Band ist immer noch zu 100% zu erkennen, denn ihre klassischen Soli sind auch wieder am Start.

Als Highlight für die thrashige Fraktion sehe ich ganz klar „Indoctrinated“, denn hier kommen endlich mal die Riffs vor, auf die man gewartet hat. Der Song strotzt nur so vor Power und würde live bestimmt die Hütte einreißen. Grandios!

Sylosis (Copyright: Sylosis)

Sylosis (Copyright: Sylosis)

Auf der etwas langsameren Schiene fährt der wirklich grandiose Song „Mercy“. Dieser ist auch ihre erste Songauskopplung mit Video. Der Song steckt voller Gefühl und Leid. Zum einen wird das durch die leidenden Vocals übertragen, zum anderen sind die Riffs wirklich gut gewählt und bringen die gewollte Stimmung rüber.

Kommen wir noch zur Produktion. Hier stimmt einfach alles. Der Sound ist fett und rund, da gibt es nichts zu rütteln. Der Drumsound klingt modern und natürlich. Die Gitarren fräsen sich ins Gesicht, ebenso der Gesang. Josh macht von Album zu Album wirklich Fortschritte.

Fazit: Sylosis Fans haben gar keine andere Wahl, als sich „Dormant Heart“ zu geben. Die Platte strotzt vor Kraft und moderner Frische. Die gute Produktion tut ihr Übriges. Oftmals lassen Alben ab der Mitte nach oder nehmen dann erst Fahrt auf. „Dormant Heart“ muss am Stück gehört werden, denn Durchhänger leisten sich die Mannen hier nicht. Einziger Wermutstropfen sind die fehlenden Ear-Catcher, Riffs, die einen aus der Bahn werfen und staunen lassen bzw. ein Grinsen ins Gesicht zaubern. Seltene Momente lassen aber erahnen, dass es in die richtige Richtung geht.

Video

Tracklist

01 Where The Wolves Come To Die
02 Victims amd Pawns
03 Dormant Heart
04 To Build A Tomb
05 Overthrown
06 Leech
07 Servitude
08 Indoctrinated
09 Harm
10 Mercy
11 Callous Souls
12 Quiescent

Details

Sylosis – Homepage
Sylosis – Facebook
Sylosis – Twitter

Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 23.01.2015
Spielzeit: 59:11

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Marcus