Review

Amerikanischer Rock- und Metal-Sound, so etwas funktioniert auch hierzulande. Den Beweis dafür liefern Surrender The Crown aus Saarbrücken, die nach ihrem Debütalbum unter der Flagge „Life Decides“ 2016 in die musikalische See stechen wollen.

Stilistisch orientiert sich die Band an ihrem Vorgänger „What We Think Defines Us“, das bedeutet schwer groovende Riffs und mit hymnenartigen Refrains strammen Schrittes voran. Allerdings zeigen sich Surrender The Crown auf der aktuellen Platte deutlich fokussierter und widmen sich der Gestaltung ihrer Kompositionen mit viel mehr Tiefe.

Leider bleibt ja heutzutage keine Kritik mehr ohne einen Vergleich zu bestehenden Verfechtern des jeweiligen musikalischen Zweigs aus. Und auch bei den Songs von „Life Decides“ wird einem vor allem aufgrund des Gesangs und des Arrangements sofort Disturbed in den Sinn kommen. Die Stimme weist schon eine gewisse Ähnlichkeit zu deren Frontmann David Draiman auf; besonders in Kombination mit diesem gewichtigen Sound.
Allerdings gibt es Passagen, in denen der Gesangsstil immer mal wieder deutliche Eigenarten besitzt. Von daher endet das Ziehen von Parallelen recht schnell, obwohl lyrisch manchmal nah beieinander geschwommen wird.
„The Truth Is A Blade – And I Want You To Fight“ – metaphorisch weichgespülte Texte kommen immer besser, wenn die Präsentation stimmt. Und das tut sie. Immer.

Instrumental können die Jungs dank guter Produktion weitgehend punkten. Die Drums verleihen den sauber gespielten Gitarren noch mehr Bumms und der Bass wird in jedem Titel gut in den Kontext eingebunden. Manchmal schwebt auch ein wenig Breaking Benjamin-Feeling mit.

In den ersten Minuten von „Life Decides“ verfahren Surrender The Crown nach demselben Prinzip. Metal leitet einen Song ein und der Refrain wird von melodischen Tönen und einer Hook zum Mitsingen geprägt. Das mag zu Anfang den Hörer gut abholen, aber auf Dauer flasht das deutlich weniger.

Trotz Melodie weisen Songs wie „Lost In The Storm“ trotzdem noch den gewissen Balladen-Faktor auf. Dieser bringt so viel Atmosphäre in den Sound, dass die Gänsehaut nicht weit entfernt scheint. Außerdem gibt es hier einen klasse integrierten Akustikpart.

Begeistern wird im Anschluss „Color And Shape“. Nach so viel vorausgegangener Energie ist dies der überraschendste Titel. Die Band distanziert sich in ihm mit einer leichten Pop-Rock-Note komplett vom eigentlichen Prinzip. Es fühlt sich komisch an, aber es ist dennoch großartig, wie viel gute Laune hier versprüht wird.

Surrender The Crown (Copyright: Surrender The Crown)

Surrender The Crown (Copyright: Surrender The Crown)

Den Abschluss bildet „Room Of Light And Place“, für den sich Surrender The Crown noch weibliche Unterstützung in Sachen Gesang geholt haben. Eine passende Ergänzung zum schon ohnehin eindrucksvollen männlichen Gesang, der hier deutlich facettenreicher erscheint.

Gute Riffs und ein Gefühl für die Struktur hat das Quintett auf jeden Fall, nur hätte ich mir persönlich ein wenig mehr Individualität gewünscht, die stärker auf die Musik eingewirkt hätte. Die unterschiedliche Art und Weise, wie der Sound angegangen wird, beweist aber, dass Surrender The Crown ihre Songs flexibel und einfallsreich gestalten können.

Bei wem es krachen muss und wer trotzdem euphorisch die Hände in die Luft strecken will, den wird „Life Decides“ voll zufriedenstellen. Ein rundes Ding mit einer Menge Substanz, die auch auf Dauer präsent bleibt. DeepGround „decides“ vier Sterne und das Prädikat „großartig“.

Video

Trackliste

01 Push Even More
02 River Will Flow
03 Don’t Say Sorry
04 Truth Is A Blade
05 Blot Out The Sun
06 Undying
07 Lost In The Storm
08 Faith Remind Me
09 Color And Shape
10 Life Decides
11 Room Of Light And Silence

Details

Surrender The Crown – Homepage
Surrender The Crown – Facebook

Label: Eigenvertrieb
Vö-Termin: 27.02.2016
Spielzeit: 46:20

Copyright Cover: Surrender The Crown



Über den Autor

Christopher