Review

Wir konnten bereits ein Ohr auf die neue Platte der Chemnitzer Jungs von Suralin werfen und, wie schon angekündigt, folgt nun die Evaluierung von „No Star“.
Mit zehn Songs bringt die Band ihre bunte Überraschungstüte aus einem Pop/Rock-Sound auf einen Silberling, vor welchen auch gut noch Ergänzungen wie „Indie-“ oder „Post-“ passen würden. Tatsächlich scheint sich die Musik auf diesem Album in mehrere Richtungen zu bewegen.

Trotz viel verschiedener Einflüsse wie langsame Rhythmen oder auch mal stark verzerrte Gitarren, erscheint einem „No Star“ ziemlich emotionslos. Eine Eigenschaft der Platte, die nicht mal negativ zu verstehen ist, denn Suralin wollen keine Erwartungen erfüllen oder, Gott bewahre, den Hörer auf irgendeine Art und Weise berühren. Verwaschen, manchmal verträumt, aber überwiegend nüchtern lautet hier die musikalische Devise.

Darf man sich trotzdem an Ohrwürmern erfreuen? Absolut. So manche Songs erscheinen nämlich erschreckend passend arrangiert. So auch „Sirens And Dissonance“. Simple, aber effektive Riffs untermalen einen gewissen Pop-Vibe, der diesen Song so ansprechend gestaltet. Und eine Hook, zum Mitsingen schön.

Neben dem oftmals krachenden Sound bilden die Vocals einen starken Kontrast. In Songs wie eben genanntem „Sirens And Dissonance“ sorgt die Stimme für einen zugänglichen Faktor, während sie beispielsweise bei „Sounds On Wounds“ aufgrund ihrer dünnen Natur hinter die Instrumente zu rutschen droht.
Dabei beweisen Suralin, dass es in diesem Bereich auch durchaus anders geht, tritt der Gesang doch stellenweise sogar sehr selbstbewusst auf.

Im Verlauf von „No Star“ wird zudem deutlich, dass sich Suralin mit ihrem Sound an sich selbst messen. Schon fast im Wechsel trifft man auf einen ausgeglichen catchigen Song, während man danach auf einen im Vergleich schwächeren stößt. Hauptsächlich liegt dies daran, dass so manche Struktur einfach nirgendwo hinzuführen scheint und nur so dahin plätschert. In diesen Momenten sehnt man sich nach der gewissen Durchschlagskraft oder dem weichgespülten Pop, den Suralin sonst an den Tag legen.

Suralin (Copyright: Suralin)

Suralin (Copyright: Suralin)

An Variationen mangelt es den Jungs nämlich nicht. Auch würfeln sie ihre Stile nicht wahllos zusammen, sondern fokussieren sich auf einzeln ausgewählte Elemente und arrangieren diese zu einem ausgewogenen Hörvergnügen. Man nimmt die stark wechselnde Akustik außerdem viel stärker wahr, wenn nach einem ruhigeren Part Tracks wie „Perpetual Auto Angst“ oder „Little Men“ folgen, in denen sich Suralin um 180 Grad drehen. Dann geht es wieder zurück zum Spagat zwischen Indie-Rock und Radio-Pop in Form von „Friend Of The Night“.

Wenn auch manchmal stolpernd, so gestaltet sich der Großteil von „No Star“ mit ansprechendem Charakter und Songs, die selbst noch mal die eine oder andere Wendung hervorbringen, mehr als hörenswert. Vor allem das Konzept eines nicht vorhandenen Konzepts bringen Suralin gut rüber. Keine Richtlinien. Keine 08/15-Musik. Kein Grund, dieses Album nicht zu hören.

Anspieltipps:
Sirens And Dissonance / Perpetual Auto Angst / Friend Of The Night / Little Men

Video

Trackliste

01 No Star
02 Sounds On Wounds
03 Perpetual Auto Angst
04 Coffee And Cigarettes
05 Sirens And Dissonance
06 Fabric Of Colour
07 Salvation
08 Friend Of The Night
09 Little Men
10 50.498113, 12.830281

Details

Suralin – Homepage
Suralin – Facebook

Label: Atomino Tonträger
Vö-Termin: 02.10.2015
Spielzeit: 34:24

Copyright Cover: Atomino Tonträger



Über den Autor

Christopher