Review

Sobald die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken brechen, sind Sun Worship schon da, um sie sich wieder zurückzuholen und sie gleichzeitig durch ihren Sturm aus Gitarren und das Donnern ihrer Drums zu ersetzen. Mit „Pale Dawn“ bringen die Berliner den Nachfolger von „Elder Giants“ heraus, doch ihre Intentionen gehen weiter als jegliche irdische Belange.

Titel- und Einleitungstrack „Pale Dawn“ ist bereits ein Paradebeispiel dafür, wie unbarmherzig Sun Worship ihren Sound vorantreiben können. Das Schlagzeug scheint auf dem gesamten Album nie stillzustehen, so als würde man immer weiter in diesen Kosmos aus endlosen Tremoloriffs und verschrobenem Gesang dringen. Bis dahin halten sich die Jungs an den Kodex der brachialen Musik.

Erst mit „Lichtenstein Figures“ scheint man mehr in die Materie der Platte einzutauchen. Fast pünktlich zur dritten Minute löst sich das Black-Metal-Gewand auf und gibt einen fast schon an Death Metal erinnernden Part frei, der gut in Szene gesetzt wurde.

In ihrer einzelnen Laufzeit scheint die vier Titel auch gar nichts aufzuhalten; sie lassen ihren Zuhörern kaum eine Verschnaufpause. Gleichzeitig passt dies zum kompakten Konzept der Platte, da hier keine Zeit auf Lückenfüller oder Breaks verschwendet wird, die das Monster „Pale Dawn“ in irgendeiner Weise stoppen könnten.

Während das Gebrüll seinen Teil zur schieren Masse des Sounds beiträgt, liefert man deutliche Akzente mit dem monotonen und rituellen Gesang – oder wahlweise auch mit einer Verbindung aus beidem. Beim lyrischen Teil der Songs mischt man Metaphern mit Surrealismus und unnahbaren Gedanken, bis man sich an den Rand einer Existenz begibt, die Zweifel aufwirft, ob es sie überhaupt gibt.

Sun Worship (Copyright: Sun Worship)

Sun Worship (Copyright: Sun Worship)

Sun Worship geben sich neben all diesen Elementen dennoch immer wieder Mühe, die eine oder andere Melodie aus den Titeln herauszukitzeln; u.a. mit effektvollem Drumming oder auch mal mit Riffs, die ihren Fokus viel stärker auf eine catchige Attitüde gelegt haben. Etwas, das auf „Elder Giants“ im direkten Vergleich aber deutlich besser vonstatten ging. Hier waren die kleinen Details, mit denen die Band ihr Arrangement geschmückt hat, stärker in Szene gesetzt. Auf „Pale Dawn“ muss man schon genau hinhören oder wahlweise manchen Songs noch einmal durchlaufen lassen, um die Feinheiten herauszuhören. Ein Großteil davon geht nämlich in den ganzen musikalischen Einwirkungen einfach unter.

Und dennoch muss man sagen, dass die Band hier einiges in die Aufbauten hineingesteckt hat. Wenn es nicht gerade eingängig nach vorne geht, spürt man die Exzentrik von „Naiad“ oder fliegt mit „Perihelion“ durch die sich bis zum Schluss steigernden Riffs Richtung Sonne.

Zu Beginn gestaltet sich der Einstieg in „Pale Dawn“ etwas schwierig, was sich aber ab der Mitte des Albums schnell legen sollte. Danach wird man sich an den rohen Sound gewöhnt haben und ihn zu schätzen wissen. Es ist vor allem die Metaebene, die eine gewisse Anzahl an Tönen in die Erhabenheit des Kosmos hebt.

Video

Trackliste

01 Pale Dawn
02 Lichtenberg Figures
03 Naiad
04 Perihelion

Details

Sun Worship – Facebook

Label: Golden Antenna Records
Vö-Termin: 06.05.2016
Spielzeit: 36:54

Copyright Cover: Golden Antenna Records



Über den Autor

Christopher