Review

Breakdowns waren einst das Aushängeschild von Suicide Silence, die darüber hinaus für einen harten Deathcore-Sound, der durch viel Groove und teils Nu Metal-artige Parts geprägt ist, bekannt sind. Als jedoch ihr Album „You Can’t Stop Me“ erschien, waren die Fans der Band nur bedingt zufrieden mit dem Ergebnis. Nun legen sie mit einem selbstbetitelten Werk nach – und wie die shitstormhaften Reaktionen auf dessen ersten Vorgeschmack ausfielen, zeigte, dass nicht nur die Vorfreude auf neues Material, sondern auch der Aggressionspegel der Fans hinsichtlich der Neuausrichtung von Suicide Silence gestiegen ist.

„Doris“ startet extrem stark mit viel Groove und Live-Charme. Absolut gelungen, doch dann singt Eddy – und das noch nicht mal richtig gut. Willkommen zur neuen Ausrichtung der Band: mehr Nu Metal und mehr Clean-Gesang; unsere Deathcore-Helden also mal ganz anders. Dabei ist „Doris“ noch mit Abstand der verträglichste Track auf „Suicide Silence“ und kann zudem mit Härte und Tiefe punkten.

Auch der Ansatz, das Album live einzuspielen (Bands wie Meshuggah haben es vorgemacht), überzeugt. Teilweise klingen die Titel jedoch nicht gerade nach einer klugen Auswahl, sondern vielmehr so, als habe die Band den erstbesten Take verwendet.
Leider kann auch Eddy, dessen Stimme weder prägnante Merkmale noch Wiedererkennungswert aufweist, gesanglich nicht überzeugen.

Mit ihren Songs versuchen Suicide Silence scheinbar zwischen Korn und Deftones hin und her zu pendeln. So vereint „Listen“ die Härte der Korn- und Deftones-Riffs und kombiniert sie mit einem absolut matschigen Fuzz-Sound an den Klampfen. Eddy schreit sich dazu die Seele aus dem Leib, was leider gar nicht authentisch wirkt.
Zwar soll das Geschehen auf „Suicide Silence“ künstlerisch anspruchsvoll klingen, tut es aber leider nicht.

Zwischendurch stößt man immerhin auf Songs wie „Hold Me Up Hold Me Down“, der dank des guten Sonwritings wirklich passabel ausfällt; coole Riffs, nette Grooves, ordentlich Gefühl und derber Breakdown. So hätte man ihnen die gesamte Scheibe abgekauft. Neben „Doris“ ist dieser Track daher ein Lichtblick auf „Suicide Silence“.

Suicide Silence (Copyright: Dean Karr)

Viel zu oft stellt man sich allerdings die Frage, warum dieser Sinneswandel der Band stattfand. Wer zudem behauptet, dass Deathcore so oder so tot ist, macht es sich ziemlich einfach. Bands wie Thy Art is Murder oder Whitechapel haben gezeigt, wie man sich gelungen weiterentwickeln und einen eigenen „Deathcore“ finden kann. Hier gingen die Veränderungen stets mit Akzeptanz einher, Suicide Silence betreffend herrscht hingegen eher blankes Entsetzen.

Während man also die diesbezüglichen Intentionen der Band nachvollziehen kann, hadert man schwer mit deren Umsetzung. Ein Gutes hat es vielleicht, denn dadurch lernt man ihre alten Werke wieder schätzen. Vielleicht können Suicide Silence immerhin ein paar neue Metalfans abholen. Zu wünschen wäre es ihnen.

Video

Trackliste

01 Doris
02 Silence
03 Listen
04 Dying In A Red Room
05 Hold Me Up Hold Me Down
06 Run
07 The Zero
08 Conformity
09 Don’t Be Careful You Might Hurt Yourself

Details

Suicide Silence – Facebook
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Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 24.02.2017
Spielzeit: 44:13

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Marcus
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