Review

Stellt euch vor, ihr packt als Rezensent ein Päckchen mit Promos aus, nehmt euch die erste Scheibe vor und lest – ohne die CD zunächst gehört zu haben, sondern nur um euch einen ersten Überblick zu verschaffen – auf dem beigelegten Infoschreiben, dass als Anspieltipp insbesondere eine Coverversion genannt und hervorgehoben wird.
Macht man sich angesichts der zehn weiteren eigenen Titel der Band auf dem Album dann nicht Gedanken?
Mir erging es zumindest so. Ich stellte mir die Frage, ob die eigenen Titel von Substaat, so der Name des Projekts, um das es im Folgenden gehen wird, derart schlecht sind, dass sie nicht einer Erwähnung wert sind. Um mich in meiner Vermutung zu widerlegen (oder zu bestätigen) heißt es für den Silberling namens „Macht“: ab in den Player!

Unorthodox beginnend, nämlich nicht mit dem eigentlichen Opener „Berlin“, sondern mit besagtem und mich neugierig machendem Coversong „I Feed You My Love“, dem norwegischen Grand-Prix-Beitrag von Margaret Berger aus dem Jahr 2013 und nicht, wie man vielleicht auch ohne Kenntnisse beim ersten Hören vermuten kann, ein Song von Sandra, erschallt mir da gleich in der Tat ein astreiner Synthpop-Titel entgegen. Dieser besitzt zwar nicht die elektronische Härte und Derbheit des Originals, dafür aber warme und dichte Synthiesounds, die auch mit männlicher Gesangsstimme sehr gut klingen.
Ich bestätige also, dass „I Feed You My Love“ in der Substaat-Interpretation durchaus würdig ist, als Anspieltipp genannt zu werden. Doch wie sieht es mit den weiteren Titeln des norwegischen Projekts aus?

In Sachen Dichte, Wärme und ausbalancierten Synthies können auch diese Songs gefallen. Und wer Substaat bereits seit Bestehen verfolgt, der wird vor allem die Titel „Berlin“ und „Refused“ wiedererkennen. Diese befanden sich nämlich schon auf ihrer „Refused“-EP, die 2012 das Licht der Musikwelt erblickte.
Auch auf dem aktuellen Album „Macht“ machen sie eine gute Figur. Dies liegt nicht zuletzt an der gelungenen Produktion, für die man sich an Alex Møklebust wandte, der vor allem den Sound von der Band Zeromancer veredelt.

Meistens gibt man auf „Macht“ Gas und bietet den Hörern tanzbares Material, mal legt man mehr Wert auf Atmosphäre und lädt zum andächtigen Lauschen ein („Full Access“). Dass auch bei letzteren Momenten der Körper zum Mitwippen animiert wird, dafür sorgen insbesondere die eingängigen Strukturen der Lieder.

Substaat (Copyright: Charlotte Bjørndalseter)

Substaat (Copyright: Charlotte Bjørndalseter)

Aber auch der Gesang von Sänger und Songwriter Terje Vangbo soll nicht unerwähnt bleiben, denn in keinem anderen Genre als dem seichten Elektro ist dieser besser aufgehoben. Seine gefühlvollen Töne lullen den Hörer auf positive Art und Weise ein und verleihen den Tracks die besondere Note. Gut also, dass man die EBM-Elemente zugunsten moderner poppiger Synthies zurückgeschraubt hat.

Neu ist dies alles natürlich nicht, gibt es doch eine Fülle an Bands, die sich auf ähnlichem Gebiet und mit ähnlichem Talent austoben; von Wiedererkennungswert kann man daher im Falle von Substaat nicht sprechen. Trotzdem liefert das Trio mit „Macht“ einen Silberling ab, der zu gefallen weiß.

Letztlich hat es fast vier Jahre gedauert, bis Substaat mit einem neuen Album aufwarten. Nun ist die Wartezeit vorbei und das Album „Macht“ derart harmonisch ausgefallen, dass es jedem Synthpop-Fan ans Herz gelegt werden sollte.
Zwar liefert das Booklet einen nicht gerade nennenswerten Mehrwert, denn auf zahlreiche Impressionen oder Songtexte muss man dabei verzichten, auch können nicht alle Songs gleichermaßen den Hörer überzeugen, innerhalb der elf Tracks und auf einer Laufzeit von knapp 44 Minuten findet man allerdings immer wieder kleine Synthpop-Perlen, die über die schwächeren oder ähnlich klingenden Songs hinwegtäuschen. Auf diesem Niveau kann es daher gerne weitergehen!

Tracklist

01 Berlin
02 I Feed You My Love
03 Tech Head
04 Electric
05 Macht
06 Full Access
07 Watch
08 Restart
09 Refused
10 Guilty Pleasure
11 Electric (Mesh Edit)

Details

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Label: Danse Macabre
Vö-Termin: 15.08.2014
Spielzeit: 43:34

Copyright Cover: Danse Macabre



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde