Review

Wer es rau und gleichzeitig etwas tiefsinniger mag, der sollte diesen Juli ein Ohr auf die neue Platte der Punk-/Grunge-Gruppe Strange Wilds aus Amerika werfen. Mit „Subjective Concepts“ bringen die drei Jungs nach der ersten EP ihren punklastigen, aber auch teils puristischen Stil als Debütalbum. Mit stetiger Energie und einem Hauch alter Schule walzt die Band über elf Songs, mit über einer halben Stunde schweißtreibendem Sound.

Sofort nach dem ersten Schlag auf die Snare zünden Strange Wilds ihr Feuerwerk „Pronoia“, welches, wenn es nicht durch basslastige Verse rutscht, einen starken Charakter à la Hardcore und Punk aufweist. Simpel, aber effektiv lautet hier die Devise, mit der die Bands schon zu Beginn die Köpfe zum Nicken bringt. Und wenn das Trio dann mal nicht eskalierend unterwegs ist, bringt es seine Musik mit gutem Grunge zurück auf den Boden.

Durch die leicht angezerrten Riffs und die düstere Stimmung auf „Don’t Have To“ oder „Lost And Found“ schimmert deutlich etwas Nirvana durch. Da in einem Großteil der Songs das Geschrei im Vordergrund steht, fällt in den etwas ruhigeren Passagen der dünne Gesang auf. Viele Teile der Atmosphäre können dadurch nicht wirklich transportiert werden, da sich die Stimme für einen drückenden Unterton noch einfach zu „lieb“ anhört. Anders hingegen sieht es bei Songs wie „Egophilia“ aus, in dem sich die Stimmbänder heiser gebrüllt werden und so das rebellische Punk-Feeling aufkommt.

Wo der melodische Gesang jedoch gut zur Geltung kommt, kann man in „Starved For“ hören. Der Titel besticht durch typische Punk-Elemente der 80er und 90er, welche oft auf „Subjective Concepts“ hervortreten. Als Kontrast zu den geradlinig geschrammten Riffs bietet sich dem Hörer ab der Hälfte ein kurzer Ausflug in melodische Gefilde, in denen besagte verträumte Vocals dieses Mal erstaunlich gut rüberkommen. Auch „Autothysis“, welcher sich von den aggressiven Tönen distanziert und einen smootheren, rockigeren Weg einschlägt, bildet da keine Ausnahme.

Strange Wilds (Copyright: Strange Wilds)

Strange Wilds (Copyright: Strange Wilds)

Obwohl Strange Wilds neben gelegentlich abwechslungsreichen Einschüben ihren Fokus nicht verlieren, scheint nach gut der Hälfte des Albums irgendwie alles schon gesagt zu sein. Zwar gibt sich die Band Mühe, zwischen den Stilen zu variieren, aber auch hier zeigen sich deutliche Parallelen innerhalb der Songs. Was nichts Schlechtes bedeuten soll, „Subjective Concepts“ zieht einen immer noch stark mit, aber danach bleibt nicht mehr viel hängen.

Strange Wilds Debütalbum weist eine Menge starke Momente auf, in denen die Truppe musikalisch einen guten Eindruck hinterlässt. Der Sound bietet eine beständige Abwechslung, auch wenn das Zusammenwürfeln verschiedener Genres die Individualität der Band untergräbt. „Subjective Concepts“ ist aber durchaus ein Album, das es wert ist, angehört zu werden. Nicht zuletzt wegen der gleichmäßig verteilten rebellischen und atmosphärischen Ader. Strange Wilds machen Musik, die nicht nur auf dem Silberling, sondern auch live eine Menge Energie transportiert.

Anspieltipps:
Pronoia / Starved For / Autothysis / Egophilia / Lost And Found

Video

Trackliste

01 Pronoia
02 Starved For
03 Autothysis
04 Don´t Have To
05 Egophilia
06 Oneirophobe
07 Disdain
08 Pareidolia
09 Terrible
10 Lost And Found
11 Outercourse

Details

Strange Wilds – Facebook

Label: Sub Pop Records / Cargo Records
Vö-Termin: 24.07.2015
Spielzeit: 35:13

Copyright Cover. Sub Pop Records



Über den Autor

Christopher