Review

Die Band Storno. veröffentlicht ihr neues Album „Wellness“ und verleitet damit zunächst zu Storno-Witzen à la „Damit ist der Wellness-Urlaub wohl abgesagt“. Davon abgesehen ist Storno. eine von den Bands, die sich nur schwer einer musikalischen Kategorie zuordnen lassen. Zur Veranschaulichung könnte man es allerdings mit Post-Punk oder Noise Rock versuchen.

Auf „Wellness“ präsentiert die Band ausgelassene, nonkonforme Unterhaltung und Stagnation. Zudem klingen die zwölf Songs auffallend roh, was sicherlich auch auf die intentionale Produktion zurückzuführen ist. Dabei kommt es dem Gesamtsound zugute, dass sich der verkantete und kratzige Charakter auch in den Texten widerspiegelt.

Ein erstes Zeichen setzen Storno. mit „Ausnahme Alltag“. Ein pulsierender Bass ist auch im weiteren Verlauf der Platte immer wieder präsent. Hinzu kommt hartes bis dezentes Riffing, welches den Titel in die Höhen des Punks befördert. Sogar nachfolgender Song „Winter“ protzt mit Eingängigkeit und einprägsamer, wenn auch simpler Hook.

Ein Blick auf die Trackliste und es werden sicherlich zwei oder drei Songtitel ins Auge springen. „Arschlöcher“ ist genau das: ein rotziger Punksong mit einem Refrain, der nicht lange um den heißen Brei herum redet. Zweiter Blickfang und gleichzeitig Highlight auf „Wellness“ ist das nicht minder unterhaltsame „Peinlich Tanzen“. Stornos Verfremdung von Funk und der minimalistische Ansatz lassen die Beine nicht stillstehen.

Nach Ablauf der Platte ist es dennoch so, dass man sich fragt, wie viel der Hörer für sich mitgenommen hat. Nicht, dass die Band irgendwelche Anstalten macht, ihre Songs in besonders tiefsinniger Lyrik zu vergraben. Aber bei so viel Energie und Freigeist muss doch mehr herumkommen.

Die Titel bergen immer eine super Intention und packen die Hörer in der ersten Minute. Ein Teil der Titel lässt danach jedoch stark nach. „Huch“ ist beispielsweise einer der Titel, in dem der treibende Bass enorm wichtig ist, genauso wie das dezent düstere Spiel an der Gitarre. Der Refrain ist anschließend allerdings ein komplettes Durcheinander und selbst die Vocals gehen in dem Gewühl unter.

Auch gegen Schluss scheint Storno. lyrisch und musikalisch ein wenig die Luft aus zu gehen. Davor bringt „Das Tragen der Funktion“ ein wenig Turbostaat-Feeling mit, kann aber besonders gegen Ende mit nichts Mitreißendem mehr überzeugen.

Auch vorhersehbare Songs wie „Reden ist Silber…“ brauchen Storno. eigentlich gar nicht, denn es gibt Momente auf dem Album, in denen man dieses Schubladen-Denken vergisst und sich einfach nur der Musik hingibt.
Und so merkt man letztlich, dass bei Storno. einfach viel mehr geht und man aus einer Handvoll Songs viel mehr hätte machen können. Nichtsdestotrotz überzeugt „Wellness“ in erster Linie durch eine ungeschminkte Art, die das Musikalische immer auf den Punkt bringt.

Trackliste

01 Herzlich willkommen
02 Ausnahme Alltag
03 Winter
04 Talentfrei
05 Arschlöcher
06 Reden ist Silber …
07 Peinlich tanzen
08 Beisitzer
09 Huch!
10 Das ist noch gut
11 Das Tragen der Funktion
12 Ärgern

Details

Storno. – Facebook

Label: Salon Alter Hammer / Broken Silence
Vö-Termin: 00.06.2016
Spielzeit: 34:14

Copyright Cover: Salon Alter Hammer



Über den Autor

Christopher