Review

Die Spiritual Beggars waren für mich stets eine Band der Gegensätze. Irgendwo zwischen Kult-Band und Geheimtipp mit einem Sound irgendwo zwischen Stoner und virtuosem Vintage-Rock, irgendwo zwischen Super-Group und Side-Project, zwischen Chart-Platzierung und Underground.

Mit „Sunrise to Sundown“ ist nun das neunte Studioalbum der fünf Schweden erschienen und man war gespannt, ob die Band es schafft, sich den Weg durch das übersättigte Stoner-Genre zu bahnen. Ein überfüllter Markt ist eben auch für Platzhirsche ein hartes Pflaster. Dass die Spiritual Beggars scheinbar doch in einer anderen Liga spielen, wird dann schon beim ersten Durchlauf des Albums deutlich.

Als Opener präsentieren die Herren Amott und Co. gleich den Titeltrack, der im groovenden Midtempo daherkommt und besonders in den Strophen viel Platz für die phänomenale Stimme von Apollo Papathanasio bietet. Wer sich hin und wieder fragt: „Was macht eigentlich Ian Gillan?“, sollte vielleicht mal bei Apollo nachfragen!

Mit „Diamond Under Pressure“ schicken die Jungs dann direkt den nächsten Ohrwurm hinterher und so langsam wird klar, dass wir es bei diesem Album mit etwas Großartigem zu tun haben. Jedes Riff sitzt, jeder Refrain geht direkt ins Ohr, kurz gesagt: Die Balance stimmt einfach.
Der Stoner-Anteil ist im Vergleich zu früheren Werken der Schweden nicht so omnipräsent und lässt mehr Freiraum für Melodien und Emotionen. In meinen Augen ist genau hier der Schlüssel, warum diese Scheibe funktioniert. Dem Trend der sludgigen Eintönigkeit kontert die Band gekonnt mit einer unbändigen Spielfreude, die schnellere Songs wie „What Doesn’t Kill You“ mit groovenden, langsameren Tracks zu verbinden weiß.

Songs hervorzuheben ist dabei nicht gerade leicht. Alle, wirklich alle Songs sind gut gemacht und wirken bereits beim zweiten Durchhören wie alte Bekannte. Es hat den Anschein, als hätte die Band endlich die geheimen Zutaten gefunden, die auf den letzten Werken ein wenig gefehlt haben. Eine dieser Zutaten ist das homogene Zusammenspiel der fünf Musiker. Die eingängigen Riffs von Michael Amott harmonieren hervorragend mit dem präsenten, aber niemals nervigen Hammond-Sound von Organist Per Wiberg. Im Unterschied zu seinen eher schnelleren Metal-Projekten bietet der groovige Sound auf „Sunrise to Sundown“ Michael hier viel Platz für ausgedehnte und abwechslungsreiche Soli. Die Rhythmus-Sektion um Sharlee D’Angelo (Arch Enemy, Mercyful Fate) und Ludwig Witt sorgt dabei für den nötigen Kick. Man merkt, dass diese Band Spaß hat, zusammen zu spielen.

Spiritual Beggars (Copyright: Masa Noda)

Spiritual Beggars (Copyright: Masa Noda)

Abwechslung heißt also ganz klar das Gebot der Dreiviertelstunde, die dieses Album ohne einen einzigen Füllsong mit „Southern Star“ zu einem grandiosen Ende bringt. Die Qualität der Songs ist dabei durchweg so hoch, dass sie auch locker als ein Best-of durchgehen könnte. Kurios ist die Tatsache, dass die letzten Klänge des Albums uns noch einmal kurz in den „Court of the Crimson King“ führen. Ob gewollt oder ungewollt: Mit den Rock-Größen der 60er und 70er stehen die Beggars in bester Gesellschaft und können im CD-Regal guten Gewissens zwischen Deep Purple und Konsorten einsortiert werden.

Mit dem Wort „Referenzwerk“ muss man sicherlich vorsichtig sein, für mich markiert „Sunrise to Sundown“ aber definitiv den Höhepunkt in der bisherigen Bandgeschichte. Rock’n’Roll!

Video

Tracklist

01 Sunrise To Sundown
02 Diamond Under Pressure
03 What Doesn’t Kill You
04 Hard Road
05 Still Hunter
06 No Man’s Land
07 I Turn To Stone
08 Dark Light Child
09 Lonely Freedom
10 You’ve Been Fooled
11 Southern Star

Details

Spiritual Beggars – Homepage
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Label: InsideOutMusic
Vö-Termin: 18.03.2016
Spielzeit: 46:57

Copyright Cover: InsideOutMusic



Über den Autor

Tim
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Je länger man kaut, desto süßer das Brot!